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Der Mann mit der Lizenz zum Heimholen

Der echte James Bond trägt Rauschebart, ist im Rentenalter und kommt aus Israel. Hilik Magnus spürt verschollene Touristen auf. Mit allen Mitteln. Und für gutes Geld.

Von Elias Schneider

  Seit mehr als 17 Jahren jettet Hilik Magnus um die Welt und rettet Reisende aus allerlei brenzligen Situationen - dabei sieht er selbst ein bisschen aus wie ein Eremit oder der typische Alt-Hippie.

Seit mehr als 17 Jahren jettet Hilik Magnus um die Welt und rettet Reisende aus allerlei brenzligen Situationen - dabei sieht er selbst ein bisschen aus wie ein Eremit oder der typische Alt-Hippie.

  • Elias Schneider

Goa, Südindien, im Sommer 2006, ein sonniger Vormittag. Mit stoischer Miene erträgt Hilik Magnus die Tiraden eines jungen Israelis namens Modi. "Ich bin der wichtigste Mensch für die gesamte Menschheit - Ich kann sie retten!" schreit er. Modi ist seit mehreren Tagen psychotisch, er hat ein paar LSD-Trips zu viel geschmissen. Seine Freunde wussten nicht mehr weiter und riefen Magnus an - für ihn business as usual. Nun steht er vor Modi und redet mit ruhiger Stimme auf ihn ein: "Ich zähle bis drei, dann steigen wir zusammen ins Taxi." Diesen Satz wiederholt er, immer wieder, ganz sachlich, ohne jede Emotion. Selbst als Modi ausflippt und Magnus anbrüllt "Ich kann dich töten, lass mich in Ruhe!" macht Magnus weiter.

Es sei wichtig, verwirrten Menschen Halt und Selbstkontrolle zu geben, sagt er. So entschärfe er Aggressionen und vermeide es, selbst angegriffen zu werden. Tatsächlich dauert es nicht lang, bis Modi ins Taxi steigt. Es ist eine typische Szene aus Magnus' Arbeitsleben, zu sehen in der Dokumentation "Flipping Out" des israelischen Regisseurs Yoav Shamir.

Das israelische "A-Team"

Das Geschäft, das Yechiel "Hilik" Magnus betreibt, heißt "Search and Rescue" ("Aufspüren und retten"). Magnus und sein Team treten in Aktion, wenn alle anderen nicht mehr weiter wissen: die Reiseveranstalter, die Hilfsorganisationen, die nationalen Bergungstrupps, die Polizei, die Botschaften, die Geheimdienste. Es geht um Unfallopfer, Verschollene, Entführte, oft um junge Männer, die irgendwo auf der Welt im Drogensumpf versackt sind, auch um Hilfseinsätze bei Naturkatastrophen.

Nach dem katastrophalen Tsunami in Südostasien waren Magnus und seine Leute unter den ersten Rettern vor Ort. Er ist der Mann mit der Lizenz zum Heimholen und lässt sich das gut bezahlen. Nach seinen Angaben kostet ein durchschnittlicher Einsatz 20.000 Dollar. Der Preis kann aber auch auf eine Million und mehr hochschnellen, je nachdem, wie komplex und gefährlich die Mission ist. Zu seinen Auftraggebern zählen Privatleute, aber auch Firmen und Geheimdienste. Details gibt er nicht preis.

Ironischerweise sieht Magnus selbst aus wie ein Hippie: Grauer Rauschebart, Bäuchlein, bequeme Klamotte. Doch hinter der zotteligen Fassade verbirgt sich ein beinharter Typ. Magnus war Elitesoldat in einer israelischen Fallschirmjäger-Einheit, seine fünf Mitstreiter hatten ebenfalls hohe Ränge beim Militär. Seit nunmehr 18 Jahren sind sie unterwegs, ob in den Bergen Ecuadors, auf den Flüssen Neuseelands oder an den Sandstränden Indiens. Magnus, der Chef, hat in Israel schon so etwas Kultstatus. Es gibt T-Shirts zu kaufen, auf denen sein Gesicht zu sehen ist und der Slogan: "Du wirst mich nicht kriegen!" - eine Anspielung darauf, dass viele junge Israelis, die gerade aus dem Militär entlassen wurden, eine verdrogte Auszeit in Asien nehmen, bei der sie sich nicht erwischen lassen wollen.

Keine bedrohlichen Situationen

Die Idee, sich mit "Search and Rescue" selbständig zu machen, hatte zunächst recht eigennützige Motive. "Ein Freund schlug vor, eine Firma zu gründen, mit der wir um die Welt reisen könnten", sagt Magnus stern.de. "Der erste Anruf kam schon nach ein paar Tagen, eine Mutter vermisste ihren Sohn in Nepal." Schnell war den Freunden klar, dass sie eine Marktlücke gefunden hatten. Etwas besonders Bedrohliches ist Magnus nach eigener Aussage noch nie passiert.

Einmal habe er einen jungen Mann heimgeholt, der so außer sich war, dass vier seiner Freunde auf ihm saßen, um ihn ruhig zu halten. Magnus' Reaktion war simpel aber effektiv: Er spazierte und redete mit ihm, nahm ihm die Angst vor seiner Umgebung - zurück blieb ein stiller, aber psychisch verwirrter Junge. "Menschen auf Psychose zu kontrollieren heißt, sich selbst zu kontrollieren", sagt Magnus, "wenn man selbst Angst hat, bekommt er noch viel stärkere Angst."

Was treibt einen Mann im Rentenalter dazu an, solche Einsätze zu fahren? Sollte er nicht einfach aufhören und sein Leben genießen? "Für Leute außerhalb Israels ist das immer schwer zu verstehen", sagt Magnus stern.de. "Wir haben ein tief verwurzeltes Gefühl der Verantwortung füreinander: Ich bin verantwortlich für dein Leben und du für meines". Wenn es ihm möglich sei, zu helfen, werde er es tun - er kann offenbar gar nicht anders. Dieses Jahr hat er wieder einmal versucht, Urlaub zu machen. Doch kaum war er angekommen, klingelte sein Handy. Ein Arbeitskollege meldete sich: Ein Franzose werde in Peru vermisst. Die Tickets für Magnus' Reise seien schon gebucht.

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