Startseite

Weit weg vom Anton aus Tirol

Wer zur Pistengaudi in Westkanadas Provinz Alberta reist, bekommt Lust auf mehr als nur Skifahren. Zu sehr lockt die weite, wilde Bergwelt. Die kommt zudem so ganz ohne Après-Kirmes und Jet-Set-Rummel aus.

Von Ulrike Wirtz

Es ist einfach nur still, geradezu unheimlich still. Nur das Glucksen des Wassers ist ab und an zu hören. Es bahnt sich unterhalb der Eisfläche seinen Weg. Hoch am Nachthimmel stehen die Sterne und spenden genügend Licht, um die Felswände im engen Canyon ausmachen zu können. Wir stehen unten - auf dem zugefrorenen Maligne River, der Canyon ragt zehn, 15 Meter über einem empor. Nachtwanderung mitten in den Rocky Mountains von Westkanada. Das bedeutet erst eine halbe Stunde Anmarsch durch den tief verschneiten Wald zum Fluss, danach geht es übers Eis eine Stunde flussaufwärts und alles wieder retour. Mit Guide Murray Morgan sind wir zu sechst. Jeder hat sich ein Lampe auf den Kopf gestülpt die im Miniradius Licht spendet. Murray geht los, der Rest hinterher.

Nun ist es vorbei mit der unglaublichen Stille. Ein sattes Knirschen ist zu hören. Das kommt von den Spikes, die jeder unter den Schuhen trägt - für den richtigen Grip auf dem gefrorenen Fluss. Oder ist es doch das Eis, das unter dem Gewicht bricht? Unter dem Eis seien jedenfalls etliche "rooms", wie Murray die tiefen Löcher im Flussbett nennt, da stehe das Wasser vier bis fünf Meter hoch. Da möchte schon gar keiner durchbrechen. Aber Murray geht zielstrebig voran, er kennt den sicheren Weg. Die Gruppe folgt ihm buchstäblich auf dem Fuß, so wie er es verordnet hatte. "Safety first", hatte er gesagt. "Das Eis ist nicht überall so fest, dass es hält." Ab und an bleibt Murray stehen, fährt mit seiner großen Stablampe die Wände hoch. Er weiß, wo sich glänzende Eismassen in bizarren Kaskaden über die Felsen des Canyon ergießen.

Wilde Rocky Mountains

Murray ganz leise: "Das sind die Angel Icefalls." Die Gruppe steht und staunt. Nun ist es wieder so still. Diese Nachtwanderung durch den Canyon des eisigen Maligne River hat sich als durch und durch magischer Moment in die Erinnerung eingebrannt. Und ist eine der Outdoor-Aktivitäten aus dem Angebot von Jasper Avdenture Centre. Dort ist Murray nicht nur Guide, sondern ihm gehört das Unternehmen. Er hat es vor 15 Jahren gegründet und zeigt nun den Besuchern, was Jasper und Umgebung außer Skifahren noch zu bieten hat. "Wer nur kommt, um Pistenmeilen und Höhenmeter zu sammeln, lernt das Besondere unserer wilden Rocky Mountains nicht kennen", weiß der Mann Anfang 50. Er lebt seit gut 20 Jahren in Jasper, kam einst eigentlich nur für eine Saison als Skilehrer hierher und blieb.

Zugegeben, Jasper ist für deutsche Verhältnisse ein bisschen weit ab vom Schuss, allerdings im Skirevier von Alberta ein Klacks bei den üblichen Distanzen im riesigen Land. Jasper ist das nördlichste Skiressort der reichen Öl-Provinz Alberta mit ihrer Metropole Calgary - für deutsche Ski-Urlauber die Einflugschneise. Vom Airport bis Jasper sind es 412 Kilometer gen Nordwesten. Zuvor liegen direkt am Weg mit Banff und Lake Louise die Top-Skiareale von Alberta. Von Calgary bis Banff sind es 130 Kilometer, 180 bis Lake Louise, 412 also bis Jasper. Da sind in den Alpen bereits mehrere Ländergrenzen passiert, in Kanada nicht mal Albertas Provinzgrenze. Insofern liegen die drei Skiressorts auf der Haustür: Von Banff bis Lake Louise sind es 55 Kilometer, 230 von Lake Louise nach Jasper. Die drei Reviere verbindet der vierspurige Parkway 93 miteinander und mit dem Rest der Welt.

