Features28. Januar 2013 , 10:01 Uhr
Braucht “Tomb Raider” einen Multiplayermodus?
Aus der Perspektive des Verlegers mag der Mehrspielermodus ein gutes Mittel sein, damit die Spieler länger am Ball bleiben. Aber was taugt er aus Gamersicht?
Was auch immer die Motive hinter der Entwicklung einer Multiplayerkomponente sein mögen, es ist schon mal vielversprechend, dass es sich nicht einfach um eine oberflächliche Deathmatch-Ergänzung im neuen „Tomb Raider“-Spiel handelt.
Der Mehrspielermodus wird von Eidos Montreal entwickelt, während sich Crystal Dynamics auf die Handlung von „Tomb Raider“ konzentriert. Daniel Bisson von Eidos Montreal sagte: “Er muss sich wie ein Teil desselben Spielerlebnisses anfühlen, deshalb haben wir die Werkzeuge und Mechanismen aus dem Singleplayermodus übernommen.“
Überlebende vs. Plünderer
Es gibt zwei Seiten: die Überlebenden und die Plünderer. Zur ersten Gruppe zählen auch Lara Croft (die man aber erst ab Level 60 freischalten kann) und ihre Mannschaft. Letztere ist eine Bande brutaler Piraten, die im Einzelspielermodus die Rolle der Bösewichte übernehmen. Jede Partei verfügt über verschiedene Stärken und Schwächen, die den Multiplayer asymmetrisch gestalten (was zurzeit in Mode zu sein scheint). Plünderer können Überlebende beispielsweise nicht sofort töten. Sie müssen erst deren Gesundheit abbauen und sie dann mit einer Axt abfertigen. Bisson erklärte: „Lara und die Überlebenden kennen die Umgebung nicht. Deshalb hat jedes Team unterschiedliche Talente.“
Der von uns getestete Modus war eine Variante des Spiels “Capture the Flag”. Die Überlebenden müssen fünf Medikamentenpakete (Medpacks) an einem bestimmten Punkt abliefern und die Plünderer müssen sie davon abhalten, indem sie 20 Kills schaffen. Es ist von Anfang an klar, wie wichtig dabei Teamwork ist. Die Karte ist klein, aber sobald man als Überlebender ein Medpack aufgesammelt hat, wird das gegnerische Team auf dessen Position aufmerksam gemacht. Man benötigt also die Hilfe der Kumpels, um die Bösewichte abzuwehren. Die Entwickler hierzu: “Man kann als einsamer Wolf spielen, aber der richtige Spaß beginnt, sobald man eng mit seinem Team zusammenarbeitet.“
Als Plünderer ist das Ganze viel einfacher. Die von uns gespielte Karte war stark vertikal ausgelegt, wofür die klassischen „Tomb Raider“-Klettermechanismen sehr hilfreich sind. Unsere bevorzugte Taktik bestand daraus, auf einer Erhöhung zu kauern und Pfeile auf die Überlebenden zu feuern, während diese versuchen, das Paket abzuliefern. Die Asymmetrie gibt dem Spiel, im Vergleich zu den meisten Run-and-Gun-Onlineshootern, einen interessanten Rhythmus. Bisson erklärte: „Man kann es spielen, wie man will. Wer Kämpfe vermeiden und stattdessen Fallen auslösen möchte, kann das gerne tun. Man kann den Gegnern auch auflauern und die Karte gegen sie verwenden. Es gibt viele Möglichkeiten, das Team entweder alleine oder in einer Gruppe zu unterstützen. Die Vielfalt des Einzelspielermodus wird hier reflektiert.”
Fallensteller
Beide Parteien können Fallen stellen, welche man über die Level verstreut findet. Fallen sind eine unterhaltsame Art und Weise, mit Verfolgern umzugehen. Mit einer Seilschlinge kann man in einem engen Tunnel perfekt auf ahnungslose Gegner warten. Das Seil wird sich um ihre Fußknöchel ziehen und sie hilflos in die Luft schleudern. Es gibt auch Fallen in der Umgebung, die man auslösen kann, indem man drauf schießt. Hierzu gehört zum Beispiel ein einstürzendes Dach über dem Kopf eines Feindes. Dadurch fühlen sich die Karten dynamischer an als die üblichen, statischen Gebiete aus Onlinegames. Der Entwickler erklärte, dass ihm das Verhältnis zwischen Risiko und Belohnung besonders wichtig ist: „Für jedes Risiko, das man auf sich nimmt, sollte man belohnt werden.“
Verleger legen auch immer großen Wert auf Zugänglichkeit. Der „Tomb Raider“-Multiplayermodus wurde für neue Spieler so einladend wie möglich gestaltet. Er ist sogar so gastfreundlich, dass man nahezu für schlechtes Spielen belohnt wird. Es gibt tatsächlich Boni für negative Dinge wie zum Beispiel häufiges Sterben. In einem „Call of Duty“-ähnlichen Erfahrungspunktesystem macht man so konstanten Fortschritt. Was hat Bisson dazu zu sagen? „Es ist wie in Mario Kart. Sogar wenn man ziemlich gut ist, kann man von einem weniger talentierter Spieler mit einem blauen Schildkrötenpanzer ausgeschaltet werden. So verkleinern wir die Lücke zwischen Veteranen und Neulingen.“
Das Problem mit Onlinemodi bei Games, die nicht wirklich einen solchen benötigen, ist, dass die Leute nach kurzer Zeit mit dem Spielen aufhören. In den ersten zwei Wochen sind die Server gerammelt voll, bis es plötzlich einen deutlichen Einbruch gibt. Eidos Montreal ist sich dieses Problems angeblich bewusst und hat die Mehrspielerkomponente nach eigenen Angaben langfristig gestaltet. Es gibt ein dauerhaftes Upgradingsystem, Erweiterungen über DLC sowie ein robustes Matchmakingsystem. Bisson sagte: „Wir wollen beim Matchmaking sehr stark sein. Außerdem haben wir Modi, in denen der Anbieter verschiedene Variablen, zum Beispiel die benötigte Anzahl der Kills oder Medpacks zum Gewinnen einer Runde, anpassen kann.“
Fazit
Vielleicht braucht “Tomb Raider” keinen Multiplayermodus, aber es gibt ihn, und zum Glück klingt er bisher nicht nach einem Desaster. Das Schießen fühlt sich noch ein wenig zu locker an, aber das hektische Tempo sowie die Mischung aus Fähigkeiten und Aufgaben sind unterhaltsam. Eidos Montreal ist ein Studio talentierter Entwickler, und Bisson ist überzeugt, dass man dem Mehrspielermodus Beachtung schenken sollte. Wir müssen noch ein bisschen länger spielen, um zu entscheiden, ob wir seine Meinung teilen.

Quelle: pcgamer