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Airbus fliegt trotz fehlender Schrauben

Wartungspanne an einem Airbus von Air France in China: Drei Dutzend Schrauben fehlten einem Langstreckenjet, als er wieder in den Liniendienst ging. Der Defekt wurde erst Tage später entdeckt und interessiert auch die Lufthansa.

  Wartungsarbeiten am Airbus A380 mit geöffnetem Triebwerk vom Typ Trent 900

Wartungsarbeiten am Airbus A380 mit geöffnetem Triebwerk vom Typ Trent 900

Bei der Grundüberholung eines Airbus A340 in China hatten Wartungsarbeiter fast 40 Schrauben vergessen. Die vierstrahlige Maschine der Fluggesellschaft Air France war aber noch fünf Tage lang im Einsatz, ehe der Jet am 15. November in Boston vorübergehend aus dem Verkehr gezogen wurde. Nach einem internen Untersuchungsbericht der Airline fehlten Schrauben an der Außenverkleidung der rechten Tragfläche, als das Flugzeug von einer grundlegenden Überholung im chinesischen Xiamen zurückgekehrt war.

Air France bestätigte den Vorfall, relativierte aber dessen Bedeutung. "Es war ein Teil der Verkleidung, die Sicherheit im Fluge war zu keiner Zeit gefährdet", sagte eine Air-France-Mitarbeiterin. Der Airbus sei einige Stunden am Boden eingehend untersucht worden und nach Befestigung der Verkleidung problemlos nach Paris geflogen. Das relativ leichte Teil habe weder zur tragenden Struktur gehört noch sei es Teil der Fahrgastzelle gewesen.

Luftfahrtexperten geben aber zu bedenken, dass sich lösende Teile an Flugzeugen immer ein Risiko darstellen, wenn sie die Maschine treffen. Die Gewerkschaft des technischen Flugpersonals der Air France berichtet, dass vor dem Airbus bereits eine Boeing 747-400 nach einer Revision im chinesischen Xiamen ebenfalls Probleme gehabt habe. Mehrere Wände waren damals mit einer brennbaren Farbe gestrichen worden. Die Maschine musste drei Wochen am Boden bleiben, damit der Schaden behoben werden konnte.

Taeco wartet auch Maschinen der Lufthansa

Air France sieht keinen Anlass, die Qualität der Arbeit des betroffenen Wartungsunternehmens anzuzweifeln, bei dem auch andere großen internationalen Unternehmen ihre Maschinen überholen lassen. Das betroffene Wartungsunternehmen Taikoo Aircraft Engineering (Taeco) in Xiamen hat in der Branche einen guten Ruf und ist auch Vertragspartner der Deutschen Lufthansa.

Ein Sprecher der Lufthansa Technik in Hamburg erklärte, dort würden regelmäßig Maschinen vom Typ Boeing 747 überholt. Die Lufthansa sucht nun nach detaillierten Informationen zu dem Zwischenfall. Man sei mit dem Unternehmen laufend im engen Arbeitskontakt.

Während der Liegezeit der Jets hat die Lufthansa nach eigenen Angaben immer mehrere eigene Prüfer in der Werft, um die Arbeiten zu kontrollieren. Dies geschehe bei jedem Arbeitsschritt. Bei sicherheitsrelevanten Einheiten gebe es sogar eine dritte Kontrolle, um menschliches Versagen auszuschließen.

Boomender Luftfahrtstandort China

China hat sich in den vergangenen Jahren mit seinen fünf größeren Luftwerften für derartige Arbeiten als neue Drehscheibe etabliert. Sie müssen jeweils von amerikanischen, europäischen oder chinesischen Luftfahrtbehörden zertifiziert werden. Der Taikoo-Betrieb in Xiamen ist die zweitgrößte Wartungseinrichtung. Airlines wie Air France, Cathay Pacific oder All Nippon lassen ihre Flugzeuge dort warten. Nur ein kleiner Teil der Einnahmen stammt von chinesischen Fluggesellschaften.

Die größte Luftwerft ist Ameco in Peking. Die Lufthansa betreibt sie seit mehr als zwei Jahrzehnten als Gemeinschaftsunternehmen mit Air China. Neben Lufthansa und Air China ist die US-Gesellschaft United Airlines ein großer internationaler Kunde. In Peking können sogar große Airbus A380 gewartet werden.

Da China einer der größten Wachstumsmärkte ist, hat die chinesische Luftfahrtindustrie immer Probleme, ausreichend qualifiziertes Personal anzuwerben oder auszubilden. Nach Angaben der Luftfahrtbehörde CAAC werden in den nächsten zwei Jahrzehnten mindestens 240.000 weitere ausgebildete Mitarbeiter benötigt, um die wachsende Flotte zu betreiben. Die Luftfahrtindustrie in China wachse zweimal schneller als im Weltdurchschnitt.

tib/DPA/AFP/DPA
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