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Kunden sollen leichter an Entschädigung kommen

Ob Deutsche Bahn, Nord-Ostsee-Bahn oder Metronom - jeder Zug kommt mal zu spät an sein Ziel. Künftig gibt es für alle verärgerten Kunden aller deutschen Bahnunternehmen nur noch ein Beschwerdeformular - und Geld zurück.

Bahnfahrer sollen bei großen Zugverspätungen künftig leichter an ihre Entschädigung kommen. Dazu haben sich die Deutsche Bahn (DB) und rund 70 andere Bahnunternehmen in Deutschland auf ein einheitliches Verfahren geeinigt. Am 29. Juli wird ein einheitliches "Fahrgastrechte-Formular" eingeführt.

An diesem Tag tritt ein neues Gesetz in Kraft. Es legt erstmals für alle Eisenbahnen verbindlich die Entschädigungsansprüche fest. Bei mindestens 60 Minuten Verspätung erhalten Fahrgäste dann 25 Prozent des Fahrpreises erstattet. Bei zweistündigen Verspätung sind es sogar 50 Prozent - egal ob die Verspätung mit einem ICE oder einer Regionalbahn eingefahren wurde. Bislang unterscheidet die Deutsche Bahn: Im ICE oder IC wird erst nach 60 Minuten entschädigt, im Regionalverkehr bereits nach 30 Minuten. Kunden erhalten künftig das Geld auf Wunsch in bar oder per Überweisung zurück, nicht mehr in Form von Gutscheinen. Inhaber von Zeitkarten bekommen in der 2. Klasse Pauschalbeträge von bis zu zehn Euro.

Neue Rechte für den Fahrgast

Einen anderen Zug kann der Fahrgst künftig nutzen, wenn eine Verspätung von mindestens 20 Minuten zu erwarten ist. Bis maximal 80 Euro zahlen die Eisenbahnen für die Nutzung von Taxi oder Bus, wenn beispielsweise die letzte Verbindung des Tages ausfällt und der Zielort nicht bis Mitternacht zu erreichen ist. Dann werden unter Umständen auch die Übernachtungskosten übernommen.

Die Bahnen haften nicht bei unvorhergesehenen Ereignissen. Dazu gehören etwa Unwetter, Selbstmörder oder spielende Kinder auf den Gleisen oder eigenes Verschulden, wenn etwa der Reisende selbst die Handbremse ziehe. Unklar ist, ob Verspätungen, die durch Streiks ausgelöst werden, entschädigungspflichtig werden.

So beschweren Sie sich richtig

Das Formular für die Kunden ist zwei DIN-A4-Seiten lang. Darin muss der geplante und der tatsächliche Reiseverlauf angegeben werden, die Art der Fahrkarte und die gewünschte Form der Entschädigung, also Gutschein oder Geldbetrag. Möglich ist es auch, einen formlosen Brief an ein Servicezentrum in Schwerin mit denselben Angaben zu schicken. Die Fahrkarte mit Zangenabdruck muss beigelegt werden und im Regelfall auch eine Bestätigung des Zug- oder Bahnhofspersonals über die Verspätung. Das Servicezentrum könne aber auch im Nachhinein herausfinden, welche Züge mit welcher Verspätung unterwegs waren.

Schlichtungsstelle für hartnäckige Fälle

Zur Beilegung von Streitfällen wird im Dezember eine neue bundesweite Schlichtungsstelle für den gesamten öffentlichen Verkehr ihre Arbeit aufnehmen. Sie löst die Schlichtungsstelle Mobilität ab, die beim Verkehrsclub Deutschland (VCD) angesiedelt ist und Ende November ihre Tätigkeit einstellen wird. Die bisherige Schlichtungsstelle wird vom Bundesverbraucherschutzministerium finanziert, die neue Organisation von den beteiligten Verkehrsunternehmen. Die DB und andere Privatbahnen gründeten am Mittwoch einen Trägerverein. Sie wollen dafür auch Fluggesellschaften und Busunternehmen gewinnen. Allerdings ist bislang noch kein einziges Luftfahrtunternehmen Mitglied in dem Verein. In einem Beirat sollen auch Vertreter von Fahrgastverbänden sitzen.

DPA/AP/swd/AP/DPA
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