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Luftraum bleibt bis Dienstag dicht

Die Vulkanasche aus Island bremst den Flugverkehr weiter aus. Die Flugsicherung hat das Flugverbot über Deutschland erneut verlängert: Bis Dienstag früh um 2 Uhr dürfen keine Jets starten oder landen.

Die riesige Wolke aus Vulkanstaub bremst den Luftverkehr in Deutschland und großen Teilen Europas weiter aus. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat das weitreichende Flugverbot bis Dienstag 2 Uhr morgens verlängert. Der Sprecher der DFS, Axel Raab, sagte am Montag der Nachrichtenagentur APD, diese vorläufige Entscheidung beruhe auf den momentanen Erkenntnissen über die Aschewolke. Allerdings könne sie sich noch ändern, falls das Testflugzeug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, das am Nachmittag aufsteigen sollte, neue Erkenntnisse bringen sollte. Auch eine Änderung der Wetterlage könne die Entscheidung noch einmal revidieren.

Der britische Luftraum bleibt bis Dienstagfrüh um 1 Uhr gesperrt, wie die Luftfahrtbehörde am Montag mitteilte. In Österreich sind dagegen seit Montagmorgen um 5 Uhr wieder Starts und Landungen erlaubt. Fast alle Starts der österreichischen Fluggesellschaft Air Niki vom Flughafen Wien seien erfolgt, meldete die österreichische Nachrichtenagentur Apa. Flughafen-Wien-Pressesprecher Peter Kleemann teilte mit, bis 7 Uhr seien elf Flugzeuge gestartet, in den 90 Minuten danach weitere sieben bis acht. Den Informationstafeln im Flughafen zufolge starteten zwischen 7 und 9.15 Uhr 13 von 48 planmäßigen Flügen, meldete APA weiter.

Haben Sie Verständnis für die anhaltende Sperrung des Luftraums?

Seit Donnerstag sehen sich Fluggäste mit massiven Behinderungen konfrontiert. Zehntausende Flüge sind ausgefallen. Viele Passagiere sitzen in der Fremde fest oder kommen nicht an ihr Reiseziel. Viele versuchten, mit Bussen und Bahnen oder Taxis und Mietwagen an ihr Ziel zu kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Sonntag von einer USA-Reise nach Berlin zurückkehrte, erreichte die Hauptstadt erst nach Zwischenstopp in Lissabon und langer Autofahrt aus Rom.

Die Fluggesellschaften dringen immer heftiger auf eine Öffnung des Luftraums. Der Stillstand verursacht ihnen Schäden in dreistelliger Millionenhöhe. Testflüge seien problemlos verlaufen, betonen Manager und Piloten. Die DFS sieht sich aber an internationale Vorschriften zu Vulkanausbrüchen gebunden. Auch Politiker und Meteorologen wollen auf Nummer sicher gehen. Und der Vulkan spuckt weiter Asche.

Regierung und Wirtschaft bilden Task Force

"Sicherheit muss höher gewichtet werden als Geschäftsinteressen", sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in München. "Solange noch Zweifel an der Sicherheit des Luftverkehrs bestehen, werde ich keine Flugfreigabe erteilen."

Zugleich erteilte er staatlichen Hilfen für die Fluggesellschaften wegen Einbußen durch die Aschewolke aus Island eine Absage. "Ich wehre mich gegen jeden Ruf an den Staat", sagte der CSU-Politiker am Montag im Deutschlandfunk. Die Fluggesellschaften wüssten, dass sie vom Wetter abhängig seien.

Die Bundesregierung und die Wirtschaft wollen die ökonomischen Schäden durch die Sperrung des deutschen Luftraums möglichst gering halten. Dazu vereinbarten Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und BDI-Präsident Hans-Peter Keitel die sofortige Einsetzung einer Arbeitsgruppe.

Diese solle unverzüglich alle nötigen Maßnahmen in die Wege leiten, um die volkswirtschaftlichen Schäden zu minimieren, sagte ein Sprecher des Industrieverbandes BDI. Brüderle hat für Montagnachmittag Industrievertreter zu Gesprächen eingeladen. "Wir werden gemeinsam diskutieren, wie man schwerwiegende Auswirkungen vermeiden kann", erklärte Brüderle in Berlin.

Harsche Kritik kam von der Internationalen Luftfahrtvereinigung IATA. Sie sprach von einem unprofessionellen Umgang der EU-Staaten mit der Aschewolke. Es gebe "keine Risikoeinschätzung, keine Konsultation, keine Koordinierung und keine Führung", sagte IATA- Präsident Giovanni Bisignani in Paris.

Es habe fünf Tage gedauert, bis die EU eine Videokonferenz zustande gebracht habe. Die Fluggesellschaften verlieren laut IATA jeden Tag mindestens 200 Millionen Dollar (148 Millionen Euro) wegen der Flugverbote. Hinzu kämen Ausgaben etwa für die Entschädigung von Passagieren und für den Treibstoff zur Verlegung leerer Flugzeuge.