Atemberaubende Weite

Und was für ein Parkway. Der 93 gilt als eine der schönsten hochalpinen Straßen auf der Welt. Da wird das Resort-Hopping zur ultimativen Sightseeing-Tour, da dürfen es ruhig bis zu vier Stunden Fahrt (Banff-Jasper) sein. Denn was für eine Szenerie in diesen gewaltigen Rockies. Der 93 führt mitten durch die urwüchsige Natur einer unzersiedelten Bergwelt, wie sie die Alpen lange nicht mehr kennen. Die Alberta Rockies, urwüchsig konnten sie bleiben, da als Banff und Jasper National Parks seit 100 Jahren und mehr geschütztes Gebiet auf knapp 20.000 Quadratkilometer. Die Parks wurden inzwischen von der Unesco sogar auserkoren als Welterbe, da ein Superlativ bei Panorama, Gletscherlandschaften, Pflanzen- und Tierwelt.

Jetzt im Winter ist alles tief verschneit, die Berge, die Wälder rechts und links am Parkway liegen unter dicken Schneehauben. Atemberaubend zudem diese Weite schon unten, nicht erst auf den Gipfeln. Die erreichen knapp 4000 Meter Höhe. Linker Hand Richtung Jasper liegen Mount Columbia mit seinen 3747 Meter und Mount Robson mit 3954 Meter - die höchsten Berge der Rockies in Kanada. Auf zig Kilometer schlängelt sich weiter nördlich ein Fluss an der Straße entlang. Er ist fast ganz zugefroren, das Eis funkelt in kaltem Blau unter der Sonne. Ganz ungewohnt der Wald noch auf solchen Höhen, aber die Baumgrenze liegt in diesen Breitengraden bei 2600 Meter.

No better way to drive

Und weit und breit keine Stadt, kaum Menschen, nur die kleinen Gemeinden Banff, Lake Louise und Jasper. Banff zählt 8300 Einwohner, 51 Hotels und rund 5400 Gästebetten, Jasper rund 4600 Einwohner und 3500 Gästebetten in 25 Hotels, Cabins und 300 Bed & Breakfast Inns. Lake Louis ist gerade mal ein Weiler mit einem Bahnhof, wo nur noch Güterzüge entlang rollen. Es gibt aber etliche in den Bäumen versteckte Lodges und das verwunschene Fairmont Chateau Lake Louise. Das Hotel thront seit 1890 in Traumlage direkt am See auf 1750 Meter, direkt unter dem steilen, 3500 Meter hohen Victoria Massiv. Anfangs war es ein simples Chalet, seit 1925 ist es Luxusherberge.

Der 93 ist die einzige Straßentrasse in die drei Skiorte, trotzdem begegnet einem vielleicht nur alle 20 Minuten ein Auto. Er bahnt sich seinen Weg ohne Serpentinen und spürbar hohe Steigungen. Das verstärkt die Aussicht im Weitwinkelformat und steigert noch den Zauber. "Der 93 ist einfach spektakulär, no better way to drive", schwärmt auch Skiguide Janet Schmidt aus Jasper. "Hier beginnen die Abenteuer schon bei der Anfahrt und nicht erst bei der ersten Abfahrt." Janet ist trotz ihres deutschen Nachnamens gebürtige Kanadierin aus Toronto und seit sechs Jahren mitten in den Rockies zu Hause. Im Winter betreut sie die Fans des weißen Sports mit.

Die finden in Banff, Lake Louise und Jasper alles, was ihr Herz begehrt, ob Snowboardfahrer, Carver oder Freestyler, ob Anfänger oder Experte. Sie können sich in der weißen Pracht austoben, die sich jeden Winter aufs Neue bis zu zehn Meter auftürmt. Der Schnee fällt aber nicht nur üppig, sondern hat klimatisch bedingt diese traumhaft-trockene Konsistenz, nennt sich Champagne Powder und macht das Skifahren nicht nur noch schöner, sondern auch leichter. Und abbi geht’s über 1a präparierte Pisten, steile Buckelhänge, wilde Runs der Könnerklasse Double Diamond Black und durch freies Gelände - von 1500 bis hinauf auf fast 3000 Meter.

