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27. April 2010, 15:35 Uhr

Die EU will den Einheitshimmel

Den finanzielle Schaden durch die Aschewolke wird für die Luftfahrt auf 1,5 bis 2,5 Milliarden Euro geschätzt. Jetzt hat Brüssel Konsequenzen aus den Chaostagen gezogen und will mit Sofortmaßnahmen nicht nur den Airlines helfen.

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EU-Verkehrskommissar Siim Kallas in Brüssel© Yves Logghe/AP

Nach dem Abzug der Aschewolke hat die EU weitreichende Reformen für den europäischen Luftverkehrs angekündigt. "Europa braucht eine einzige Regulierungsbehörde für einen einheitlichen europäischen Himmel", erklärte Verkehrskommissar Siim Kallas am Dienstag in Brüssel. Nur so könne ein tagelanges Chaos wie nach dem Vulkanausbruch auf Island vermieden werden.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hatte am selben Tag vor einem Treffen mit Vertretern von Behörden und Wirtschaft in Berlin europaweit verbindliche Vulkanasche-Grenzwerte gefordert. Es dürfe nicht bei dem derzeitigen "Flickenteppich" in Europa bleiben. Nun will die EU-Kommission rasch Abhilfe schaffen: Kallas kündigte die Einsetzung einer Expertengruppe an, die eine europäische Methode für die Bewertung der Sicherheitsrisiken erarbeiten soll, die dann für alle Mitgliedsstaaten verbindlich wäre. Ein Vorschlag für ein neues Rahmenwerk will er schon bis September beim UN-Zivilluftfahrtverband (ICAO) vorlegen.

Auch bei der von den Airlines geforderten Einführung des sogenannten Single European Sky drückt die Kommission aufs Tempo und hofft auf Rückendeckung aus den Hauptstädten: Das Herzstück der geplanten einheitlichen Regulierungsstruktur, ein europäischer Netzwerkmanager, soll "noch vor Ende des Jahres ernannt werden", forderte Kallas. Nach den Vorstellungen der Kommission soll der EU-Luftfahrtchef die nationalen Flugsicherheitsbehörden im Ernstfall anweisen können, welche Lufträume geschlossen werden und welche offen bleiben müssen.

"Beihilfen können gerechtfertig sein"

Als kurzfristige Maßnahmen schlug Kallas im Notfall eine befristete Aufhebung von Nachtflugverboten vor, um festsitzende Passagiere schnell nach Hause holen zu können. Zudem sollten Fluggesellschaften mit akuten Bargeldproblemen die Abgaben erlassen werden, die sie für die Flugkontrolle zahlen. Auch eine flexiblere Nutzung der Slots, also der den Airlines zugewiesenen Zeitfenster für Starts und Landungen, könne im Krisenfall rasch ermöglicht werden.

In Hinblick auf mögliche Staatshilfen für Airlines in Schwierigkeiten stellte Kallas ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren in Aussicht. Die "außergewöhnlichen Umstände können Beihilfen für erlittene Ausfälle rechtfertigen". Diese dürften jedoch den Wettbewerb nicht verzerren und müssten die EU-Regeln einhalten.

Sondersitzung am Dienstag

Die Schließung des Luftraums über Europa hatte vor anderthalb Wochen zum Ausfall von mehr als 100.000 Flügen geführt, zehn Millionen Passagiere waren rund um den Globus gestrandet. Um die Lehren aus der Krise zu ziehen und politische Schubkraft für seine Reformpläne zu bekommen, bestellte Kallas die EU-Verkehrsminister für den 4. Mai nach Brüssel ein.

