Wolfsburg plant Notquartiere für Bahnpendler

9. Juli 2013, 15:11 Uhr

Armes Wolfsburg. Erst rauscht der ICE mehrfach am VW-Städtchen vorbei, dann kappt das Hochwasser die Schnellzuganbindung ganz. Für verzweifelte Pendler will die Stadt jetzt Notquartiere einrichten.

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"Gleis unter!" meldete Wolfsburg im Juni. Zwar ist das Wasser mittlerweile von den Schienen verschwunden, doch wird es wohl noch Monate dauern, bis wieder ein ICE darüber fährt.©

Wolfsburg und die Deutsche Bahn werden wohl keine Freunde mehr. Gleich mehrfach rauscht der ICE in den vergangenen Jahren versehentlich an der Autostadt vorbeigerauscht, obwohl der Halt fest im Fahrplan eingetragen ist. Jetzt hat das Elbhochwasser die Schnellzugverbindung vollständig gekappt. Wie die Deutsche Bahn am Dienstag in Berlin mitteilte, bleibt die ICE-Strecke zwischen Berlin und Hannover aufgrund von Schäden an einer Elbebrücke noch auf Monate gesperrt. Und welcher Ort liegt genau dazwischen? Genau, das geplagte Wolfsburg.

Oberbürgermeister Klaus Mohrs will das nicht hinnehmen. Am Dienstag empörte sich der SPD-Politiker, die Stadt könne nicht über Monate vom ICE-Netz abgekoppelt bleiben, forderte Übergangslösungen für Hunderte Berliner, die morgens zur Arbeit in die VW-Stadt pendeln. Derzeit würde ernsthaft darüber nachgedacht, in einer ehemaligen Kaserne am Stadtrand ein Notquartier für etwa 100 Pendler einzurichten. Außerhalb der Ferien sollen gar Wohnwagen zur Unterbringung der Betroffenen zur Verfügung gestellt werden.

Normalzustand noch in weiter Ferne

Wann die Züge wieder komplett normal fahren können, ist laut Bahn unklar - bislang sind die Schäden noch nicht abzuschätzen. Die Überflutung an der Brücke bei Schönhausen war die Folge eines Deichbruchs. Der Untergrund des fünf Kilometer langen Abschnitts zwischen Stendal und Rathenow und die Brücke müssen nach der Überflutung untersucht werden, sagte Infrastruktur-Vorstand Volker Kefer. Damit könne die Bahn erst in etwa vier Wochen beginnen, wenn das restliche Wasser entlang der Strecke abgelaufen und der Boden abgetrocknet sei. Der Bahnwall wird dann mit Hilfe von Hochfrequenz-Schallwellen untersucht. Zu befürchten seien Hohlräume unter dem Gleisbett. Erst nach dem Befund werde man einschätzen können, wie lange die Reparatur dauern werde. Zu den Kosten wollte sich Kefer noch nicht äußern. Insgesamt dürfte die Flut die Deutsche Bahn seinen Angaben zufolge aber mit 200 bis 500 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Auf der ICE-Strecke Berlin-Hannover sind nach Bahn-Angaben täglich etwa 10.000 Fahrgäste unterwegs. Insgesamt müssen in ganz Deutschland aufgrund der Hochwasserschäden etwa 10.000 Fahrten auf 1500 Linien umgeleitet werden. Von den Verzögerungen seien etwa ein Viertel aller Fernverkehrskunden betroffen, sagte Vorstandsmitglied Ulrich Homburg. Das sind rund 90.000 Menschen täglich. Kunden, die wegen der Fahrplanänderungen Fahrkarten zurückgeben oder umtauschen möchten, können dies kostenlos tun. Homburg hält es für möglich, dass die Bahn wegen der längeren Fahrzeiten Kunden verliert.

So werden die ICE-Linien umgeleitet

Die ICE-Linie 10 führt normalerweise von Köln oder Düsseldorf über Hamm (Westfalen), Hannover und Wolfsburg nach Berlin. Solange die Elbebrücke in Sachsen-Anhalt gesperrt ist, werden die Züge ab Hannover über Braunschweig und Magdeburg nach Berlin geleitet. Fahrzeit: plus 60 Minuten.

Die ICE der Linie 11 fahren ab Frankfurt über Fulda, Kassel-Wilhelmshöhe, Braunschweig und Wolfsburg nach Berlin. Bis auf weiteres werden sie auf dem Abschnitt Wolfsburg-Berlin über Wittenberge umgeleitet. Fahrzeit: plus 60 Minuten.

Die Route der ICE-Linie 12 entspricht von Frankfurt nach Berlin jener der Linie 11. Die Züge werden nun ab Fulda über Erfurt nach Berlin umgeleitet. Das dauert 30 Minuten länger.

Der tägliche Zug der Linie 77 (Amsterdam-Hannover) fährt weiter nach Berlin und von dort zurück. Hier wird über Magdeburg, Stendal und Wolfsburg umgeleitet.

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