Träumen macht schlau

Zum Lernen ins Bett: Wer Tennis lernt oder Tango, Fußball oder Fandango, sollte träumen - der Schlaf sorgt dafür, dass Bewegungen gut erinnert werden.

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Träume sind seit jeher ein Inbegriff von Rätselhaftigkeit. Neue Studien haben nun Licht in das gebracht, was sich jede Nacht in den Köpfen schlafender Menschen abspielt - auch wenn endgültige Erklärungen noch ausstehen. Eine der Erkenntnisse: Der so genannte REM-Schlaf ist wichtig für das Gedächtnis. REM steht für rapid eye movements, schnelle Augenbewegungen bei geschlossenen Lidern. Sie begleiten die traumreiche REM-Phase. Diese Träume sind bunt und bildhaft; in anderen Phasen - den so genannten NonREM-Phasen - träumt das Gehirn eher Sätze oder Gedanken.

Hirnbilder, die mithilfe des Positronen-Emissions-Tomographen (PET) gewonnen wurden, zeigen einen bestimmten Hirnbereich während des Traums als besonders aktiv an: Es ist der Hippocampus, jene Region des Hirns, die für das Gedächtnis und das Erinnern zuständig ist.

Bewegungsabläufe werden im Schlaf wiederholt

Manches deutet darauf hin, dass der REM-Schlaf besonders wichtig ist für das Erlernen von visuellen und motorischen Fähigkeiten, wie etwa Tennis. Studiert zum Beispiel jemand einen neuen Bewegungsablauf ein, etwa den Aufschlag, nimmt der REM-Anteil seines Schlafs in der darauf folgenden Nacht stark zu. Weckt man ihn in diesen Phasen immer wieder auf, wird das Abspeichern verhindert. Wird hingegen der NonREM-Schlaf gestört, speichert das Hirn relativ problemlos das Gelernte ab.

Pierre Maquet, Neurologe an der belgischen Universität Lüttich, stellte anhand der PET-Bilder fest, dass in den REM-Phasen jene Hirnareale am stärksten aktiv sind, die seine Versuchspersonen schon tagsüber zum Erlernen verschiedener Testaufgaben gebraucht hatten. Der Forscher schlussfolgert , dass das Gehirn nachts neue Verbindungen zwischen Nervenzellen knüpft - insbesondere in den Regionen, die schon am Tage während des Lernens aktiv sind. Dabei bauen sich die Kontakte zwischen den Nervenzellen um, der neue Gedächtnisinhalt festigt sich dauerhaft.

Wer keine REM-Träume hat, lernt auch gut

Es gibt allerdings auch Argumente gegen die wichtige Rolle der REM-Phasen. So können sich Menschen, die seit Jahren den REM-Schlaf unterdrückende Medikamente einnehmen, dennoch gut an Dinge erinnern. Das gilt auch für Patienten, die aufgrund von Hirnschäden keine REM-Phasen haben.

Schon in den achtziger Jahren befanden Francis Crick vom Salk Institute in San Diego (USA) und Graeme Mitchinson von der britischen Universität Cambridge sogar: "Wir träumen, um zu vergessen". Nach ihrer Theorie nutzt das Gehirn den Schlaf auch, um sinnlose, überflüssige und störende Erinnerungen oder Assoziationen aufzurufen, zu prüfen und dann aus dem Großhirn zu löschen. Nach Crick hätten Träume den Zweck, Dinge aktiv zu verlernen, um ein Überlaufen des neuronalen Speichers zu verhindern. Das würde auch erklären, warum wir uns an die nächtlichen Bilder so schlecht erinnern.

Neurologen bestätigen Sigmund Freud

Zu ganz anderen Ergebnissen kam dagegen der Neuropsychologe und Psychoanalytiker Mark Solms von der Universität London. Er meint, das Gehirn nutze den Traum womöglich, um Erlebnisse zu bewältigen oder nachträglich zu verarbeiten - das steht er der Meinung Sigmund Freuds recht nahe. Auch der Wiener Psychoanalytiker glaubte, der Traum zeige, was den Menschen unbewusst umtreibe.

Solms untersuchte Patienten mit tief liegenden Hirnschäden: Sie träumten normal, obwohl ihr REM-Schlaf gestört war. Denn hervorgebracht und gesteuert wird diese Traumphase von evolutionsgeschichtlich alten Regionen im Hirnstamm. Aus diesem Befund schloss Solms, dass Träume hauptsächlich aus dem Stirnhirn entspringen. Dieses spielt im Wachzustand eine entscheidene Rolle beim Gedächtnis, bei Gefühlen und bei der Motivation.

Rudolf Grimm/DPA

 
 
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