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Ein Herz für die "Landshut"

Der berühmte Lufthansa-Jet soll wieder nach Deutschland geholt werden – mithilfe einer öffentlich-privaten Partnerschaft. Inzwischen steht fest, in welchem Museum die Boeing 737 unterkommt.

Von Thomas Ammann

Entführter Lufthansa-Jet: Ein Herz für die "Landshut"

Die "Landshut" steht derzeit noch im brasilianischen Fortaleza

Mit Flug TP 35 von Lissabon nach Fortaleza startet am kommenden Montag eine Reisegruppe in ihre eigene Vergangenheit. Das Ziel ist ein ausgemusterter Jet, Typ Boeing 737, der seit Jahren am Rand des Airports der brasilianischen Stadt verrottet. Es ist ein Wrack, aber ein historisch wertvolles. Sein Name steht für ein Drama, das unvergessen ist: "".

Im 13. Oktober 1977 entführten vier palästinensische Terroristen den Urlauberjet auf dem Flug von Palma de Mallorca nach Frankfurt, um deutsche Gesinnungsgenossen freizupressen. Es folgte ein fünftägiges Martyrium für die 91 Geiseln an Bord, der Pilot wurde erschossen. Erst im somalischen Mogadischu konnte die den Albtraum beenden.

Drei Entführer wurden erschossen, die Terroristin Souhaila Andrawes überlebte knapp

Auf Einladung der "Bild"-Zeitung besuchen nun Protagonisten von damals "ihre" Maschine, unter ihnen voraussichtlich: Jürgen Vietor, 75, der damalige Copilot, Ulrich Wegener, 87, der Gründer und Kommandeur der GSG 9, und Diana Müll, 59, Passagierin.

Die Maschine war nahezu vergessen, aber seit die "Bild" in der vergangenen Woche die Rückführung zur nationalen Aufgabe erklärte und in Zusammenarbeit mit und Dornier-Stiftung um Spenden warb, ist das öffentliche Interesse erwacht. Der 40. Jahrestag der Befreiung naht, und die galt und gilt weithin als Sieg des Staates über den Terror.

Ankunft der befreiten Geiseln in Frankfurt im Oktober 1977

Ankunft der befreiten Geiseln in Frankfurt im Oktober 1977

Bundeskanzler Helmut Schmidt, SPD, hatte sich geweigert, auf die Forderungen der Entführer einzugehen, stattdessen schickte er die Spezialeinheit der Bundespolizei nach . Drei Entführer wurden erschossen, die Terroristin Souhaila Andrawes überlebte nur knapp. Die Geiseln wurden gerettet, nahezu unverletzt.

Im Lichte dieses Erfolgs möchten sich manche sonnen, auch angesichts aktueller Terroranschläge, bei denen Sicherheitsbehörden und Politik zuweilen überfordert und hilflos wirken. Deshalb machte Außenminister , SPD, die "Landshut"-Aktion schon frühzeitig zur Chefsache. "Ich habe als junger Mann mitgezittert", so Gabriel, "nicht nur mit den Insassen, auch mit der Regierung Schmidt. Wir wollen die Maschine zurückholen, damit Menschen sich erinnern, was damals passiert ist."

Eine Gedenkstätte soll sie werden, fordert auch der Zeithistoriker Martin Rupps, der den Rücktransport ursprünglich angestoßen hatte. "Wir brauchen einen solchen Ort", so Rupps, "für die überlebenden Opfer des Terrors." Das betreffe auch die Geiseln, die mit dem Trauma leben müssten, sie seien "Hinterbliebene ihrer selbst".

Das Bonner Haus der Geschichte hatte Interesse an der "Landshut" – aber keinen Platz

Die Idee griffen einige flugbegeisterte Privatleute rasch auf, unter ihnen ein Unternehmer aus Flensburg, dem die Sache einen Millionenbetrag wert gewesen wäre. Die GSG 9 wiederum wollte ein Bauteil der Maschine vor ihrer Kaserne aufstellen. Und auch das Bonner Haus der Geschichte hatte Interesse – aber keinen Platz.

Dem Gezerre hat das Auswärtige Amt ein Ende gesetzt, indem es die Maschine kaufte, für umgerechnet 20 000 Euro. Der Transport des fluguntauglichen Wracks und sein Umbau zum Erinnerungsort werden bedeutend teurer: Experten rechnen mit bis zu zwei Millionen Euro. Ohne Spender und Sponsoren geht das nicht.

"Deutscher Herbst" 1977: Entführte Lufthansa-Maschine: Landet die "Landshut" im Museum?
Boeing 737 Landshut

Die ehemalige Boeing 737-200 der Lufthansa auf dem Flugzeugfriedhof in Fortaleza: Von 1970 bis 1985 war die Boeing 737 für die deutsche Airline im Einsatz, dann als "John Adams" für Presidential Airways in den USA. Sie wurde anschließend vom Passagier- zum Frachtflugzeug, flog nach Angaben der Fachseite "planespotters.net" für TAN Honduras, die französische L'Aéropostale, in Malaysia und Indonesien, bis sie 2002 an TAF Linhas Aereas im brasilianischen Fortaleza ging. 

Das brachte den Springer-Konzern auf den Plan, in dem die "Bild" erscheint. Er beteiligt sich offenbar mit einer namhaften Summe an der Operation – die sich natürlich auszahlen soll. So ist demnächst mit verstärkter Berichterstattung inklusive Gruppenfoto vor der "Landshut" in Fortaleza zu rechnen. Danach soll der Jet teilweise demontiert und nach Deutschland geflogen werden, ins Dornier-Museum in Friedrichshafen. Dort wird er mit originalgetreuer Lackierung hübsch gemacht für den Auftritt zum 40. Jahrestag.

Bundespräsident Steinmeier und Außenminister Gabriel stehen zur Gedenkfeier bereit. Etwas vom Ruhm Helmut Schmidts soll auch auf sie abstrahlen.

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