Die EU will das für Flüssigesverbot schrittweise lockern. Ab 2010 sollen Umsteiger Flaschen aus dem Duty-free mitnehmen dürfen - ihr Wasser aber nicht. Flughafenbetreiber fürchten Chaos. Von Reinhard Hönighaus und Jennifer Lachman

Lästige Handgepäckkontrollen: Flüssigkeiten bis 100 ml gehören in den Beutel© Peter Endig/DPA
Treffen sich zwei Passagiere in der Warteschlange am Flughafen. Der eine ist Umsteiger aus Übersee und hat einen Whisky aus dem Duty-free-Laden dabei. Er wird durchgewunken. Der zweite hat seine eigene Flasche Wasser mitgebracht - und muss sie wegwerfen. "Was soll das? Wieso darf der seine Flasche mitnehmen und ich nicht?", beschwert er sich. Ein Streit bricht los.
Geht es nach den Plänen der EU-Kommission, könnte dieses Szenario ab April 2010 Alltag werden an europäischen Flughäfen. Dann läuft das nach Terrorwarnungen 2006 eingeführte Verbot für Flüssigkeiten im Handgepäck aus.
Weil die Entwicklung verlässlicher Scanner für gefährliche Flüssigkeiten noch Jahre braucht, will EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani das Verbot aber nur stufenweise lockern: Ab April 2010 sollen Umsteiger aus sicheren Drittstaaten mit Flaschen aus dem Duty-free stichprobenweise kontrolliert werden. Bis April 2012 sollen die Scanner so weit sein, dass alle Großflughäfen ab zehn Millionen Passagieren sie installieren und alle Flüssigkeitsbeschränkungen abschaffen können. Von April 2014 an müssten dann alle Flughäfen die Scanner haben.
"Wir sind sehr entschlossen, diese unangenehmen Kontrollen loszuwerden", kündigte Tajani kürzlich bei einem Treffen der EU-Verkehrsminister an. "Ziel ist, das Reisen bequemer zu machen." An diesem Donnerstag berät ein Expertenrat der Regierungen über seine Pläne. Einige Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland, sind alarmiert über den Vorstoß des Italieners. Sie fürchten Sicherheitslücken und Chaos an den Flughäfen.
Gefahr im Gepäck Terror: Seit 2006 dürfen Fluggäste in der Europäischen Union Flüssigkeiten nur in Fläschchen mit bis zu 100 Milliliter Inhalt im Handgepäck an Bord nehmen - abgepackt in einer durchsichtigen Tüte. Auslöser waren Pläne von Terroristen, mit Flüssigsprengstoff im Handgepäck Anschläge auf Flugzeuge zu verüben.
Kontrolle: Ähnliche Bestimmungen gelten in den Vereinigten Staaten. Die Wartezeiten sind dadurch länger geworden, im Schnitt schaffen es ein Viertel weniger Passagiere pro Stunde durch die Sicherheitskontrolle.