Lufthansa verweist auf problemlose Testflüge

Die Lufthansa, ihr größter deutscher Wettbewerber Air Berlin und andere Fluggesellschaften erklärten nach Testflügen, diese seien ohne Probleme verlaufen. Die Aschewolke gefährde Flugzeuge nicht. Mehrere Fluggesellschaften hatten eine mangelnde Abstimmung der Behörden in Europa bemängelt. Die Lufthansa hat kritisiert, dass die Verbote nur wegen theoretischer Annahmen auf Basis von Computerberechnungen und nicht aufgrund von Messungen erfolgt seien.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann, forderte eine Aussetzung des Nachtflugverbots. So könne sich der Luftverkehr nach einem Abzug der Asche schneller normalisieren, sagte Driftmann der "Frankfurter Rundschau".

Die DFS ließ am Sonntag nur für wenige Stunden eingeschränkt Flüge von ausgewählten Flughäfen zu. Die Experten fürchten, dass die Asche die Triebwerke der Flugzeuge beschädigen könnte. Derzeit hält eine stabile Wetterlage die Asche aus Island in rund 8000 Metern Höhe über großen Teilen Europas. Erst starker Wind oder Regen könnten den Staub verwehen oder aus der Luft waschen.

Den Airlines nutzte die vorübergehende Lockerung des Flugverbots an einigen deutschen Flughäfen kaum. Mit der sehr kurzfristigen Öffnung ohne Vorlauf sei weder der Fluggesellschaft noch den Passagieren gedient, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Der Reiseveranstalter TUI dagegen nutzte das kurze Zeitfenster, um einen Teil seiner im Ausland festsitzenden Urlauber nach Deutschland zurückzubringen. Am Sonntageabend gegen 20.07 Uhr landete in Hannover eine erste TUIfly-Maschine mit 165 Touristen aus Gran Canaria. Weitere Flugzeuge waren unterwegs. Andere Reisende wurden per Bus und Fähre zurückgeholt.

Briten werden demnächst möglicherweise sogar von der Marine ihres Landes nach Hause gebracht. Es werde geprüft, welche Kapazitäten die Royal Navy habe und welche Häfen benutzt werden könnten, sagte der britische Sicherheits-Staatssekretär Alan West. Der Reiseverband Abta ging davon aus, dass derzeit 150 000 Briten im Ausland festsitzen. Ähnlich hoch dürfte die Zahl deutscher "Gestrandeter" sein.

Spezialflugzeug startet zu Messflug

Die DFS erhofft sich vom ersten Messflug eines Spezialflugzeugs an diesem Montag genauere Daten zur Aschewolke. "Wir hoffen, dass wir dann eine bessere Basis haben, auf der wir Entscheidungen treffen können", sagte DFS-Sprecher Axel Raab im "Morgenmagazin" des ZDF. Die Maschine soll am Abend in Oberpfaffenhofen bei München starten. Die Messdaten würden danach vom Volcanic Ash Advisory Centre (VAAC) in London ausgewertet.

Die Kritik der Fluggesellschaften am Fehlen eigener Messdaten in Deutschland könne er nachvollziehen, sagte Raab. Der Start von Wetterballons aber zum Beispiel hätte nichts genützt, da die nötigen Messgeräte gefehlt hätten. "Man hätte genauso gut einen Kinderballon aufsteigen lassen können." Man dürfe nicht vergessen, dass es eine solche Situation in Deutschland noch nie gegeben habe.

Dass die Fluggesellschaften nun eigene Testflüge unternähmen, nütze der Flugsicherung nicht. Die Beurteilung der Sicherheit sei Aufgabe der DSF - "und das kann uns keiner abnehmen". Ob nach Montag 20 Uhr mit einer weiteren Sperrung zu rechnen sei, könne er nicht sagen. "Wir entscheiden das, wenn wir verlässliche Daten haben", betonte Raab. "Es kann sich natürlich immer die Möglichkeit eröffnen, das sich die Wolke verflüchtigt."

Bahn bittet Reisende um Geduld

Europaweit ging die Zahl der Flugverbote in der Nacht zum Montag zeitweise zurück. Nach Angaben der europäischen Luftsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel war der Luftraum am Morgen vor allem im Süden am Mittelmeer und in großen Teilen Skandinaviens wieder frei. Vereinzelt - etwa in Norditalien und Polen - wurde der Luftraum jedoch schon nach wenigen Stunden wieder geschlossen. Am Sonntag hatte sich die Sperrung zeitweise von Mallorca bis Nordnorwegen und von Irland bis zur Türkei erstreckt.

Angesichts des Ansturms auf Züge ausweichender Reisender bat die Deutsche Bahn, zu Wochenbeginn nur unbedingt notwendige Fahrten anzutreten. Die Züge seien bereits von Berufspendlern ausgelastet, sagte ein Sprecher. Die Asche über Europa stellt die Bahn vor eine der größten Herausforderungen der vergangenen Jahre: Am Montag wurden den fünften Tag in Folge mehr Züge als normal eingesetzt.

EU-Verkehrsminister beraten

Die deutschen Flughäfen forderten unterdessen eine europaweite Abstimmung bei der Krisenbewältigung. "Es ist dringend erforderlich, dass europaweit geltende Lösungen gefunden werden. Die deutschen Flughäfen erwarten von den europäischen Verkehrsministern, dass sie sich umgehend auf einheitliche Verfahren bei der Sperrung des Luftraums verständigen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel. An diesem Montag wollen die EU-Verkehrsminister per Videokonferenz über die Lage beraten.

DPA/APD/Reuters/AFP/DPA/Reuters

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