So sieht der neue Airbus A350 aus

6. Juni 2013, 18:00 Uhr

In Toulouse läuft der Countdown: In nur wenigen Tagen startet der Airbus A350 zu seinem Jungfernflug. Wir zeigen erste Aufnahmen des neuen Langstreckenjets. Von Jan Boris Wintzenburg

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Airbus, Airbus A350,

Der neuste Airbus beim Verlassen der Lackierhalle in Toulouse: Die A350-900 ist ein komplett neu entwickeltes Langstreckenflugzeug.©

Airbus-Chef Fabrice Bregier hat einen Wunsch - aber er sagt ihn nicht öffentlich. Wenn vom 17. bis 23. Juni vor den Toren von Paris die weltgrößte Luftfahrtmesse stattfindet, soll das neue Airbus-Langstreckenmodell A350, Europas Antwort auf den "Dreamliner" von Boeing, zumindest bei einem Flug über das Messegelände zu sehen sein. Es wäre Werbung am Himmel für ein Modell, für das sich die Amerikaner bereits eine Antwort ausgedacht haben.

So laufen derzeit am Airbus-Sitz in Toulouse die Vorbereitungen für den Erstflug des zweistrahligen Modells A350-900 für etwa 300 Passagiere auf Hochtouren. Die gut 65 Meter lange Testmaschine ist vollbepackt mit Messgeräten. Die Rolls-Royce-Triebwerke wurden vergangenen Sonntag erstmals gestartet, und die sechsköpfige Crew hat erste Rollversuche auf der Startbahn unternommen. Schätzungsweise vier, fünf Flüge müssen absolviert sein, bis das Modell in den Luftraum um Paris einfliegen darf, schätzen Experten.

Rund zehn Jahren nach ersten Überlegungen für das neue Airbus-Langstreckenmodell wird es jetzt ein Wettlauf um wenige Tage, ob Airbus es schafft, sein neues Vorzeigemodell zumindest im Überflug dem Messepublikum zu präsentieren.

Qatar Airways ist Erstkunde des A350

Es geht um nicht weniger als die künftige Vormachtstellung im Milliardenmarkt der Großraumflieger für grob 250 bis 350 Passagiere. Bislang hat hier Boeing die Nase vorn, vor allem durch sein großes 777-Modell. Hinzu kommen nun die neuen 787-Flieger. Doch jetzt ist Airbus am Zug: Mit der A350-Familie mit schätzungsweise zehn bis zwölf Milliarden Dollar Entwicklungskosten wollen die Europäer eine bessere Alternative zu den 787- als auch 777-Modellen auf den Markt bringen.

Noch wichtiger als die Messeshow ist für Airbus, dass ihnen ein Debakel wie Boeing bei deren 787-Dreamliner-Programmstart erspart bleibt. Die Amerikaner präsentierten 2007 ihr erstes Zivilmodell mit einem Rumpf und Flügel aus Kohlefasermaterial an Stelle von Aluminium - aber es dauerte zwei Jahre bis zum Erstflug. Erst im Herbst 2011 kam es zur dann zur Erstauslieferung. Wozu die Amerikaner vier Jahre brauchten, will Airbus in nur gut einem Jahr schaffen.

Auf den Glamour einer öffentlichen Vorstellung des fertig montierten und lackierten Modells verzichtete Airbus komplett - das hätte ein paar Tage Zeit gekostet. Airbus-Chef Bregier wiederholt lieber die Prognose, dass die A350-Auslieferung wie angekündigt, in der zweiten Jahreshälfte 2014 an Qatar Airways erfolgen soll. Zwar räumen die Airbus-Manager ein, dass es noch Unwägbarkeiten gibt, die sich erst in den Tests mit künftig fünf Testmodellen zeigen könnten, doch bislang sieht es gut aus.

Boeing plant neue Projekte

Bregier spricht von "Risiko herausnehmen", was in der Praxis heißt, dass Airbus von Boeings Schwierigkeiten mit dem 787-Modell lernt. Daher fährt Airbus nach den Problemen von Boeing mit den Lithium-Ionen-Hochleistungsbatterien, die nach Bränden zu einem zeitweiligen Flugverbot für die gesamte 787-Flotte führten, jetzt zweigleisig. Die ersten A350-Testmodelle haben zwar ebenfalls Lithium-Ionen-Batterien, aber Erstkunde Qatar Airways bekommt eine A350 mit herkömmlicher Batterietechnik, die etwa 60 Kilo schwerer ist.

Die Produktion des ersten Airbus-Fliegers mit mehr als 50 Prozent Kunststoffanteil soll vorsichtig ausgebaut werden. Ende 2014 soll die Produktionsrate monatlich drei A350-Flieger betragen. 2018 könnten dann monatlich zehn Flieger montiert werden - eine Produktionsrate, die Boeing beim 787-Modell Ende dieses Jahres erreichen will.

Ohnehin bereiten die Amerikaner bereits eine Antwort auf die A350-Familie vor, besonders auf das große Modell A350-1000 für gut 350 Passagiere, das 2017 auf den Markt kommen soll. Boeing möchte sowohl seine 787-Palette um die Variante 787-10X erweitern, die 2018/2019 auf den Markt kommen soll. Zudem soll das rund 20 Jahre 777-Modell einen neuen Flügel bekommen, das 777X-Projekt. Pikant ist, dass Boeing ausgerechnet auf der Luftfahrtmesse bei Paris offiziell das 787-10X-Programm starten könnte und im Laufe des Jahres das 777X-Modell.

Airbus erwartet 800 Neubestellungen im Jahr 2013

Es zeichnet sich im Großraumsegment daher ein erbitterter Wettbewerb durch neue Modelle ab. Airbus-Chef Bregier scheut keine verbale Attacke gegen den US-Wettbewerber. Die 777X sei keine Antwort auf das brandneue große A350-Modell, tönt Bregier. "Die A350 hat mehr Potenzial als die 787, besonders in China", sagt Bregier.

Der Airbus-Chef sieht in der A350-Familie einen Baustein, um Europas führenden Flugzeughersteller auf mehr Rendite, höhere Produktion und schnellere Entscheidungen zu trimmen. Erst jüngst hat der Konzern seine Prognose erhöht und erwartet jetzt 2013 über 800 Neubestellungen. Bis Ende Mai standen bereits 493 in den Büchern und die Luftfahrtmesse kommt erst noch. Die Auslieferungen sollen 2013 von 588 auf über 600 Flieger klettern.

Bei der kleinen Baureihe A320 könnte die aktuelle Produktionsrate von monatlich 42 Modellen bis Ende des Jahrzehnts auf 50 Flieger steigen. Airbus will die Produktion weiter beschleunigen, denn es stehen über 4900 Aufträge in den Büchern, davon 613 für die neue A350-Familie. Kein Wunder, dass daher bei Airbus die Spannung steigt.

 
 
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