Am Sonntag wird am Ground Zero der Grundstein gelegt für den Freedom Tower, den wohl spektakulärsten Neubau der Welt. Ein Stuttgarter Ingenieur setzt ihm die Krone auf.

Ein "Ausrufezeichen in der Skyline": Gut 540 Meter hoch soll der "Freedom Tower" ab 2008 in den Himmel ragen© LMDC
So hoch hinaus möchten nur noch wenige. Spätestens seit dem 11. September 2001 gelten New Yorker Büroflächen in luftiger Höhe als schwer vermietbar. Dennoch wollte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg - und mit ihm die meisten Bürger seiner Stadt - ein "neues Ausrufezeichen" für die Metropole: einen herausragenden Bau, wie es das World Trade Center gewesen war.
Wie also baut man das höchste Hochhaus der Stadt, ohne allzu viel leer stehende Etagen zu ernten? Die Lösung: Der "Freedom Tower" besteht fast zur Hälfte aus Luft. Auf einem 320 Meter hohen Bürokomplex soll sich, gehalten von Stahlseilen, eine 221 Meter hohe Stahlspirale mit eigenem Windkraftwerk in den Himmel schrauben. Kommenden Sonntag - am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag - wird der Grundstein gelegt.

Die vorläufigen Pläne sehen einen Gesamtkomplex mit weiteren vier Hochhäusern und einer Gesamtbürofläche von einer Million Quadratmetern vor - so viel, wie mit dem World Trade Center verloren ging© LMDC
Geplant wurde das Windspiel auf dem "Freedom Tower" in Stuttgart. Dort sitzt, in einer restaurierten Sandsteinvilla mit knarzenden Dielen und schweren, schlecht schließenden Holztüren, das Bauingenieursbüro Schlaich, Bergermann und Partner. Für das New Yorker Projekt zeichnet Seniorpartner Hans Schober, 61, verantwortlich, ein freundlicher, grauhaariger Herr in kariertem Hemd.Ursprünglich waren die Stuttgarter an einem anderen Entwurf für die Neubebauung am Ground Zero beteiligt. Die internationale Architektengruppe "Think" - und mit ihr das Büro Schlaich - belegte schließlich Platz zwei. Sieger wurde der Berliner Architekt Daniel Libeskind. Der jedoch hat kaum Erfahrung im Bau von Wolkenkratzern und ist während der Detailplanungen an den Rand gedrängt worden. Der Architekt David Childs durfte den Masterplan des Berliners überarbeiten und realisiert nun den "Freedom Tower". Childs kennt sich aus mit Hochhäusern und den knallharten kommerziellen Vorgaben der New Yorker Bauherren. Als Erstes kippte er, was beim Libeskind-Entwurf noch die Spirale füllte: dekorative, aber teure "hängende Gärten", Plattformen, ein Restaurant. Auf der Suche nach einer baulichen Umsetzung für die luftige Spirale wandte sich Childs an das Büro Schlaich. Als der Anruf aus New York kam, habe man "a Fläschle Sekt" geköpft und sich flugs an die Arbeit gemacht, erzählt Hans Schober. Nur vier Monate Entwicklungszeit blieben bis zur Grundsteinlegung.