Das sind Ihre Rechte als Bahnfahrer

22. Dezember 2012, 14:12 Uhr

Großer Ansturm auf die Bahn: Heute kommt es im Weihnachtsverkehr zu erheblichen Verzögerungen. Bei Verspätungen und Zugausfällen muss die Bahn zahlen. Doch wie funktioniert die Fahrpreiserstattung? Von Till Bartels

Das Wetter ist mal wieder Schuld: Schnee und Frost im Norden und Osten Deutschlands bringen den Fahrplan teilweise aus dem Takt. Ausgerechnet am Hauptreisetag kurz vor Weihnachten. Verspätungen zwischen 20 Minuten und bis zu zwei Stunden sind keine Seltenheit. Das hat Auswirkungen auch auf ICE-Verbindungen bis nach Süddeutschland.

Schon seit Juli 2009 haben Bahnreisende Anspruch auf eine Teilerstattung ihrer Fahrkarte, wenn der Zug über eine Stunde Verspätung hat. Doch noch immer wissen die wenigsten Kunden der Deutschen Bahn nicht, was ihnen im Fall einer Zugverspätung oder eines kompletten Ausfalls zusteht. stern.de gibt Antworten auf die 14 wichtigsten Fragen.

Wann gibt es eine Entschädigung?

Ab einer Verspätung von 60 Minuten muss die Bahn zahlen. Maßgeblich ist die Differenz zwischen geplanter und tatsächlicher Ankunftszeit am Zielort. Das gilt auch bei Nutzung mehrerer Züge verschiedener Bahnunternehmen und bei verpassten Anschlusszügen. Hat zum Beispiel der Regionalexpress aus Cottbus nach Berlin-Hauptbahnhof zum ICE nach Hannover Verspätung und der Reisende kann erst mit dem nächsten ICE eine Stunde später weiterreisen, ist eine Entschädigung fällig.

Mit welchen Erstattungsbeträgen kann ich rechnen?

Bahnreisende haben ab 60 Minuten Verspätung Anspruch auf Erstattung von 25 Prozent des Fahrpreises, ab 120 Minuten auf 50 Prozent. Der ICE-Sprinter-Aufpreis wird ab 30 Minuten Verspätung des ICE-Sprinters erstattet.

Wo erhalte ich eine Bestätigung?

Auf dem Fahrschein haben die Zugbegleiter bei der Entwertung per Zange das Datum und die Zugnummer dokumentiert. Die Schaffner und Mitarbeiter an den DB Service Points bestätigen die Verspätungen. Auch ohne eine solche Bestätigung ist eine Erstattung möglich. Denn die Servicecenter haben Zugriff auf alle Bahn-Reisedaten inklusive nachprüfbarer Verspätungen.

Welches Formular benötige ich?

Das Fahrgastrechte-Formular. Auf dem inzwischen nur noch zweiseitigen DIN-A4-Papier trägt der Kunde ein, welche Fahrkarte er genutzt hat, den geplanten und den tatsächlichen Reiseverlauf und die gewünschte Art der Erstattung. Das Formular gibt es beim Schaffner und im Reisezentrum.

Das ausgefüllte Formular muss zusammen mit der Originalfahrkarte oder Kopie der Zeitkarte im Reisezentrum oder bei einer DB Agentur abgegeben werden. Auch kann es per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte (Tel. 01805 - 20 21 78) in 60647 Frankfurt am Main geschickt werden.

Das Fahrgastrechte-Formular ist auch im Internet abrufbar und kann online ausgefüllt werden.

Funktioniert die Erstattung auch bargeldlos?

Es gibt drei Möglichkeiten der Erstattung: Bargeld am Schalter, Überweisung auf das angegebene Bankkonto oder in Form eines Gutscheins, der ein Jahr gültig ist. Letzterer kann beim Kauf der nächsten Fahrkarte am Schalter, am Automaten oder im Internet eingelöst werden.

Welche Ausnahmen gibt es?

Es gilt eine Bagatellgrenze von vier Euro. Liegt die Entschädigung darunter, wird nichts erstattet. Keine Haftung übernimmt die Bahn in Fällen, für die sie nichts kann, wie zum Beispiel bei Streikauswirkungen, Unwetter, Personenschaden (Suizid) auf der Strecke oder eigenem Verschulden des Reisenden.

Erhalten auch Zeitkarten-Inhaber eine Erstattung?

Für diesen Personenkreis hat die Bahn Pauschalbeträge als Entschädigung festgelegt. Für eine Verspätung von 60 Minuten bekommen Zeitkartenbesitzer des Nahverkehrs eine Gutschrift von 1,50 Euro. Sie müssen also mindestens drei solcher Verspätungen geltend machen, um die Bagatellgrenze von vier Euro zu überspringen. Inhaber von Fernverkehrs-Zeitkarten und der Bahncard 100 bekommen fünf Euro pro 60-Minuten-Verspätung.

Innerhalb welcher Frist muss ich meinen Antrag einreichen?

Der Bahn-Kunde hat bis zu einem Jahr nach Ablauf der Gültigkeit seiner Fahrkarte die Möglichkeit, sein Fahrgastrechte-Formular anzumelden.

Kann ich auch eine Taxi-Quittung einreichen?

Sollte der Zug laut Fahrplan zwischen Mitternacht und 5 Uhr am Zielort ankommen und ist eine Verspätung von 60 Minuten zu erwarten, können Reisende stattdessen Bus oder Taxi benutzen. Eine Taxi-Quittung wird bis maximal 80 Euro erstattet.

Wird auch eine Hotelrechnung erstattet?

Sollte sich die Bahnfahrt aufgrund einer Verspätung mit der letzten fahrplanmäßigen Verbindung des Tages nicht mehr fortsetzen lassen, werden "angemessene Übernachtungskosten" für ein Hotel erstattet.

Gibt es eine Erstattung bei Nichtantritt einer Bahnreise?

Zeichnet sich schon vor Reisebeginn eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, kann der Fahrgast von seiner Reise zurücktreten und sich den vollen Fahrpreis, bei Nutzung einer Teilstrecke, den nicht genutzten Anteil erstatten lassen.

Kann ich bei Verspätungen statt mit dem Regionalexpress auch mit einem ICE fahren?

Wenn eine Zugverspätung von mindestens 20 Minuten angekündigt wird, dürfen Reisende auf einen höherwertigen, nicht reservierungspflichtigen Zug umsteigen. In der Praxis ist das System jedoch kompliziert: "Kunden mit einer Nahverkehrsfahrkarte müssen zunächst eine gültige Fernverkehrs-Fahrkarte, beziehungsweise den Produktübergang bezahlen", heißt es bei der Bahn. Anschließend kann der Kunde sich die Differenz erstatten lassen. Die Regelung gilt nicht für "erheblich ermäßigte Fahrkarten", wie das Schöne-Wochenende- oder Länder-Ticket.

An wen kann ich mich wenden, wenn mein Antrag abgelehnt wurde?

Bei Beschwerden über Entscheidungen des Servicecenter Fahrgastrechte kann man sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V. (söp) wenden. Die Adresse: Fasanenstraße 81, 10623 Berlin. Tel. 030 - 6 44 99 330, Fax 030 - 6 44 99 33 10, E-Mail: kontakt(at)soep-online.de

Wo finde ich weitere Infos im Internet?

Fahrgastseiten der Deutschen Bahn: www.bahn.de/fahrgastrechte
Fahrgastrechte-Formular der Bahn: zum Online-Formular
Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V.: www.soep-online.de

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