Ganz auf Familien eingestellt

An Lake Louise, wo die Profis mit der Abfahrt die World-Cup-Saison starten, schätzen Kenner vor allem die vielen Waldabfahrten, von ganz breit bis ganz eng. Das 1a-Revier von Banff heißt Sunshine Village. Hier findet die Pistengaudi überwiegend über der Baumgrenze statt, also direkt unter den dreitausender Gipfeln. Nicht ganz so ultimativ geht es in Jaspers Skiareal Marmot Basin zu, wo die Runs von einfach bis schwer rangieren. Das Revier Marmot Basin ist allerdings nicht so weitläufig wie Lake Louise und Sunshine Village und daher ideal auch für Familien, die sich ungern für den ganzen Tag aus den Augen verlieren.

Ganz auf Familien eingestellt, soll das Terrain um einen reinen Übungshang wachsen. Das Projekt durchzubekommen, ist aber ein Riesenproblem. Expansionen jeder Art sind die ganz große Ausnahme, ob am Berg oder bei Gebäuden. "Schließlich sind wir im National Park. Wenn überhaupt, werden Genehmigungen nur unter strikten Umweltauflagen erteilt. Die reichen von energiearmen Skiliften über wassersparsame Toiletten bis zu modernen Heizsystemen", so Brian Rode, Marketing-Vizechef in Marmot Basin. Ohnehin gelte das Footprint-Prinzip. "Wo Altes Bestandschutz hat, darf Modernisiertes entstehen, aber prinzipiell ohne jede Erweiterung."

Leger-sportlich ist überall die Devise

Und noch etwas ist eherne Regel in den drei Revieren. "Hier gibt es kein Heliski. Das ist in den National Parks verboten", betont Skilehrerin Janet. Und als bestünde die Natur auf einen Ausgleich fürs bunte Skitreiben, finden sich nirgends laute Après-Partys unterm Schirm mit dem obligatorischen Anton aus Tirol, und auch der mondäne Jet-Set-Auftrieb fehlt gänzlich. Leger-sportlich ist überall die Devise, auch in Banff "downtown". Hier herrscht gemessen an Jasper reger Betrieb. In Jasper geht es ganz ländlich-ruhig zu - außer am Freitagabend, wenn auch die Locals richtig ausgehen. In die Bar vom D’ed Dog tanzt dann schon mal der Bär, die echten draußen halten Winterschlaf. In Lake Louise angesagt: an der Talstation die Powderkeg Lounge, aber eher wegen der köstlichen Pizzas und der "Chicken Wings hot" als wegen cooler Sounds. Das gleiche gilt für die Railroad Station, die heute ein uriges Lokal mit feiner Küche beherbergt.

An diesem Bahnhof stoppte um 1900 die Canadian Pacific Railroad CPR mit den ersten Touristen. Anfangs kamen die Besucher allein im Sommer, seit den 20-iger Jahren auch im Winter. Seinerzeit war aus dem Chalet das Fünfsterne-Hotel Chateau Louise entstanden, wo sich die Gästeschar damals wie heute sportlich-unprätentiös gibt und die Exklusivlage am einsamen See als den wahren Luxus genießt. Am Ufer im Schatten von Mount Victoria steht nur dieses Hotel und sonst weit und breit nichts. Das wird nach dem Footprint-Prinzip auch so bleiben. Das gleiche gilt für die Jasper Park Lodge in Jasper. Die entstand 1911 - auch sie ein Solitär direkt an Lake Beauvert und Lake Mildred und drei Kilometer weg von downtown Jasper. Sie beherbergt ihre Gäste in kanadisch-rustikalen Luxus-Cabins, die sich wie ein Dorf für sich über das weite Grundstück verteilen.

Welcome to the Canadian Way of Life

Anders als sonst üblich in den angesagten Orten der Rockies in Kanada wie USA, finden sich aber weit und breit keine Nobelvillen der Reichen und Schönen. Das erlauben die Gesetze der National Parks nicht. So bleibt auch das Image von der urwüchsigen Natur sauber, das die drei Locations werbewirksam einzusetzen verstehen. Zumal sich hier in der Tat Elch, Schwärzbär und Grizzly gute Nacht sagen. Da die Bären ihren Winterschlaf halten, verzichten die Locals derweil auf ihre sonst üblichen "Bear Bells" an Gürteln oder Jacken. Das Gebimmel vertreibt die Bären, mit denen außerhalb des Winters ein Aufeinandertreffen nicht nur weitab von den Wegen möglich ist. Wildnis ist hier überall. Welcome to the Canadian Way of Life.