DAPD
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
dido09 (28.04.2010, 11:50 Uhr)
Trotzdem - es war ein FAKE
Dieses Vulkanfürzchen pustete wirklich kaum Asche in die Luft. Aber genug - um wärend des NATO-Manövers in aller Ruhe ein Passiv-Radar zu eichen. Wofür man einen leeren Luftraum brauchte.
Swissmiss (28.04.2010, 08:26 Uhr)
Haha
Wieso sollte das Nachtflugverbot aufgehoben werden, um gestrandete Passagiere zurückzuholen? Sowas gehört halt zum Reisen, ist sozusagen normales Reiserisiko, dass man bei einer Panne halt festsitzt. Weil ein paar zehntausend festsitzende Passagiere jammern, müssen Millionen unter einer Aufhebung des Nachtflugverbots leiden, gehen an den nächsten Tagen völlig übermüdet zur Arbeit, sind damit weniter produktiv und machen sogar mehr Unfälle.

Und wieso eigetlich sollen die Fluggesellschaften nun staatlich entschädigt werden? Es hätte entsprechende Versicherungen auf dem Markt gegeben (auch wenn die Fluggesellschaften gerne etwas anderes behaupten). Tja, das ist halt das Risiko, das man eingeht, wenn man halt die Kosten für eine solche Versicherung einsparen will.

Dass nur den Fluggesellschaften, welche in akuten Nöten sind, Flughafengebühren erlassen haben, ist auch ein Schlag ins Gesicht der Fluggesellschaften, welche ein bisschen besser Wirtschaften. Diejenigen, welche nach den Regeln des freien Marktes eigentlich wegen nichtbeherrschens der Geschäftsprozesse mittlerweile hätten vom Markt verschwinden sollen, wird noch Geld hinterhergeworfen, die Fluggesellschaften, welche wirklich top wirtschaften aber müssen die vollen Gebühren zahlen. Gerechtigkeit ist doch was anderes, als die schlechten belohnen und die guten bestrafen. Manchmal hat man wirklich das Gefühlt, viele (EU-) Politker verstehen nicht mal die elementarsten Regeln der Martwirtschaft und was die Gesellschaft im Allgemeinen als Gerecht ansieht.
gesox (27.04.2010, 21:37 Uhr)
Subventionsritter
Steuerbefreiung auf den gesamten Kraftstoff und eine Befreiung von der Mehrwertsteuer - die heute schon heftigen Steuergeschenke an die Flieger - reichen offenbar noch nicht. Es muß ja unbedingt verhindert werden, daß gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Verkehrsmittel gelten, sonst ist das Fliegen irgendwann so teuer wie es eigentlich ist.
SpringbokCT (27.04.2010, 19:05 Uhr)
Luftraum hätte nicht gesperrt werden müssen
Zuerst drückten Politiker den europ. Fluggesellschaften vor paar Monaten die rigorosen Fluggastrechte auf.

Dann erließen europ. Politiker nach dem Vulkanausbruch ein Flugverbot, obwohl die Kontamenierung nur ein Bruchteil des jetzt von der engl. Flugaufsichtsbehörde bestimmten Grenzwertes betrug.

Und jetzt sind sich alle einig, dass die Airlines alleine für die Übernachtungen und Verpflegung ihrer Gäste aufkommen sollen.
________________

Als unbedenklich gelten nun für die CAA bis zu 0,002 Gramm pro Kubikmeter Luft. Die Aschewolke des isländischen Vulkans kam nach Erkenntnissen des britischen Zentrums für Atmosphärenforschung in den vergangenen Tagen nur selten über 0,0001 Gramm hinaus, bei örtlich und zeitlich begrenzten Spitzenwerten von 0,0004 Gramm. Grundlage für die britischen Grenzwerte waren unter anderem Testflüge, die die britische Luftfahrtbehörde wie ihr deutsches Pendant während der Luftraumsperrung starten ließ. Parallel flogen in England allerdings auch Linienjets der British Airways, deren Triebwerke anschließend gründlich darauf inspiziert wurden, ob sie Ascheteilchen eingesaugt oder gar Schaden angerichtet hatten. Der Befund: weder noch.
(welt.de)
ganzbaf (27.04.2010, 18:53 Uhr)
Die Fliegerei...

vernichtet mehr Arbeitsplätze, als sie schafft.

Dann noch Fluglärm und Dauersubvention per Spritsteuererlass?
Kann gerne weniger werden, die Bahn würde es freuen.
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