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25. Mai 2008, 18:55 Uhr

"Wie man im Wald sch..."

In der Wildnis lernt man die Zivilisation schätzen. US-Outdoor-Pionierin Kathleen Meyer schrieb einen Ratgeber, der sich allein in den USA eine Million Mal verkaufte: "How to shit in the Woods". Im Interview mit stern.de verrät sie Tipps.

Kathleen Meyer erklärt, wie's in der Wildnis mit dem stillen Örtchen funktioniert© Schüttler/Interfoto

Sie haben 112 Seiten darüber geschrieben, wie man im Freien sein Geschäft verrichtet. Wieso braucht die Welt dieses Buch?

Über die letzten Jahrzehnte hat ein unglaublicher Run auf exotische Trekking-Trips begonnen. Es poltern massenhaft erlebnishungrige Städter auf den gleichen Pfaden durch die Wildnis, hasten auf Berggipfel, wirbeln Flüsse hinunter. In ihrem Kielwasser hinterlassen sie Unmengen von Klopapier und Fäkalien, viel mehr, als die Natur verkraften kann.

Warum darf man eigentlich seinen Scheiß nicht einfach liegenlassen?

Wir jetsetten rund um die Welt, wir können in Südost-Asien etwas essen, was wir dann in das Hinterland von Colorado ausscheiden. Wir verbreiten also Krankheiten wesentlich schneller als Tiere, es ist extrem wichtig, unsere Exkremente gut zu vergraben. Außerdem empfehle ich, auch das Klopapier wegzuräumen. Nehmen Sie einfach eine Plastiktüte mit und packen Sie das Papier hinein.

Sie haben für Ihr Buch eine sehr direkte Sprache gewählt. Sie schreiben vom "Scheißen".

Ich wollte kein ganzes Buch mit klinischen Ausdrücken vollschreiben, genauso wenig wollte ich mich durch süße kindische Begriffe wie "Aa" oder "Pupi" hangeln. Mein persönlicher Sprachstil ist eher direkt, ich nenne die Dinge gern bei Namen, deshalb habe ich mich für einen sprachlichen Mix entschieden. Ich bin sehr glücklich darüber, dass die Outdoor-Gemeinschaft mein Buch in der Form nicht nur gerne liest, sondern auch versteht, wie wichtig mir der Inhalt ist.

Was ist denn an der Freiluft-Darmentleerung das Schwierigste?

Speziell für Frauen: sich nicht auf die Füße zu pinkeln. Für alle: das Hocken. Wir sind eben keine Jäger und Sammler mehr, die jede Nacht um ihr Lagerfeuer hocken, wir haben also eine Menge Muskulatur verloren. Draußen müssen wir aber sowohl die Hockmuskulatur anspannen, als auch gleichzeitig die Schließmuskulatur entspannen. Das ist manchmal schwierig.

Haben Sie einen Tipp speziell für Frauen?

Halt Ausschau nach einer Stelle mit zwei Felsen, die dicht beieinander stehen. Schieb deine Hose bis auf die Knöchel runter, und setzt dich nahe an die vordere Kante des einen Felsens. Dann stell deine Füße auf den zweiten, also ein Stückchen über den Boden. Nun kannst du sitzen, relaxen, sämtliche Duschen vermeiden, und niemand wird dumme Bemerkungen machen, wenn du zurückkommst ins Lager.

Wie entleert man seinen Darm in der Wildnis also ökologisch korrekt?

Um die Umwelt zu schützen, sollten Sie sich mindestens 70 Meter von einem See entfernt ein stilles Örtchen suchen und ein kleines Kot-Loch buddeln. Bei Flüssen sollte es deutlich über der Frühjahrs-Hochwasserlinie liegen. Der Boden sollte sehr humushaltig sein, damit er genügend Bakterien enthält, um ihren Kot zu zersetzen. Das dauert unter guten Umständen immer noch etwa ein Jahr. Idealerweise sollten Sie also ihre Exkremente verrühren. Suchen Sie sich einen kleinen, stabilen Stock, und vermischen Sie ihre Exkremente mit Erde, damit die Bakterien direkt in die Mitte gelangen. Dann vergraben Sie Mischung und Stöckchen.

Für Leute mit wenig Outdoor-Erfahrung klingt das ziemlich würdelos.

