Weit weg vom Anton aus Tirol

13. Februar 2008, 06:30 Uhr

Wer zur Pistengaudi in Westkanadas Provinz Alberta reist, bekommt Lust auf mehr als nur Skifahren. Zu sehr lockt die weite, wilde Bergwelt. Die kommt zudem so ganz ohne Après-Kirmes und Jet-Set-Rummel aus. Von Ulrike Wirtz

Lake Louis: Hier beginnen die Abenteuer schon bei der Anfahrt und nicht erst bei der ersten Abfahrt©

Es ist einfach nur still, geradezu unheimlich still. Nur das Glucksen des Wassers ist ab und an zu hören. Es bahnt sich unterhalb der Eisfläche seinen Weg. Hoch am Nachthimmel stehen die Sterne und spenden genügend Licht, um die Felswände im engen Canyon ausmachen zu können. Wir stehen unten - auf dem zugefrorenen Maligne River, der Canyon ragt zehn, 15 Meter über einem empor. Nachtwanderung mitten in den Rocky Mountains von Westkanada. Das bedeutet erst eine halbe Stunde Anmarsch durch den tief verschneiten Wald zum Fluss, danach geht es übers Eis eine Stunde flussaufwärts und alles wieder retour. Mit Guide Murray Morgan sind wir zu sechst. Jeder hat sich ein Lampe auf den Kopf gestülpt die im Miniradius Licht spendet. Murray geht los, der Rest hinterher.

Nun ist es vorbei mit der unglaublichen Stille. Ein sattes Knirschen ist zu hören. Das kommt von den Spikes, die jeder unter den Schuhen trägt - für den richtigen Grip auf dem gefrorenen Fluss. Oder ist es doch das Eis, das unter dem Gewicht bricht? Unter dem Eis seien jedenfalls etliche "rooms", wie Murray die tiefen Löcher im Flussbett nennt, da stehe das Wasser vier bis fünf Meter hoch. Da möchte schon gar keiner durchbrechen. Aber Murray geht zielstrebig voran, er kennt den sicheren Weg. Die Gruppe folgt ihm buchstäblich auf dem Fuß, so wie er es verordnet hatte. "Safety first", hatte er gesagt. "Das Eis ist nicht überall so fest, dass es hält." Ab und an bleibt Murray stehen, fährt mit seiner großen Stablampe die Wände hoch. Er weiß, wo sich glänzende Eismassen in bizarren Kaskaden über die Felsen des Canyon ergießen.

Wilde Rocky Mountains

Murray ganz leise: "Das sind die Angel Icefalls." Die Gruppe steht und staunt. Nun ist es wieder so still. Diese Nachtwanderung durch den Canyon des eisigen Maligne River hat sich als durch und durch magischer Moment in die Erinnerung eingebrannt. Und ist eine der Outdoor-Aktivitäten aus dem Angebot von Jasper Avdenture Centre. Dort ist Murray nicht nur Guide, sondern ihm gehört das Unternehmen. Er hat es vor 15 Jahren gegründet und zeigt nun den Besuchern, was Jasper und Umgebung außer Skifahren noch zu bieten hat. "Wer nur kommt, um Pistenmeilen und Höhenmeter zu sammeln, lernt das Besondere unserer wilden Rocky Mountains nicht kennen", weiß der Mann Anfang 50. Er lebt seit gut 20 Jahren in Jasper, kam einst eigentlich nur für eine Saison als Skilehrer hierher und blieb.

Zugegeben, Jasper ist für deutsche Verhältnisse ein bisschen weit ab vom Schuss, allerdings im Skirevier von Alberta ein Klacks bei den üblichen Distanzen im riesigen Land. Jasper ist das nördlichste Skiressort der reichen Öl-Provinz Alberta mit ihrer Metropole Calgary - für deutsche Ski-Urlauber die Einflugschneise. Vom Airport bis Jasper sind es 412 Kilometer gen Nordwesten. Zuvor liegen direkt am Weg mit Banff und Lake Louise die Top-Skiareale von Alberta. Von Calgary bis Banff sind es 130 Kilometer, 180 bis Lake Louise, 412 also bis Jasper. Da sind in den Alpen bereits mehrere Ländergrenzen passiert, in Kanada nicht mal Albertas Provinzgrenze. Insofern liegen die drei Skiressorts auf der Haustür: Von Banff bis Lake Louise sind es 55 Kilometer, 230 von Lake Louise nach Jasper. Die drei Reviere verbindet der vierspurige Parkway 93 miteinander und mit dem Rest der Welt.

