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Bundesamt rät zu Hamsterkäufen

Schnee, Sturm und Verkehrschaos: Tief "Daisy" bringt den Katatrophenschutz in Alarmstimmung. Die Bürger sollten sich vorsorglich mit Lebensmitteln, Medizin und Kerzen für vier Tage eindecken, rät das zuständige Bundesamt. Auch die Räum- und Rettungsdienste wappnen sich.

Angesichts der erwarteten starken Schneefälle und Stürme hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) den Bürgern empfohlen, sich vorsorglich mit Lebensmitteln einzudecken. Es werde grundsätzlich geraten, die Vorräte an Lebensmitteln und notwendigen Medikamenten so aufzufüllen, dass eine Versorgung "für drei bis vier Tage" möglich ist, teilte das Bundesamt in Bonn am Freitag auf seiner Internetseite mit. Die Speisen sollten zur Not auch ohne Strom, etwa mit Camping-Gaskochern, erhitzt werden können.

Auch ausreichend Trinkwasser und Kerzen sollten im Haus sein, riet der Präsident des Bundesamtes, Christoph Unter. Gut wären zudem Taschenlampen und ein Batterie-betriebenes Radio, denn im Fall eines Stromausfalls, wären ja andere Kommunikationsmittel wie Fernsehen oder Computer nicht einsatzfähig, so der BBK-Chef. Auch Mobiltelefone ließen sich dann nicht mehr aufladen. "Die Möglichkeit eines Stromausfalls gibt es immer", sagte Unter.

Ein Sprecher des Bundesamtes betonte, mit der Ankunft von Tief "Daisy" seien die allgemeingültigen Hinweise zur Vorsorge für Notfallsituationen aktualisiert worden. Sollte tatsächlich eine extreme Wetterlage mit starken Schneefällen oder Glatteis eintreten, sollten Bürger, die sich nicht zwingend im Freien aufhalten oder dringend verreisen müssten, "möglichst zu Hause zu bleiben". Wer mit dem Auto unterwegs sei, müsse mit Staus rechnen, mahnte der Sprecher. Die Autofahrer sollten daher warmen Tee und Decken einpacken. Jede unnötige Autofahrt solle vermieden werden.

Räum- und Rettungsdienste wappnen sich

Nach der Prognose der Meteorologen kann Tief "Daisy" bis zum Samstag mancherorts für bis zu 20 Zentimeter Neuschnee sorgen. Hinzu kämen Windböen von 70 Stundenkilometern, die den pulverigen Schnee zu Schneebergen auftürmen können. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet mit "erheblichen Behinderungen" durch Schneeverwehungen, sowohl auf der Straße als auch im Bahn- und Flugverkehr. Räum- und Rettungsdienste in Deutschland wappneten sich daher am Freitag für chaotische Verkehrsverhältnisse. Das Technische Hilfswerks (THW) stellte sich darauf ein, deutschlandweit Straßen zu räumen, liegengebliebene Lastwagen freizuschleppen und im Stau steckende Autofahrer mit heißen Getränken und Decken zu versorgen.

Auch Flugreisende werden die Schneemassen voraussichtlich zu spüren bekommen. Passagiere müssten sich am Wochenende auf Verspätungen und Flugausfälle einstellen, teilte der Flughafen Frankfurt am Main mit. In den Terminals seien Vorbereitungen getroffen worden, um Passagiere während Wartezeiten versorgen zu können. Am Airport Düsseldorf wurde der sonst mögliche Check-In am Vorabend gestrichen. Passagieren wird geraten, sich rechtzeitig über Verspätungen zu informieren.

Auch die Bahn bereitete sich auf Behinderungen vor. Bei Schneeverwehungen könnten Weichen zufrieren, sagte ein Sprecher des Konzerns. Man habe aber Vorbereitungen getroffen, um einen möglichst reibungslosen Bahnverkehr zu gewährleisten. So seien bundesweit mehrere hundert Mitarbeiter in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden, etwa um Unwetterschäden beseitigen zu können.

Kritik an Streusalz-Herstellern

Der ADAC forderte die Hersteller von Streusalz auf, die Produktion von Auftausalzen sofort deutlich zu verstärken. Zahlreiche deutsche Städte könnten ihre Straßen nicht bedarfsgerecht räumen, da die Salzvorräte zur Neige gegangen seien. Dies liege daran, dass die Lager der Salzhersteller weitgehend leergefegt seien und die Restmengen vorrangig an Autobahnmeistereien ausgeliefert worden seien. Dies sei nicht hinnehmbar.

Der Verband der Kali- und Salzindustrie e.V. erklärte hingegen, derzeit würden in deutschen Bergwerken pro Tag 45.000 Tonnen Auftausalz produziert. "Das ist relativ viel", sagte ein Sprecher. Bei diesem Produktionsvolumen könne nicht von einem Lieferengpass gesprochen werden. Möglich sei nur, dass es bei schlechter Witterung zeitweise mal zu Verzögerungen bei der Auslieferung komme.

Die Bahn rüstet auf

Die Deutsche Bahn rüstet sich mit zusätzlichen Einsatzkräften und technischem Material. Es könnten bei Bedarf mehr Schneeräumkräfte und Instandhaltungstrupps eingesetzt werden, sagte ein Sprecher. Räumfahrzeuge für die Schienen stünden ebenso bereit wie zusätzliche Hilfsloks für den Fall, dass Züge steckenblieben.

Winter überfordert Städte und Gemeinden

Viele Kommunen in Deutschland sorgen sich wegen des Mangels an Streusalz. Die Stadt Wiesbaden rief die Autofahrer auf, ihren Wagen möglichst stehen zu lassen. In der hessischen Landeshauptstadt werde wie in anderen Städten und Regionen das Taumittel knapp. In Bremen kann wegen der hohen Schneeberge am Straßenrand der Müll nicht mehr ordnungsgemäß abgefahren werden.

Gut vorbereitet scheint die Wasserschutzpolizei am Bodensee zu sein. Sie patrouilliert mit Schlittschuhen auf dem zugefrorenen See. Knapp sieben Zentimeter misst die Eisschicht vor der Insel Reichenau auf dem sogenannten Gnadensee. Schlittschuhläufern und Eishockeyspielern sind unter Polizeischutz unterwegs. In Norddeutschland ist das Eis hingegen eine Last, Schifffahrtswege und Küsten frieren zu. In der Nordzufahrt nach Stralsund liege bis zu 15 Zentimeter dickes Festeis, im Hafen Wismar etwa zehn Zentimeter, teilte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrogrphie (BSH) mit. Eisbrecher seien im Einsatz. Auf dem Mittellandkanal zwischen Rheine und Magdeburg sind über eine Strecke von 318 Kilometern fünf Eisbrecher im Einsatz. Zudem gab es an der Ostseeküste starke Schneeschauer, weil sich die Luft über dem Meer mit Feuchtigkeit vollsaugte. So liegen auf Rügen mehr als 30 Zentimeter Schnee, während es in Schwerin nur drei Zentimeter sind.

DPA/AFP/Reuters/DPA/Reuters

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