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Hektische Suche nach den Schuldigen

In einer beispiellosen Hauruckaktion bremst der Berliner Flughafenbetreiber eines der größten Bauprojekte Deutschlands aus. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen haben bereits begonnen.

Von Gerhard Hegmann, Thomas Wendel, Jennifer Lachman

  Vor allem beim Brandschutz hakt es noch. Doch das sind offenbar nicht die einzigen Probleme beim neuen Hauptstadt-Flughafen

Vor allem beim Brandschutz hakt es noch. Doch das sind offenbar nicht die einzigen Probleme beim neuen Hauptstadt-Flughafen

Seit gut fünf Jahren wird an dem aktuell größten Verkehrsinfrastrukturprojekt Deutschlands gebaut, das einmal 27 Millionen Passagiere im Jahr aushalten können soll. Das Multimilliardenprojekt und aktuell Europas größer Flughafenneubau hätte bereits im Oktober 2011 an den Start gehen sollen. Flughafen-Geschäftsführer Manfred Körtgen begründete am Dienstag die kurzfristige Verschiebung mit der Abnahme der Brandschutztechnik inklusive einer großen Belüftungsanlage. Sie habe noch nicht den nötigen Reifegrad. Der TÜV könne sie deshalb nicht fristgerecht genehmigen.

Zwar bestätigte der zuständige TÜV Rheinland, den Auftrag für die sogenannte Wirkprinzipprüfung zu haben. Dabei wird auch mit Kunstnebel die Wirkung von Brandschutzanlagen getestet. Doch der Test kann erst durchgeführt werden, wenn der Bau fertig ist - noch hätten die Tests gar nicht begonnen. Insider sehen darin ein Indiz, dass der Flughafen massiv im Zeitplan hinterher hinkt. Erst wenn das Gutachten des TÜV vorliegt, kann das Bauordnungsamt in Brandenburg die Freigabe erteilen. Von dort war am Dienstag keine Stellungnahme zu erhalten.

Keiner wills gewesen sein

Verantwortlich für die Brandschutztechnik sollen die Firmen Siemens, Bosch und T-Systems sein, sagte Geschäftsführer Körtgen. Die Firmen weisen Vorwürfe jedoch zurück. "Wir spielen nur eine relativ kleine Rolle", sagte eine Sprecherin von Siemens-Gebäudetechnik. In Fachsprache räumte sie ein, "dass ein einzelnes Gewerk von Siemens noch fertiggestellt und geprüft werden muss".

Doch dies sei erst möglich, wenn zuvor andere Arbeiten durchgeführt wurden. Von wem diese Arbeiten wiederum zu erledigen sind, sagte sie nicht. Auch bei Bosch heißt es: "An uns liegt es nicht." Das Unternehmen sei mit allen Schritten im Zeitplan, sagte am Dienstag ein Sprecher. Dabei kommt Bosch eine Schlüsselrolle zu: Der Stuttgarter Konzern liefert die gesamten sicherheitstechnischen Anlagen des Flughafens.

FTD-Informationen aus Kreisen von Flughafen-Mitarbeitern, wonach das komplette Gebäudesicherheitssystem noch nicht funktioniere, werden von Bosch dementiert. Zur Steuerung gehören nicht nur die 19.000 Brandmelder und 11.500 Lautsprecher, sondern auch die Türen. Sie sollen automatisch ankommende und abfliegende Passagiere nach Schengen- und Nicht-Schengen-Staaten sortieren.

Wie es heißt, hätten wegen der nicht funktionierenden Türsteuerung hunderte zusätzliche Sicherheitsmitarbeiter an allen Türen stehen müssen. Siemens und T-Systems sind offenbar nur Subauftragnehmer.

Schaden für Airlines wohl überschaubar

Fluggesellschaften wie Lufthansa, Air Berlin oder Easyjet stürzt die kurzfristige Verschiebung der Eröffnung in hektische Umplanungen. Der geplante Start fiel unmittelbar vor den Beginn der Sommerferien. Schon wurden am Dienstag Sorgen laut, dass dies zu einem Chaos an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld führen könnte. Tatsächlich dürfte sich der Schaden in Grenzen halten.

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Von:

Gerhard Hegmann und Jennifer Lachman