. .
Urlaubstipps
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
18. April 2010, 18:52 Uhr

Gefangen im goldenen Käfig

Hunderttausende Deutsche sitzen in Ferienparadiesen fest. Klingt besser, als es ist. Denn die Ungewissheit zerrt an den Nerven. stern.de-Redakteur Dieter Hoss ist auf Madeira gestrandet.

Flugchaos, Europa, Aschewolke, Madeira

Madeira ist ein Urlaubsparadies - solange man sich dort freiwillig aufhält© Madeira/DDP

Wie zum Hohn geht an diesem Morgen die Sonne auf über Madeira. Wir sollten eigentlich gar nicht mehr da, sondern mit Air Berlin längst wieder in Deutschland gelandet sein. Zuletzt hatte Abreisewetter geherrscht. Regnerisch war es, und stürmisch. So stürmisch, dass am vergangenen Donnerstag vom Flughafen in Funchal einige Flieger nicht starten konnten. Die Start- und Landebahn des Insel-Airports ist kurz, obwohl sie in den vergangenen Jahren dank gigantischer Betonpfosten verlängert wurde und nun teilweise wie eine riesige Brücke über dem felsigen Ufer steht. Doch bei einem ausgewachsenen Atlantik-Sturm bleiben die Maschinen am Boden. Da braucht es keinen Vulkan-Ausbruch auf einer tausende Kilometer entfernten anderen Insel.

Sturm und Regen könnten in Nordeuropa vielleicht jene verhängnisvolle Aschewolke vertreiben, die nun schon seit Tagen den Flugverkehr über Europa stilllegt. Hier aber kann niemand schlechtes Wetter gebrauchen. Urplötzlich ist die portugiesische Atlantik-Insel von einem Teil der Europäischen Union wieder zu einem verlorenen Eiland in den Weiten des Meeres geworden, wie es im Madeira Story Center, dem ultramodernen historischen Museum in Funchal, so schön poetisch heißt. Auf den Nachbildungen antiker Globen ist dort zu sehen, dass Madeira Ende des 15. Jahrhunderts noch am Ende der bekannten Welt lag.

Und genauso "ab vom Schuss" fühlen sich nun die vielen Touristen, die die Blumeninsel, auf der in der Regel ewiger Frühling herrscht, nicht verlassen können. Rund 900 Kilometer entfernt vom europäischen Festland sitzt man hier erst einmal fest - ein goldener Käfig, weit entfernt von allen denkbaren Rückreise-Alternativen wie tagelangen Zug- oder Autofahrten. Für Fähren zum Festland ist der Weg ist viel zu weit; die Flugverbindungen nach Lissabon sind spärlich und kaum zu haben.

Die Ungewissheit, eine Entwicklung zu verpassen

In der Lobby der "Quinta do Furao", einem traumhaft an der Steilküste im Norden der Insel gelegenen Hotel, sitzen die Gestrandeten an den Vormittagen und warten auf Anrufe ihrer Reiseveranstalter. "Wann geht es weiter?" ist die Frage, die fast alle umtreibt. Selbst jene, die erst in den kommenden Tagen abreisen wollen. "Auch während der Wanderung denke ich oft: Na, ob ich am Dienstag weg komme", sagt ein Reisender aus Thüringen und lacht leicht säuerlich. Dann zieht er mit seiner Frau los - immer die Ungewissheit im Hinterkopf, vielleicht doch während des Ausflugs eine neue Entwicklung zu verpassen.

Wenigstens kann man sich so auf angenehme Weise die Zeit vertreiben und muss nicht - wie andernorts - am Flughafen versauern. Dort ist dementsprechend kaum etwas los; einige Franzosen versuchen, auf Flüge nach Nantes umzubuchen und von dort weiter in den Norden zu kommen. Doch viele freie Plätze gibt es augenscheinlich nicht.

Sonderpreise für Gäste

Die meisten Touristen auf der Insel können in ihren Hotels bleiben oder werden in anderen Unterkünften untergebracht. Viele Reiseveranstalter haben Sonderpreise für ihre Kunden ausgehandelt. Die meisten Hotelbetreiber gehen darauf ein. Sie können letztlich froh sein, noch ein paar Gäste zu haben. Das Gros der Touristen auf Madeira kommt aus Deutschland und Großbritannien. Doch wegen der Aschewolke bleibt der Nachschub seit Tagen aus. "Das ist schlimm für uns alle", sagt Jorge, einer der Kellner im Restaurant der Quinta. Es herrscht gähnende Leere, an den wenigen besetzten Tischen sitzen seit Tagen immer die gleichen Gäste, die nicht mehr mit den letzten Fliegern abreisen konnten.

