Features10. Januar 2013 , 12:01 Uhr
“Advance Wars” – Warum wir nicht genug davon kriegen können
Es gibt zwei verschiedene Arten an Gamern, die „Advance Wars“ spielen: Eine Gruppe schaltet die Schlachtanimationen ein, die andere schaltet sie aus.
Zu Beginn des Spieles wird man ein Mitglied der ersten Gruppe sein und sich wie verrückt darüber freuen, wenn die süßen, kleinen Panzer entzückende kleine Soldaten vom Bildschirm blasen.
Bunte Bilder
Nähert man sich jedoch dem Ende von “Advance Wars” (falls man es jemals beendet) wird man ein Mitglied der zweiten Gruppe sein. Man hat die Animationen schon tausendmal gesehen und benötigt keine Verbildlichung des angerichteten Massakers mehr. Außerdem kann man sich eine höhere, reinere Dosis “Advance Wars” einverleiben, sobald man die Animationen abgestellt hat.
Ironischerweise sind es die Grafiken, die einen zunächst anlocken. „Advance Wars“ erscheint heiter, aufgeschlossen und ist wahrscheinlich das fröhlichste Kriegsspiel aller Zeiten. Obwohl es in einer Welt des Krieges spielt, sind die Schauplätze in „Advance Wars“ voller saftigen Grünflächen, dichten Wäldern und knallblauen Ozeanen, die an die Küste plätschern. Die Armeen sind sogar noch putziger. Die Flugzeuge, Panzer und Soldaten in fröhlichen Farben sehen aus, als wären sie direkt aus einer Packung Haribo Color-Rado entsprungen.
Knallharter Krieg
Die bezaubernde Erscheinung von “Advance Wars” ist jedoch eine gefährliche Täuschung. Sobald einen das rollenbasierte Strategiespiel angelockt hat, lauert es mit komplexen, taktischen Möglichkeiten, tollen Mechaniken und Belohnungen auf den Spieler.
Jede Einheit hat ihre eigenen Feinde sowie ihre ideale Beute, und in jeder Runde muss man den Schaden, den man für einen möglichen Erfolg in Kauf nehmen kann, neu berechnen. Bomber können zum Beispiel keine Bodentruppen auslöschen, aber sie sind einfache Beute für Kampfschwadronen. Diese Kämpfer könnten jedoch wiederum von Flugabwehrgeschützen umgenietet werden, welche aber gegen Panzer keine Chance haben.
Strategisches Schach
Diese einfachen Beziehungen regulieren das Ergebnis jedes Zusammentreffens. Eine komplexe Abfolge von Variablen gewährleistet, dass man immer eine Option offen hat. Praktischerweise kann die Panzerfaust schwingende Infanterie von Fahrzeugeinheiten angegriffen werden. Auf einem Berggipfel erhält sie jedoch erhöhte Verteidigungskraft und kann die Feinde Runde für Runde in die Hölle schicken.
Besonders wichtig ist die Wahl des befehlshabenden Offiziers. In prächtiger Nintendo-Manier kann man seine Kriegsführung personalisieren, indem man einen Offizier auswählt, der zum eigenen Spieltyp passt. Wenn man den Feind mit Nahkampfeinheiten gerne hart trifft, ist der hohlwangige Max der richtige Mann. Wer sich gerne mit einem heimtückischen Fußtrupp an den Gegner heranschleicht, sollte sich für Sami entscheiden. Außerdem gibt es Andy, den Mann für alles, der die Fähigkeit besitzt, seine Truppen zu heilen.
Diese Kombination aus grundlegender Einfachheit und zahllosen variable Faktoren macht “Advance Wars” zu einem berauschenden Spiel. Je mehr man sich auf das verzwickte System einlässt, das hinter der erfolgreichen Kriegsführung steckt, desto mehr Möglichkeiten erschließen sich.
“Advance Wars” mag es an der Reinheit von Schach, dem König der rundenbasierten Strategiespiele, fehlen, aber unter der heiteren Fassade bietet es dieselben strategischen Möglichkeiten wie sein historisches Vorbild.
Quelle: cvg