Atemberaubende Weite

Und was für ein Parkway. Der 93 gilt als eine der schönsten hochalpinen Straßen auf der Welt. Da wird das Resort-Hopping zur ultimativen Sightseeing-Tour, da dürfen es ruhig bis zu vier Stunden Fahrt (Banff-Jasper) sein. Denn was für eine Szenerie in diesen gewaltigen Rockies. Der 93 führt mitten durch die urwüchsige Natur einer unzersiedelten Bergwelt, wie sie die Alpen lange nicht mehr kennen. Die Alberta Rockies, urwüchsig konnten sie bleiben, da als Banff und Jasper National Parks seit 100 Jahren und mehr geschütztes Gebiet auf knapp 20.000 Quadratkilometer. Die Parks wurden inzwischen von der Unesco sogar auserkoren als Welterbe, da ein Superlativ bei Panorama, Gletscherlandschaften, Pflanzen- und Tierwelt.

Jetzt im Winter ist alles tief verschneit, die Berge, die Wälder rechts und links am Parkway liegen unter dicken Schneehauben. Atemberaubend zudem diese Weite schon unten, nicht erst auf den Gipfeln. Die erreichen knapp 4000 Meter Höhe. Linker Hand Richtung Jasper liegen Mount Columbia mit seinen 3747 Meter und Mount Robson mit 3954 Meter - die höchsten Berge der Rockies in Kanada. Auf zig Kilometer schlängelt sich weiter nördlich ein Fluss an der Straße entlang. Er ist fast ganz zugefroren, das Eis funkelt in kaltem Blau unter der Sonne. Ganz ungewohnt der Wald noch auf solchen Höhen, aber die Baumgrenze liegt in diesen Breitengraden bei 2600 Meter.

No better way to drive

Und weit und breit keine Stadt, kaum Menschen, nur die kleinen Gemeinden Banff, Lake Louise und Jasper. Banff zählt 8300 Einwohner, 51 Hotels und rund 5400 Gästebetten, Jasper rund 4600 Einwohner und 3500 Gästebetten in 25 Hotels, Cabins und 300 Bed & Breakfast Inns. Lake Louis ist gerade mal ein Weiler mit einem Bahnhof, wo nur noch Güterzüge entlang rollen. Es gibt aber etliche in den Bäumen versteckte Lodges und das verwunschene Fairmont Chateau Lake Louise. Das Hotel thront seit 1890 in Traumlage direkt am See auf 1750 Meter, direkt unter dem steilen, 3500 Meter hohen Victoria Massiv. Anfangs war es ein simples Chalet, seit 1925 ist es Luxusherberge.

Der 93 ist die einzige Straßentrasse in die drei Skiorte, trotzdem begegnet einem vielleicht nur alle 20 Minuten ein Auto. Er bahnt sich seinen Weg ohne Serpentinen und spürbar hohe Steigungen. Das verstärkt die Aussicht im Weitwinkelformat und steigert noch den Zauber. "Der 93 ist einfach spektakulär, no better way to drive", schwärmt auch Skiguide Janet Schmidt aus Jasper. "Hier beginnen die Abenteuer schon bei der Anfahrt und nicht erst bei der ersten Abfahrt." Janet ist trotz ihres deutschen Nachnamens gebürtige Kanadierin aus Toronto und seit sechs Jahren mitten in den Rockies zu Hause. Im Winter betreut sie die Fans des weißen Sports mit.

Wichtig zu wissen Die Anreise: über Calgary etwa mit Air Canada täglich nonstop ab Frankfurt. Flugzeit knapp zehn Stunden. Von dort geht es im Auto weiter. Wer zum Beispiel beim Reiseveranstalter Airtours ein Paket bucht, bekommt die Transfers mit organisiert. Das Package insgesamt: Flug Frankfurt-Calgary retour mit Air Canada, Transfers, neun Übernachtungen, davon fünf im Fünfsternehotel The Fairmont Chateau Lake Louise und vier in The Fairmont Jasper Park Lodge (viereinhalb Sterne), jeweils mit Frühstück; zudem Skipässe für zwei Tage Lake Louise und zwei Tage Jasper. Preis im Januar: ab 2414 Euro pro Person im Doppelzimmer (bei Doppelbelegung). In Reisebüros oder Telefon 0180-5988 288. Andere Anbieter: Dertour, Meiers Weltreisen. Alles individuell zu buchen, ist nicht immer günstiger, also lohnt der Vergleich. Weitere Info: www.travelalberta; Telefon 01805-526232 oder canada-info@t-online.de; www.banfflakelouise.com; www.skibig3.com; www.jasperadventurecentre.com; www.www.skimarmot.com; Fairmont Hotels Chateau Lake Louise und Jasper Park Lodge: www.fairmont.com; Hundeschlitten: www.kingmikdogsledtours.com; Nachtwanderungen etc: www.jasperadventurecentre.com.

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