Features27. März 2013 , 05:03 Uhr

“Battlefield 4” will den Egoshooterkrieg gewinnen

“Battlefield 4” wurde auf einer gestrigen Pressekonferenz zum ersten Mal öffentlich präsentiert, und EA scheint auf zwei Dinge aus zu sein.

Erstens: Das Unternehmen will allen klarmachen, dass es sich bei “Battlefield 4” um eine der größten Spieleveröffentlichungen dieses Jahres handelt. Zweitens: Die Konkurrenz soll in den Schatten gestellt werden.

Man sollte sich von dieser Selbstsicherheit nicht täuschen lassen. Bisher stand „Battlefield“ immer im Schatten von “Call of Duty”. Das Entwicklerstudio DICE hatte es 2011 mit der letzten Folge der Serie fast geschafft, „Call of Duty“ einzuholen. “Battlefield 3” wurde für seinen vielschichtigen und gewaltigen Multiplayermodus hoch gelobt. Aber die Achillesferse, die ihn wahrscheinlich vom Einholen des Konkurrenzspiels abgehalten hat, ist die schwache Singleplayerkampagne.

Der Kreativdirektor Lars Gustavsson sagte: “Ich hatte das Gefühl, dass wir bei Battlefield 3 so viele Dinge richtig gemacht haben. Es war eine schmerzliche Erkenntnis, dass den Leuten etwas gefehlt hat. Sie sagten, wir hätten ein paar Teile der Battlefield-Formel vergessen.“

Gustavsson bezieht sich damit auf den stark linearen Ablauf der “Battlefield 3”-Einzelspielerkampagne. Er sagte, dass es in „Battlefield“ schon immer um Entscheidungsmöglichkeiten für die Spieler ging. Der Singleplayermodus in DICEs neuem Spiel soll die offene Herangehensweise des Onlinemodus mit den Umgebungen der Hauptkampagne verbinden. Außerdem soll das Ganze ein technisch stark fortgeschrittenes Spektakel werden.

Gustavsson sagte: “Wenn wir das schaffen und gleichzeitig eine großartige Geschichte erzählen, sodass man unbedingt wissen muss, was als nächstes passiert, würde mich das als Spieler überzeugen. Da der Gamer die Richtung der Ereignisse mit neuen Werkzeugen beeinflussen kann, wird er sich der Handlung hoffentlich verbunden fühlen, sodass er unbedingt mehr möchte. Das ist meine Hoffnung.”

Klappe, die erste

Gustavssons (und DICEs) Hoffnungsträger sieht jedenfalls ziemlich gut aus. Das Spiel wurde auf einer Kinoleinwand enthüllt, die von zwei goldenen Statuen eingerahmt war. „Battlefield 4” erntete damit bereits ein paar “ooohs” und “aaahs” von den Gamejournalisten, die vor der Enthüllung wahrscheinlich dachten, dass sie schon alles gesehen haben, was ein moderner Shooter nur bieten kann.

Die Eröffnungsszene des Spielmaterials grenzt ans Surreale. Man sieht das Innere eines Autos, das langsam in dunklem Meerwasser versinkt. Die einzigen Geräusche sind das Knarren von Stahlstreben und das Knacken der Windschutzscheibe, welche dem Wasserdruck nachzugeben und die vier Soldaten zu ertränken droht. Ach ja, und “Total Eclipse Of The Heart” von Bonnie Tyler spielt im Radio. “Ich möchte nicht zu diesem Lied sterben“, wehklagt einer der Insassen, was sofortige Lacher vom Publikum hervorrief.

Es wird deutlich, dass DICE seinem neuesten Spiel eine gehörige Portion Charakterstärke verpasst. Recker (der Protagonist), Irish und Pac tasten verzweifelt im Fahrzeug herum, als ihr Kommandant Seargent Dunn sie mit ruhiger Stimme dazu auffordert, ihn seinem Schicksal zu überlassen und sich selbst zu retten. Er übergibt Recker seine Pistole und befiehlt ihm, das Beifahrerfenster einzuschießen. Seine Kumpels schreien ihn an, es nicht zu tun, aber Dunn beschwört ihn mit der Metapher über Wölfe, die zum Abkauen ihrer Pfoten bereit sein müssen, um einer Falle zu entfliehen. Recker schießt die Scheibe ein und der Bildschirm wird schwarz.

Grafische und technische Meisterleistung

Danach folgt eine Art Handlungsrückblick und die Erklärung, wie es zur Autoszene kommt. Das Ganze sieht wie ein Hollywood-Actionblockbuster aus der Perspektive des Protagonisten aus. Ein Actionheld mit einer Kanone in der Hand ist natürlich keine bahnbrechende Neuerung für einen Egoshooter. In HD auf einer Kinoleinwand sieht „Battlefield 4“ aber trotzdem ziemlich beeindruckend aus. Dank der optimierten Frostbite-Engine hat man das Gefühl, sich live an den Orten eines hochqualitativen Hollywood-Films zu befinden.