Der Umgang mit Scheiße ist nichts für Feinfühlige! Es hilft, wenn sie im Voraus planen. Gehen sie möglichst weit weg vom Lager und suchen Sie sich einen Platz mit einem Wahnsinns-Ausblick, wo sie über die Wunder von Mutter Natur meditieren können.

Noch schlimmer wird es ja, wenn man die Exkremente einpacken muss...

Je öfter man es tut, desto einfacher wird es. Das ist doch vergleichbar mit dem, was Hundebesitzer in der Stadt tun müssen. Auf gut besuchten Wegen gibt es inzwischen klare Regelungen, da bekommen Sie sogar einen biologisch abbaubaren Behälter, den sie am Ende vor Ort entsorgen können. Wenn es diese Möglichkeit nicht gibt und Sie ganz auf sich allein gestellt sind, nehmen Sie am besten einen kleinen Plastikbehälter, der gut schließt. Hocken Sie sich über ein Stück Papier und rollen Sie ihre Hinterlassenschaft ein wie einen Burrito. Stecken Sie alles in den Behälter und wickeln sie ihn in eine Plastiktüte, die Sie außen an ihrem Rucksack festzurren. Bei der ersten Möglichkeit spülen Sie den Burrito einfach ins Klo.

Interview: Stefanie Hellge
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
ganzbaf (05.05.2008, 21:53 Uhr)
Das richtige Buch...
für den Papst.
Ich glaub´ der scheisst nämlich auch gelegentlich in den Wald ;o)
sportartmakler (19.07.2007, 13:19 Uhr)
@sibiua
du brauchst zum outdoorökoschiss ne anleitung???? dieser ratgeber hilft dir vielleicht beim feuer machen, den rest sollte ein vernunftgesegneter mensch schon selber hinbekommen
in diesem sinne, immer schön im uhrzeigersinn das häufchen rühren
sibiua (19.07.2007, 13:02 Uhr)
Ist doch o.k.
das mal beim Namen zu nennen und für echte Outdoorfreaks eine hilfreiche Lektüre. Besser als alles rumliegen zu lassen.
Aurum (19.07.2007, 12:06 Uhr)
@ gelegenheitsposter
Oje.. Was meinst Du, was alles in die Ostsee fließt. Vor allem von den Polen! Da sind die paar Häufchen der Boote gar nichts dagegen. Und zu DDR Zeiten sind ja ebenfalls die gesamten Industrieabwässer erst in die Flüsse, dann in die Ostsee geflossen. Die BRD dagengen hatte gleich eine ganze Flotte um Säure und andere Dinge in der Nordsee zu verklappen. Also Umweltschutz hin und her, aber nicht wegen ein paar Scheißhaufen aufregen!
Aurum (19.07.2007, 12:00 Uhr)
Zum biegen
Immer fein ökologisch! Leider erwähnte sie nicht das Sibirische "Scheißhaus". Einfach 2 Stöcke. Den einen zum Abstützen, den Anderen zum Wölfe vertreiben!
Amis eben.....
gelegenheitsposter (19.07.2007, 11:55 Uhr)
gar nicht dumm

Bootsfahrer auf der Ostsee sollen ihre Fäkalien an Land entsorgen .... weil an jedem Wochenende ca. 70-100.000 Leute auf der Ostsee unterwegs sind, d. h. am Samstag und Sonntag gehen sonst die ungeklärten Fäkalien einer Kleinstadt in die Ostsee, das sind schon bedenkenswerte Dimensionen.
Genau so verhält es sich auch für viele Trekkingstrecken rund um den Globus.
tagora-sagittara (19.07.2007, 11:54 Uhr)
Dieses Buch...
sollte als Standardwerk an bundesdeutschen Autobahnrastplätzen ausliegen um die Zivilisationsschweine zur Reäson zu bringen!!
sportartmakler (19.07.2007, 11:32 Uhr)
was fürn scheiß
die journalistische karriere der interviewerin kann getrost ebenfalls ins klo (oder in ein erdloch)
bernie-abg (19.07.2007, 11:28 Uhr)
Ganz ehrlich...
...bei dem Titel des Buches, dachte ich zuerst an deutsche Politik und Gesellschaft.
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