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Desaster mit drei Buchstaben - BER

Der Start des neuen Hauptstadt-Airports wird verschoben, weil der Brandschutz nicht perfekt sei. Das klingt erstmal vernünftig - ist aber nur die halbe Wahrheit. Das Megaprojekt gerät zur Posse.

Ein Kommentar von Annette Berger

  Gab sich auf der Pressekonferenz kleinlaut: Flughafenchef Rainer Schwarz

Gab sich auf der Pressekonferenz kleinlaut: Flughafenchef Rainer Schwarz

Die Pressemitteilung las sich am Dienstag wie Realsatire: Da erklärte die Betreibergesellschaft des neuen Airports Berlin Brandenburg, warum dieser nicht wie geplant am 3. Juni an den Start gehen kann - ein Umstand, der Fluglinien, Reisende, die Flugsicherung und Pressemeldungen zufolge auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) überraschte, die auf dem Eröffnungsfest sprechen sollte.

Und ganz am Ende der Nachricht zur geplatzten Eröffnung des neuen Berliner Großprojektes steht dann doch noch was Positives: "Die bereits seit längerem geplanten Publikumstage am 12. und 13. Mai sind von der Verschiebung des Eröffnungstermins unberührt." Wenigstens der "Tag der offenen Tür" kann also an diesem Wochenende stattfinden.

Der Flughafen mit dem Kürzel BER wird aber noch lange nicht eröffnet, ein neuer Termin wurde an diesem Dienstag gar nicht erst genannt. "Nach den Sommerferien" hieß nur in der Mitteilung.

Das Volk soll trotzdem feiern

Genauso absurd wie die ungewisse Wartezeit und der Zusatz über die weiter geplanten Publikumstage ist die ganze Geschichte um den Airport. Nur 27 Tage vor der Eröffnung wird der Termin gekippt. Auf das Eröffnungsdatum 3. Juni hatte nicht nur die gesamte Logistik des Umzugs von Tegel und Berlin-Schönefeld hingearbeitet.

Auch der Lufthansa-Chef erfuhr erst an diesem Dienstag von dem geplatzten Termin - als die Meldung zunächst per "Bild"-Zeitung durchsickerte und später dann bestätigt wurde. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck wurde am selben Tag ebenso kalt erwischt wie sein SPD-Parteifreund, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. Letzterer ist immerhin Aufsichtsratschef des Flughafenbetreibers.

Fluglinien müssen umplanen - und die eigentlich zusätzlich geplanten und auch schon verkauften Flüge auf Tegel und Berlin-Schönefeld verteilen. Das wird nicht reibungslos gehen und den Airlines Zusatzkosten bescheren.

Flughafenchef muss um Job bangen

Offiziell werden ausschließlich Mängel beim Brandschutz als Grund für die Verzögerung genannt. Diese haben nach Recherchen der "Financial Times Deutschland" auch den Ausschlag für die Verzögerung gegeben. Doch es ging am neuen Hauptstadtflughafen zuletzt eine ganze Menge schief.

So hatten Mitarbeiter der Lufthansa, von Air Berlin und Easyjet zuletzt intern darauf hingewiesen, dass es bei Probeläufen viele Schwierigkeiten gegeben habe - etwa beim Check-in, beim Gepäck oder beim Boarding. Insider berichteten, die Situation auf dem neuen Airport sei derzeit geradezu chaotisch. So hat die Lufthansa-Lounge bislang weder einen Strom- noch einen Wasseranschluss. Flughafenchef Rainer Schwarz muss eine Menge erklären - und dürfte angesichts der peinlichen Vollbremsung um seinen Job fürchten.

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