Auch unsereins taucht auf Zeit ein in diesen Way of Life - in Lake Louise bei der Hundeschlittenfahrt, wo Leithund Solko als erster im Achtergespann aus Alaskan Huskies läuft, und bei der Schneeschuhwanderung rund um den eisigen See mit dem Schloss. Auf Lake Mildred in der Jasper Park Lodge jagen einige Leute dem Puck hinterher. Eishockey ist Volkssport Nummer 1 in Kanada. Wir waren wieder mit Murray auf Exkursion. Dieses Mal war der Maligne Lake das Ziel - zwei Stunden Autofahrt wie durch Niemandsland. Die Seeufer schienen sich am Horizont in weißen Bergkolossen zu verlieren, das Wasser war pures Eis und lag unter einer dichten unberührten Schneedecke.

Ein einziger Wintertraum

In diesen Schnee hatte bisher kein Mensch seinen Fuß gesetzt, nur kleine Eindrücke von Tierpfoten waren hier und da zu sehen. Die Sonne strahlte am tief blauen Himmel. Es war wie ein einziger Wintertraum, aber viel besser, da schöne Wirklichkeit. Der Maligne Lake speist den Maligne River, über dessen gefrorenen Wasserlauf wir am Abend zuvor gewandert waren. Um das alles nicht zu verpassen, sollte man in den Alberta Rockies wirklich nicht nur Pistenmeilen und Höhenmeter sammeln.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Zu hohe Inkassogebühren, rechtens?
Hallo, ich habe am 20 März 15 einen Vertrag über 12 Monate mit einem Fitness-Studio abgeschlossen. Die Kosten (9,98 € 14-Tägig, 39,99€ Verwaltung einmalig, 19,99 Trainer und Servicepauschale Jährlich) sollten per Einzugsermächtigung abgebucht werden. Kürzlich bekam ich überraschend einen Brief von einem Inkassobüro mit der Zahlungsaufforderung für die gesamten 12 Monate inkl. der Verwaltung und Servicepauschale + Auslagen des Gläubigers (63,38€), Zinsen (1,42€), Geschäftsgebühr (45€), Auskunftskosten (5€) , Auslagenpauschale (9€) Hauptforderung 320,28€ Offene Forderung 444,08€ Nach dem ich mich bei der Firma erkundet habe, sagten sie mir, dass Zahlung zurückgegangen ist da mein Konto nicht gedeckt sei. Fakt war das sie einen Zahhlendreher in der Kontonummer hatten obwohl im meinem Durchschlag die Richtige Kontonummer angegeben wurde. Aber im Original hat jemand aus einer 3 eine 8 geändert. Nach Überprüfung konnte ich Feststellen das es diese Kontonummer gar nicht gibt und das diese vom System gar nicht angenommen wird. Spätestens da hätte man mich doch hinweisen oder fragen können was mit dem Konto sei. Es kam nie ein zu einem Zahhlungsrückgang, noch zu einer Zahlungserinnerung Mahnung seitens des Fitnessstudios. Die AGB´s habe ich nie zu Gesicht nie bekommen und auch nicht gelesen - diese stehen (nach meiner Recherche) im Internet aber auch nicht definiert wie man in Zahlungsverzug kommt. Leider habe ich unterschrieben das sie mir bekannt sind. Dies steht ganz kleingedruckt im Durchschlag. Ich habe der Firma vorgeschlagen die offenen Beiträge bis jetzt zu bezahlen und für die Zukunft eine neue Einzugsermächtigung zu erteilen, was sie aber abgelehnt haben und mir gesagt haben ich soll dies mit dem Inkassobüro klären. Der Fitnessvertrag ist somit gesperrt seit einem Monat. Da ich aber mit den Gebühren, Mahnspesen von dem Inkassobüro nicht einverstanden bin weiß ich nicht ob ich diese bezahlen muss. Ich habe dem Inkassobüro auch vorgeschlagen die offenen Beiträge zu begleichen und diese dann wie vertraglich vereinbart abgebucht werden. Sie haben mir angeboten diese in einem Jahr zu einem monatlichen Beitrag von 35€ abzuzahlen. Dies währen Mehrkosten von 100€, ist das rechtens? Bitte Antworten sie mir in einer Sprache die ich auch versteh - mit langen Gesetzestexten kann ich leider nicht umgehen Und was Sie denken was ich tun soll was rechtens ist. Vielen Dank im Voraus

Partner-Tools