"Olivia" wütet in Westeuropa

14. Juli 2010, 21:47 Uhr

Heftige Sturmböen und starke Gewitter sind über den Westen und Süden Deutschlands, Frankreich und die Beneluxländer hinweggefegt. Es gab Tote und Verletzte.

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Faszinierendes, aber zerstörendes Naturschauspiel: Die Gewitterfront zieht über München hinweg©

Schwere Unwetter mit heftigen Sturmböen sind am Mittwochabend über Deutschland, die Niederlande und Belgien gefegt. Die "Gewitterlinie" war mit fast 600 Kilometern von Nord nach Süd ungewöhnlich lang, wie der Deutsche Wetterdienst berichtete. Damit brachen von West nach Ost Starkregen, Hagel und Sturmböen über das Land herein. Orkanböen fegten mit bis zu 120 Kilometer in der Stunde übers Land. Die Hagelkörner waren bis zu zwei Zentimeter groß. In kurzer Zeit fielen örtlich bis zu 30 Liter Regen pro Quadratmeter.

Am größten Flughafen in Frankfurt am Main musste zeitweise der Flugverkehr unterbrochen. Um 20.08 Uhr mussten alle Starts und Landungen ausfallen, wie ein mitteilte. Gegen 21 Uhr lief der Betrieb nach Angaben des Sprechers wieder an. Auch der Düsseldorfer Airport wurde vorübergehend gesperrt. In Deutschland traf Sturmtief "Olivia" vor allem wieder den Westen. In einem Wald bei Kassel wurde ein Jäger von einem umstürzenden Baum erschlagen.

Abgehobene Dächer, zerstörte Autos

In Losheim im Saarland hinterließ eine Windhose auf 500 Metern Breite eine Schneise der Verwüstung. Etwa 30 Häuser seien abgedeckt worden, hieß es in der Nacht zum Donnerstag bei der Polizei in Saarbrücken. Herumfliegende Teile beschädigten ein Dutzend Autos. Aus Trier und Koblenz wurden umgestürzte Bäume gemeldet. In Koblenz rückte die Feuerwehr innerhalb kurzer Zeit zu 30 Einsätzen aus. Blitzeinschlag ist vermutlich für Stromausfälle in Trier und Koblenz verantwortlich, betroffen waren nach Angaben der Polizei mehrere Tausend Haushalte.

In Saulheim bei Mainz deckte der Sturm auf etwa 300 Quadratmetern das Flachdach eines Supermarkts ab. In Eckelsheim - ebenfalls bei Mainz - hob ein Hausdach komplett ab. Es flog über ein Nachbarhaus und krachte in den Dachstuhl eines weiteren Gebäudes.

Mitsamt drei Insassen flog bei Neuwied in Rheinland-Pfalz ein Zelt weg. Eine 20-Jährige erlitt dabei Verletzungen an Wirbelsäule und Schädelbasis. Das Zelt war fünf Meter weiter gegen einen Zaun und Holzstapel geprallt. In Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) wurden Zelte in einem Kinderferiendorf von Sturm verwüstet. "Glücklicherweise waren die Kinder bereits alle zu Hause, als die kleine Zeltstadt vom Sturm heimgesucht wurde", berichtete die Polizei.

Aachener Reitturnier vom Sturm zerzaust

Das Gewittertief "Olivia" zog auch über Nordrhein-Westfalen hinweg. Zunächst trafen heftige Böen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 100 Stundenkilometern von Westen her die Aachener Region. Bei der Polizei gingen in kürzester Zeit Notrufe vor allem wegen umgestürzter Bäume ein. Das weltweit größte Reitturnier CHIO in der Aachener Soers musste die Ladenstraße in der Zeltstadt schließen und die Prüfungen im Springen und in der Dressur unterbrechen.

Zumeist blieb es in Deutschland aber bei umgestürzten Bäumen und abgeknickten Ästen. So wurde Nordrhein-Westfalen von größeren Schäden verschont. In Köln stürzten auf einer Rheinbrücke Teile eines Baugerüsts auf ein Auto. Es entstand geringer Sachschaden, wie ein Polizeisprecher sagte.

Die Bahn stand erneut still

Betroffen war auch wieder die Bahn. Die Strecke Emmerich-Wesel am Niederrhein sei am Abend gesperrt worden, sagte ein Sprecher der für NRW zuständigen Bundespolizei in Sankt Augustin. Dieselbe Bahnstrecke war erst am Montag blockiert worden, als Sturmtief "Norina" über NRW hinwegfegte und Millionenschäden anrichtete.

Der Deutsche Wetterdienst hob die meisten Unwetterwarnungen wieder auf. Zuletzt war demnach noch Bayern vom Durchzug der Gewitterfront betroffen.

Tote und Verletzte in Belgien

In den Niederlanden kam ein Mensch ums Leben. Laut Medienberichten verwüstete am Abend eine Windhose einen Campingplatz bei Arnheim. Acht Menschen wurden verletzt, vier von ihnen schwer. Der Tornado wirbelte innerhalb weniger Minuten mindestens zehn Campingwagen durch die Luft, warf mehrere mobile Unterkünfte in angrenzende Gewässer. Auf einem Campingplatz im Osten Frankreichs wurde ein Mann von einem umstürzenden Baum erschlagen, wie die örtliche Feuerwehr mitteilte.

Schwer traf es auch Belgien. Dort wurde ein Lastwagenfahrer als ein Baum auf sein Fahrzeug in Erquelinnes an der belgisch-französischenGrenze fiel, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Der Sturm fegte vor allem über den südlichen Landesteil. In Jodoigne östlich der Hauptstadt Brüssel stürzte das Dach eines Sportzentrums ein. Dabei erlitten 15 Menschen leichte Verletzungen. In der Stadt Dinant fiel der Strom komplett aus.

