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Die Bahn kommt - zu spät

Ein Drittel aller Fernzüge ist verspätet. Das ist das niederschmetternde Ergebnis einer Studie von Stiftung Warentest. Die Bahn sucht wie immer nach Ausreden.

Von Till Bartels

  ICE verspätet - Anschlusszug weg

ICE verspätet - Anschlusszug weg

Jeder Bahnkunde kennt die leidige Durchsage: "Unser Zug hat jetzt eine Verspätung von …" Es folgt die minutengenaue Angabe der Abweichung vom Fahrplan und das immer gleiche Ritual: Die Fahrgäste gucken sich an und denken: Schon wieder ist die Bahn unpünktlich. Dabei kramen sie ihre Reiseunterlagen hervor, um zu prüfen, ob genügend Zeit bleibt, um noch den geplanten Anschlusszug zu erwischen.

In den letzten Jahren hat sich die Informationspolitik der Bahn bei Zugverspätungen verbessert. Neben den Durchsagen des Personals wissen Bahnfahrer auch über die Website "Ist mein Zug pünktlich?" und durch Apps wie dem DB Navigator auf ihrem Smartphone, ob die Züge wie im Fahrplan angegeben verkehren. Doch wie unpünktlich ist die Bahn wirklich?

Bei diesem Thema hüllt sich die Bahn in Schweigen. Ihre Statistiken sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Die Stiftung Warentest wollte es genau wissen und hat die frei verfügbare Information im Internet analysiert. Das Ergebnis ist niederschmetternd: Jeder dritte Fernzug der Bahn verkehrt demnach unpünktlich. Am unzuverlässigsten sind Nachtzüge.

Anschluss in Gefahr

Im Zeitraum zwischen dem 1. Juli 2010 und dem 28. Februar 2011 untersuchte die Stiftung in Berlin mehr als 1,3 Millionen Ankunftszeiten von Fern- und Regionalzügen an 20 deutschen Bahnhöfen. "Im Minutentakt erfassten wir die aktuellen Informationen der Deutschen Bahn über Zugverspätungen auf ihren Internetseiten", heißt es zur Vorgehensweise im Bericht. Mit Recherchen vor Ort an den Hauptbahnhöfen Berlin, Frankfurt, Hannover, Köln und München ergänzten die Tester ihre Überprüfungen. "Vor allem Regionalverkehrszüge verpassten die Tester im Vergleich zu den Fernzügen oft", so ihr Fazit.

Bei der Bahn gilt ein Zug als unpünktlich, wenn er mehr als fünf Minuten über Plan ist. Laut Stiftung Warentest erhöht sich das Verspätungsrisiko, je weiter die Züge fahren. Die ICE- und Eurocity-Verbindungen sind zu 34 Prozent unpünktlich gewesen, die Intercity-Züge zu 29 Prozent. Schlusslicht sind allerdings die die Nachtzüge mit 42 Prozent.

Feinde der Bahn: Hitze und Schnee

In den untersuchten Zeitraum fielen auch die hochsommerliche Hitze und Perioden mit Schnee und Eis. "In den Monaten hatte der Bahnbetrieb durch die Witterung besonders gelitten", kommentierte ein Bahnsprecher auf Anfrage von stern.de die Untersuchung der Stiftung Warentest. Auch fielen acht Streiktage in die Zeitspanne. Die Bahn bilde den Durchschnitt hingegen über ein ganzes Jahr und betrachte nicht nur acht Monate. "Damit verkennt die Studie, dass an den meisten Tagen die Pünktlichkeit wesentlich liegt besser als ermittelt", so die Bahn.

Doch dies ist nicht die erste Studie, die der Bahn miese Pünktlichkeitswerte bescheinigt. Und die Reaktion der Bahn ist immer gleich: Die eigenen Werte seien besser, und selbstverständlich arbeite man daran, noch besser zu werden.

"Der Verkehr auf der Schiene hat in den letzten Jahren zugenommen", so ein weiterer Beschwichtigungsversuch des Bahnsprechers zur Untersuchung. Mit Verspätungen müssen Fahrgäste weiterhin rechnen. Ein kürzlich unternommener Selbstversuch von stern TV bei einer Bahnreise quer durch Deutschland hat gezeigt, dass mancher Fahrgast längst resigniert hat: "Ich rege mich schon nicht mehr auf", so der Kommentar des Mitreisenden zum Thema Verspätungen.

Viele Strecken sind überlastet

Die Erkenntnisse der Stiftung Warentest sind aus Sicht des Fahrgastverbands Pro Bahn nicht überraschend. Vor allem bei Zügen, die lange Strecken fahren, seien größere Verspätungen "gefühlt auch im Alltag zu erleben", so der Vorsitzende Karl-Peter Naumann. Gründe seien die Überlastung vieler Strecken, zumal Ausweichgleise für langsamere Güterzüge abgebaut worden seien. Elektronische Stellwerke seien teils störanfällig, ebenso ältere Züge.

Allen Bahnreisenden gibt die Stiftung Warentest den Tipp, Zugverbindungen mit einer Umsteigeverbindung von mindestens zehn Minuten auszuwählen. Bahnkunden, die in verspäteten Zügen sitzen und einen anderen Zug erreichen müssen, sollten den Zugbegleiter informieren. Je mehr Fahrgäste sich melden, desto besser seinen die Chancen, dass der Zug wartet. "Fragen Sie den Zugbegleiter vorsorglich für den Notfall auch nach Alternativen", so das Fazit der Tester.

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