Gut eine Million Touristen besuchen das Wanderparadies vulkanischen Ursprungs alljährlich - die meisten kommen traditionell aus Großbritannien und auch aus Deutschland - beides Länder mit geschlossenem Luftraum. "Und niemand weiß, ob die, die jetzt nicht kommen können, später im Jahr kommen werden", ist Jorge skeptisch. Es ist kein gutes Jahr für Madeira. Schon vor zwei Monaten gab es zahlreiche Stornierungen, nachdem ein heftiges Unwetter große Teile der Insel verwüstet hatte. Viele Menschen kamen dabei ums Leben.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
REINI2 (19.04.2010, 18:25 Uhr)
Vulkanasche und Schweinegrippe....was haben die gemeinsam??
Beide wurden zu Katastrophen hoch stilisiert. Leider gingen wir nicht brav zum Impfen....dafür schütten sie jetzt Vulkanasche auf unser Haupt.

Diesmal können wir uns NICHT dagegen wehren!
Ich habe bei der Schweinegrippe behauptet, dass wir verdummt werden...hatte ich recht... oder hatte ich RECHT!?

Jetzt sage ich auch, dass wir belogen werden!
Damals ging es ums Geld verdienen....Jetzt wahrscheinlich auch, ich weiß nur nicht WER und WIE!
Könnte mir aber vorstellen, dass bald die ersten <Vulkanasche-Versicherungen> auf den Markt kommen.
Und wer jetzt lacht...der wird sich bald wundern ;-)))
REINI2 (19.04.2010, 17:59 Uhr)
Wie bescheuert sind Politiker??
Wie werden von inkompetenten Dilettanten regiert... und zwar Europaweit.....mindestens!

Die haben nach einer Computersimulation den Luftraum gesperrt!!! Ohne jegliche Datenanalyse!!

Man sollte es nicht glauben, dass so etwas möglich ist! Erst heute bequemte man sich ein Flugzeug zur Analyse der WAHREN WERTE in Luft zu schicken!

Ich hatte die vergangenen Tage immer nach ähnlichen Fällen gesucht...fand aber NICHTS!
Kein Wunder...so bescheuert sind nur die Europäer! Die Finanzmärkte haben sich selber zerlegt, jetzt zerlegen die Politiker auch noch den Tourismus!
Es gibt allerdings noch Politiker, die nicht nur panisch und unfähig sind....(ramsauer!!) sondern auch welche mit HIRN! Leider nicht bei uns!

?Beim Ausbruch des Mount St. Helens in den USA 1980 hat es laut IATA-Generaldirektor Bisignani keine weiträumigen Flugverbote gegeben. Seinerzeit gab es "keine weitreichenden Störungen, da die Entscheidungen zur Schließung und Öffnung des Luftraums auf Basis einer Risikobewertung getroffen wurden, ohne die Sicherheit zu gefährden", sagte Bisignani. Eine Kritik, die Frankreichs Umweltminister Jean-Louis Barloo teilte. "Man schließt den europäischen Luftraum nicht einfach, ohne angemessene Tests durchzuführen", kritisierte Umweltminister Jean-Louis Barloo am Montag.?

Hier der ganze Artikel:
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/vwdnews/0,2828,ticker-32145086,00.html
Julian2225 (19.04.2010, 03:56 Uhr)
Brigitteramsau,
genau so schaut es aus! Es wird hier rumdiskutiert warum, weshalb und wieso ueberhaupt, aber vergessen das eine Gefahr besteht und wenn nur eine Maschine abstuerzen wuerde will es dann eh niemand gewesen sein!
Deshalb, solange nicht zu 100Prozent geklaert ist das diese Wolke keine Gefahren bedeutet sollten die Maschinen dort bleiben wo sie jetzt sind! Natuerlich gibt die Profitmentalitaet und die Schnelllebigkeit Fakten die der eigenlichen Gefahr allerdings nicht gerecht werden.
Und wenn hier jemand der Ueberexperte sein moechte, schoen, bloss bitte nicht mit dem Leben anderer Menschen spielen!
Von mir aus kann der Luftraum fuer 3Monate gesperrt bleiben, wie gesagt, so lange es halt noetig ist und wer dem nicht zustimmt ist ein arroganter Mensch dem die Sicherheit von anderen egal ist!
horst.pachulke (19.04.2010, 02:25 Uhr)
@ Springbock:
Auch ein Techniker kann durch die Überprüfung von stichprobenhaft durch den Luftraum geschickten Fliegern keine Aussage darüber machen, ob, und wenn ja, wo Konzentrationen von Vulkanasche in der Luft vorhanden sind, die z.B. dies hier