Der Süden und der Osten Belgiens wurden von starken Windstößen und Regengüssen heimgesucht. Ein Mini-Tornado beschädigte mehrere Häuser in Ciney südlich von Lüttich. Dort knickten zahlreiche Bäume um und blockierten einen Fußballplatz sowie Straßen und Autobahnen. Mehrere Telefonleitungen waren unterbrochen. In vielen Häusern liefen die Keller voll Wasser.

Die Stürme behinderten massiv den Verkehr. Die staatliche Bahngesellschaft SNCB stoppte in der Region Lüttich alle Züge. "In dieser Zone ist praktisch kein Zugverkehr mehr möglich", sagte ein Sprecher des Bahnbetreibers Infrabel. Am Brüsseler Flughafen mussten wegen des Gewitters viele Flüge am Boden bleiben und hatten Verspätung.

Zum Thema
KOMMENTARE (7 von 7)
 
phate (15.07.2010, 13:30 Uhr)
@Autor
Ich würde gerne den Post von stratoarmin noch ergänzen um folgenden Auszug:

"Am größten Flughafen in Frankfurt am Main musste zeitweise der Flugverkehr unterbrochen. Um 20.08 Uhr mussten alle Starts und Landungen ausfallen, wie ein mitteilte."

Mal ganz im Ernst: Liest sich eigentlich irgendjemand von Ihnen das Ganz noch mal durch, bevor es veröffentlicht wird? Klar unterlaufen einem immer mal kleine Fehler, aber von Namen wie dem Stern würde ich schon ein wenig mehr Sorgfalt VOR Veröffentlichung von Artikeln erwarten. Wenn genauso recherchiert wird, wie hier geschrieben wird, dann gute Nacht.
undueberhaupt (15.07.2010, 11:29 Uhr)
Man kommt sich vor wie im Krieg...
...wenn man den Erzählungen der älteren Generation Glauben schenken darf.
.
Heute Nacht hatten wir 4 Stunden Stromausfall, selbst Radiosender wie Radio Bremen sind ausgefallen.
.
Das liegt daran, das der Stromkonzern EON seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Da war wohl ein Baum auf die oberirdische Leitung gefallen. Seit Jahren predigen Techniker, solche Leitungen in die Erde zu verlegen. Die nehmen Milliarden von uns Stromkunden ein, nichts passiert.
.
Und der Radiosender, haben die keinen Diesel? (Stromerzeuger für Notfälle.) Was ist eigentlich los, wenn bei uns in der Nähe ein AKW in die Luft fliegt, weil diese auf Betreiben der CDU-geführten Bundesregierung weiter laufen. Dann werden wir atomar verseucht, weil die Radiosender außer Betrieb sind und keine Nachrichten senden.
Kasperltheater (15.07.2010, 11:01 Uhr)
Diese Wetterlage....
ist im Sommer eigentlich normal. Ausser es etabliert sich ein Omegahoch. Aber im Sommer eher seltener. Die Gewitter werden im übrigen keinesfalls schlimmer. Es gibt einfach mehr die sie fotografieren. Tornados gab es auch schon vor 25 jahren. Selbst einen gesehen. Aber man sprach damals noch von Windhosen.

Wenigstens verzichtet der Stern auf "megagewitter" und "Todestornados"*lach*

Nur das Wort Minitornado sollte man vermeiden. Es gibt eine F-Skala. Und ein Tornado ist ein Tornado wenn der "Rüssel" den Boden erreicht, oder? Vorher ist es ein Funnel? Also wohl eher ein Funnel als ein Minitornado? Wie dem auch sei....;)
confused (15.07.2010, 08:54 Uhr)
@Tempelhofer
Herzlichen Glückwunsch ;-)
VOLLTREFFER
FAST nichts hinzuzufügen, ausser vielleicht ihr letzter Satz , meiner Meinung nach hätte er heissen sollen, :
"anstelle von .... wer nur Resteverwertung betreibt,........ da Stern nur Resteverwertung betreibt sitzt man hier nur auf dem trockenen ....."

schönen tag allen - und vorsicht es gibt gewitter in D-Land.
stratoarmin (15.07.2010, 08:09 Uhr)
Was soll man denn mit so einen Satz anfangen:

Dort wurde ein Lastwagenfahrer als ein Baum auf sein Fahrzeug in Erquelinnes an der belgisch-französischenGrenze fiel, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga

Über Unwetter zu berichten ist ja legitim, aber bitte in kompletten, verständlichen Sätzen :o)
nerventanz (15.07.2010, 08:08 Uhr)
@stern.de
Herzlichen Glückwunsch! Ein Wetterartikel ohne "Klimaerwärmung" drin!
Tempelhofer (15.07.2010, 07:57 Uhr)
Das Sommerloch schlägt brutal zu
Im Sommer ist es heiß, und ab und zu gibt es ein Gewitter (deshalb auch Sommer-Gewitter)....

in Zügen fallen Klimaanlagen aus...

Die Politiker sind im Urlaub...

...Und es ist heiß...

Das Sommerloch schlägt diesmal wirklich mit brutaler Härte zu. Jetzt unterscheiden sich beim Journalismus Spreu und Weizen. Wer wirklich ernsthaft recherchiert, kommt auch jetzt an seine Stories. Wer nur Resteverwertung betreibt, ist auf dem Trockenen.
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