Die umwerfenden Grafiken und Klangeffekte haben das Potenzial, den Spieler einzuwickeln und jede Erinnerung an die Außenwelt auszulöschen. DICE verwischt dabei aber nicht die Grenzen zwischen Film und Game. “Battlefield 4” ist immer noch offensichtlich ein Stück interaktive Unterhaltung. Das schwedische Entwicklerstudio möchte aber die Qualitätserwartungen, die Fans an ein solches Spiel haben, noch übertreffen. Das Spiel ist voller unglaublich detaillierter Umgebungen, wozu beispielsweise eine heruntergekommene, von Graffiti übersäte Schule zählt.

Durch die flüssigen, organischen Animationen der wunderschönen Charaktermodelle scheint “Battlefield 4” aber erst richtig zum Leben zu erwachen. Sie bewegen sich so natürlich, als wären es richtige Menschen. Sie haben nervöse Macken oder machen unbewusste Bewegungen, wenn sie stillstehen. Als sich das Team auf den Weg zu einem wartenden Hubschrauber macht, schauen die Kameraden immer wieder zu Recker zurück, um sicherzustellen, dass er mithält.

Wie alles begann…

Der Hubschrauber wartet bei einer verlassenen und zerfallenen Fabrik am Ende eines Feldes. Der Anblick dieser maroden Gegend ist beeindruckend, das Sonnenlicht wird im zerbrochenen Glas der Fenster dieser ehemals gewaltigen Lagerhalle reflektiert und der Wind bläst über das ungemähte Gras der überwucherten Felder. Am Himmel tummeln sich Vögel, während sich Recker und seine Crew ihrem Ziel nähern. Die Soldaten tauchen vor der In-Game-Kamera auf und verschwinden wieder. Man erhält kurzzeitig den Eindruck, als befindet man sich inmitten eines Naturdokumentarfilms. Plötzlich erscheint ein Jeep mit einem Maschinengewehrgeschützturm und die Hölle bricht los.

Hier kommt Gustavssons “Battlefield-Formel” zum Tragen. Später wurde uns mitgeteilt, dass der Demospieler den Jeep mit einer Panzerfaust hätte zerstören können. „Battlefield 4” gibt den Spielern viele Kampfwerkzeuge und zwingt sie nicht zu vorbestimmten Handlungen. Im Demo markiert Recker den Jeep und befiehlt seinen Teamkollegen, das Fahrzeug unter Beschuss zu nehmen, während er sich ihm nähert. Dann pumpt er zwei Ladungen Blei in Fahrer und Schützen, bevor er sich in den Fahrersitz schwingt.

Daraufhin folgt ein hektisches Rennen zum Treffpunkt, während Reckers Teamkollegen die Wagenladungen an Gegnern beschießen. Sie springen aus dem Jeep und eilen in das verlassene Fabrikgebäude. Drinnen machen sie sich auf den Weg zum Dach, nur um dort den rettenden Helikopter unter Beschuss eines feindlichen Kampfhubschraubers vorzufinden.

Der Bildschirm scheint zu beben, als der Helikopter auf die Seite stürzt und dabei nur um Haaresbreite Reckers Beine verfehlt. Dann stürzt einer der Fabrikschornsteine ein und das Team stolpert einen Abhang hinunter. Der Bildschirm wird wieder schwarz, um kurz darauf eine Vision der Hölle zu zeigen.

Die Zusammenfassung: Recker wird von seinem Teamkameraden Irish aufgeweckt, der hektisch in Richtung von Seargant Dunn zeigt. Dieser liegt unter einem gewaltigen Stück des brennenden Fabrikgebäudes begraben. Irish organisiert ein Auto, während Recker und Pac die Überreste von Dunns Bein befreien und ihn zum Fahrzeug zerren. Es beginnt eine Verfolgungsjagd in Hochgeschwindigkeit, als das Team den feindlichen Kampfhubschrauber abzuschütteln versucht, dabei aber tragischerweise ein Gefälle hinunterstürzt und im Meer landet. Das Publikum konnte mittlerweile nur noch staunen.

Im Krieg ist alles erlaubt

Und schon befinden wir uns bei der Eingangsszene. Man hört ein paar körperlose Stimmen, die sagen, dass Dunn umsonst gestorben sei. Angeblich war seinen Vorgesetzten die Information, die das Team ihnen bringen sollte, bereits geläufig. Dadurch wurde eine kalte, bedrückende Atmosphäre erzeugt, bevor die Lichter im Saal angingen. DICE lieferte noch ein paar knappe Zusatzinformationen und ließ sich ein bisschen über die Neuheiten und Präzision der Frostbite-3-Engine aus. Außerdem wurde preisgegeben, dass es im Mehrspielermodus mehr Boote und Seefahrzeuge geben wird, sodass die Spieler ihre Onlinekriege durch ein bisschen Wasserspaß aufpeppen können.

Die Präsentation von “Battlefield 4” hat beim Publikum den allgemeinen Eindruck hinterlassen, dass das Spiel hauptsächlich ein menschliches Herz im Frostbite-Technikwunder platzieren soll. DICE hat anscheinend gelernt, dass sämtliche Werkzeuge und die beste Technologie der Welt nicht dazu ausreichen, ein Erfolgsspiel zu entwickeln. Im „Battlefield“-Onlinemodus ging es schon immer um Auswahlmöglichkeiten, Wettkämpfe und Kameradschaft. Die Singleplayerkampagne soll diesem Beispiel nun folgen.

DICE will diesen Krieg unbedingt gewinnen, aber dieses Mal unter seinen eigenen Bedingungen.

Quelle: cvg