http://www.flightglobal.com/articles/2010/04/16/340727/pictures-finnish-f-18-engine-check-reveals-effects-of-volcanic.html

auslösen können. Es besteht mehr als nur eine hypothetische Möglichkeit, dass sich Vulkanasche ähnlich verhält wie der Rauch von einem Feuer. Wenn Sie einmal die Rauchschwaden betrachtet haben, die sich über einer Wiese in der Abenddämmerung setzen, wissen Sie, dass da viiiiiel Platz ist für alles was durchfliegen möchte.

Zwischendrin sind dann aber immer wieder regelrechte "Rauchbanken".

Ob diese im deutschen Luftraum momentan als "Aschebanken" vorhanden sind und wenn ja: WO???? kann gerade keiner so zuverlässig sagen, dass man Flugzeuge im Voraus davor warnen und um sie herumleiten könnte. Das (Nicht-)Vorhandensein von Asche an Punkt A zu Zeit X sagt nichts über das (Nicht-)Vorhandensein von Asche an Punkt A, B,C, ... zu den Zeiten Y,Z, ... aus: Es kommt stetig neue Asche nach, die vorhandene Asche wird durch den Luftraum gewirbelt, dort verteilt, nicht verteilt, (wieder) akkumuliert, nur weiterverfrachtet.
Das ist die ganze Schwierigkeit der Sachlage.

My English isn't that good but it fits in fine with the requirements set by the English text below. I'd rather guess you didn't get the point I made, did you?
SpringbokCT (19.04.2010, 01:52 Uhr)
> EDDS
... dazu gelernt. Tatsächlich hätte ich es letzte Woche so nicht geglaubt.

Am Freitagabend erzählte hier noch einer, er wäre mittags im Rheinland mit einer C182 rumgegurkt und das er sich nicht vorstellen könne, dass da was wäre. Ich fragte noch scherzhaft ob er mit der C182 auf FL300 gewesen wäre.

Diese Partikeltheorie überfordert mich auch. Wie können diese Steinteilchen tagelang, quasi auf der Stelle schweben, ohne abzusinken? Das Ganze vergleiche ich mittlerweile mit dem Schilderwald auf unseren Strassen, von denen der überwiegende Teil auch nur dazu dient, die Beamtchen abzusichern.

> horst.pachulke (19.04.2010, 00:48 Uhr)
Wenn Sie Englisch könnten hätten sie gelesen, dass die besagte MD11-F von Technikern mit spez. Equipment überprüft wurde.
brigitteramsau (19.04.2010, 01:08 Uhr)
Dann fliegt doch...
...nur wenn auch nur wenn es auch nur zu einem einzigen Flugabsturz kaeme, wer oder was waere dann verantwortlich?
horst.pachulke (19.04.2010, 00:48 Uhr)
@ Springbock CT:
Werden Sie Verkehrsminister mit Ihrer unglaublichen Ahnung in puncto Vulkanasche, Meteorologie und moderne Düsenflieger.
Dann dürfen Sie die Verantwortung für einen Weiterbetrieb des Flugverkehrs über Deutschland übernehmen, wenn die nächste Vulkanaschewolke, deren Dichte und genaue Verteilung keiner kennt (auch kein Kapitän eines LH-Frachtfliegers, nebenbei bemerkt), über Deutschland hängt.

Sicher keine einfache Entscheidung. Obwohl politisch nicht mein Fahrwasser bewundere ich das Rückgrat des Ministers.
STR_EDDS (19.04.2010, 00:26 Uhr)
@SpringbokCT
So sieht es aus. und auch danach, dass es für solche Belange keine EU Koordinationsstelle gibt. Dass in Oberpfaffenhofen ein Messflugzeug erst am Montag gerüstet wird, lag unter anderem daran, dass es vorher keine Anfrage gab. Und das DLR als Pächter nicht ohne Aufforderung das private Budget dezimieren wollte. Eigentlich unglaublich. Für Bananen gab es Normen und selbst für Modellflieger eine zentrale Abnahmestelle, welche die LBAs der Mitglieder steuert.
.
Und dann kam ja auch noch das Wochenende. Man stelle sich vor: Ein Beamtenwochenende wird von einem Vulkan gestört. Undenkbar.
.
Condor hatte heute eine Maschine eine 300km Schleife von FRA-FRA fliegen lassen. Leer und mit 10min über 11tsd m. Und anschliessend wurde diese peinlichst untersucht. 45min nach den Ergebnissen wurden alle crews in FRA, TXL, HAM im Intranet auf Abruf gestellt. Zwei Stunden später waren ja dann die ersten Kisten wieder in der Luft. Ich finde das Cool - Atmosphärenforschung mit einem Passagierjet und Staublappen, sozusagen. Ein Freund von mir beim DWD hatte mich heute über die fehlenden Wetterballons aufgeklärt. Er meinte solche gäbe es schon, allerdings nur in Polregionen zur Ozonforschung und nicht mit Partikelkollektoren. In Deutschland dürften diese nicht finden sein, weil dort ganz simpel der Einsatz nicht möglich sei und deswegen keine Bevorratung stattfände. Gut. Wieder etwas dazu gelernt.
SpringbokCT (19.04.2010, 00:05 Uhr)
Ramsauer
Von Ramsauer bekam ich heute Abend im Brennpunkt den Eindruck, als wenn er gar nicht wüsste um was es geht und lediglich mit Arroganz seine Inkompetenz überspielen wolle.

Diese Experten für Vulkanstaub und deren Beeinträchtigung des Flugverkehrs in England stellen mich auch vor immer grössere Rätsel. Wenn sie nicht selber die Möglichkeit besitzen die Kontamenierung der betr. Lufträume zu überprüfen müssten sie doch die einzelnen Mitgliedsländer um Hilfe bitten. Der Verdacht das hier lediglich paar Spezis ihre Daseinsberechtigung nachweisen wollen kommt immer näher.

>EDDS
Auch dieser Testflug mit dem MD11-Frachter nach IST und die ganzen Überführungsflüge heute beweisen ja, dass die Kontanemierung, soweit überhaupt vorhanden, sich nicht auswirken und nicht nachzuweisen ist.

STR_EDDS (18.04.2010, 22:45 Uhr)
Ich darf mal eine andere Quelle zitieren:
"Meanwhile Air Cargo News/Flying Typers spoke to DLH Chief Pilot Fokko Doyen who told this publication exclusively:
.
?We departed in Frankfurt yesterday late afternoon having been given a special permission for a test flight to Istanbul with one of our MD-11Fs.
.
?While climbing we must have penetrated the ash layer hanging over most parts of Europe as meteorologists claim.
.
?Although the ash was visible we did not notice any irregularities during the entire flight which we completed by cruising at 39,000 feet altitude.
.
?After safe landing at Istanbul Airport experts began inspecting the turbines thoroughly with special instruments to get a precise picture of the motors.
.
?The encouraging result of this flight and check was that there were no ash particles within the engines, absolutely zero.
.
?Today we flew back from IST to FRA and ? again ? could not detect any volcanic substance in the atmosphere.
.
?It was a normal flight from beginning to end just as we conduct it every day.
.
?According to professional weather people the cloud is still hanging above our heads but we didn?t detect a single trace of it.?
.
.
Ob das der Ramsauer wohl korrekt übersetzt bekam?
MEHR ZUM ARTIKEL
Aschewolke über Europa Ticker: British Airways beendet Testflug ohne Probleme

Der Ausbruch des Vulkans unter dem isländischen Eyjafjalla-Gletscher legt den europäischen Luftverkehr lahm. Die aktuellen Entwicklungen im stern.de-Live-Ticker. mehr...

Aschewolke über Europa Mehrere Flughäfen zeitweise geöffnet

Lufthansa und Air Berlin greifen die Behörden wegen des Flugverbots scharf an. Inzwischen haben die Behörden den Luftraum über sieben Flughäfen vorläufig freigegeben. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe