Features18. Januar 2013 , 11:01 Uhr

“Disney Infinity” – Ein erstaunlich komplexes Spiel

“Disney Infinity” wurde gerade erst als Disneys neuestes Projekt angekündigt und obwohl noch wenig darüber bekannt ist, könnte es “Skylanders” vom Thron stoßen.

Die Pressekonferenz zu “Disney Infinity” war etwas verwirrend und führte dazu, dass viele widersprüchliche Infos über das neue Projekt in Umlauf geraten sind. Wir haben sämtliche Informationen durchforstet und zusammengestellt, was genau “Disney Infinity” ist.

Hintergrund

Im Juni 2010 hat Disney Interactive “Toy Story 3: Das Videospiel” (entwickelt von Avalanche Software) herausgegeben. „Toy Story 3: Das Videospiel” ist eines der wenigen Games zu einem Film, das tatsächlich unterhaltsam ist. Grund dafür war hauptsächlich der einzigartige Toy-Box-Modus.

Damals wurde das “Toy Story 3”-Spiel von vielen als “Disney trifft GTA” beschrieben, denn im Toy-Box-Modus kann man als die Charaktere Woddy, Buzz oder Jessie in verschiedenen Sandbox-Welten umherlaufen, die auf “Toy Story”-Orten basieren. Dort kann man Missionen von anderen Charakteren annehmen und Spielzeug, Anpassungsoptionen oder sonstigen Schickschnack freischalten. Das Hauptabenteuer kann in etwa fünf Stunden durchgespielt werden, aber der Toy-Box-Modus liefert locker 20 bis 30 Stunden Gameplay. Das Konzept ist hervorragend.

Dank des Erfolgs von “Toy Story 3: Das Videospiel” hat man Avalanche darum gebeten, an einem zweiten Game zu arbeiten, das sich um Buzz Lightyear drehen soll. Als die Entwicklung voranschritt, hat sich der Toy-Box-Modus immer weiterentwickelt, bis im Endeffekt „Disney Infinity“ daraus entstanden ist.

Grundkonzept

“Disney Infinity” ist eine viel größere und vielfältigere Version des “Toy Story 3”-Toy-Box-Modus. Es beinhaltet zahlreiche Disney-Lizenzen und bietet Potenzial für zukünftige Erweiterungen.

Nach der Idee von Sonys “Skylanders”-Spiel kommt “Disney Infinity” mit entsprechendem Zubehör. In die Basisstation (welche Daten von externen Speichern lesen kann) kann man verschiedene Disney-Spielfiguren einsetzen, die das Game mit den entsprechenden virtuellen Charakteren, Schauplätzen und Gegenständen füllen.

Das Game ist in zwei Hauptbereiche aufgeteilt: Play Sets und Toy Box. Play Sets entsprechen im Prinzip dem Handlungsmodus oder dem Hauptabenteuer, während der Toy-Box-Modus eine Art Open-World-Umgebung bietet, wo sämtliche Charaktere, Gegenstände und Gebäude nach Lust und Laune des Spielers interagieren können.

Play Sets

Play Sets sind virtuelle Umgebungen, die auf einer bestimmten Disney-Lizenz basieren. Es werden verschiedene Umgebungen freigeschaltet, wenn man die entsprechende Disney-Spielfigur auf der „Infinity“-Basisstation platziert. Setzt man zum Beispiel eine Figur aus “Die Monster Uni” ein, wird das Spiel den “Monster Uni”-Schauplatz und den entsprechenden Handlungsmodus freischalten.

Jedes Play Set ist strengstens auf die zum Franchise gehörenden Charaktere und Gegenstände beschränkt. Beginnt man das Abenteuer also im “Fluch der Karibik”-Play-Set, kann man es nur mit Charakteren wie Jack Sparrow oder Captain Barbossa durchspielen. Man kann aber nicht Mr. Incredible zu Hilfe rufen.

Es ist noch unklar, ob mehrer Spielzeuge derselben Lizenz (zum Beispiel Lightning McQueen und Mater aus “Cars”) die gleiche Mission durchspielen müssen oder ob sie jeweils ein eigenes Abenteuer freischalten können.

Toy Box

Hier findet die namensgebende “Unbegrenztheit” (“Infinity) statt, die den wahren Spaß des Games ausmacht. Auf der Pressekonferenz hat John Lasseter von Disney den Toy-Box-Modus mit seiner Kindheit verglichen, in der er wie die meisten Kinder seine Lieblingsspielzeuge nach Lust und Laune kombiniert hat. Er sagte: „Ich habe nicht nur mit meiner G.I.-Joe-Figur gespielt, sondern ein bisschen Lego, ein bisschen Hot Wheels und andere Dinge ins Spielen gebracht.”

Durch Beendigung der einzelnen Play-Set-Missionen schaltet man Charaktere, Gegenstände und Anpassungsoptionen frei. Das “Monster Uni”-Play-Set liefert einem zum Beispiel ein Fahrrad und eine Toilettenpapierpistole, die man aus dem Film kennt.

Das Interessanteste daran ist aber, dass diese Dinge nicht nur für das jeweilige Play Set freigeschaltet werden, sondern auch im Toy-Box-Modus benutzt werden können. Im Gegensatz zum lizenzspezifischen Handlungsmodus eines Play Sets, kann man in der offenen Spielwelt der Toy Box alles nach Herzenslust kombinieren. Woody kann mit Jack Skellington Spaß haben, Sully kann gegen Ralph antreten, bis es diesem reicht und Lightning McQueen kann Phineas Flynn überfahren.

Lasseter erklärte auf der Pressekonferenz anhand des “Toy Story”-Beispiels”: “In Andys Kinderzimmer steht eine Spielzeugkiste, die voller verschiedener Spielsachen ist. Sie kommen alle zusammen und er spielt mit allen auf sehr kreative Art und Weise.”

Neben dem freien Herumstöbern in der offenen Welt und der Auswahl hunderter potenzieller Spielzeuge, hat der Toy-Box-Modus auch “Abenteuer” zu bieten. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Missionen, die einem zunächst die verschiedenen Mechaniken (Kampf, Konstruktion, Rennen und so weiter) beibringen. Falls sich die „Disney Infinity“-Toy-Box an derjenigen aus „Toy Story 3: Das Videospiel“ orientiert, wird es dabei sehr viel Auswahl geben.

Power Discs

Ein Unterschied von “Disney Infinity” zu “Skylanders” ist die Art und Weise, wie man seinen Charakter aufrüsten kann. Dies passiert in der Form von Power Discs, die einen eingebauten Chip besitzen. Man kann die Discs unter dem Charakter stapeln, um ihm spezielle Kräfte und Fähigkeiten zu verleihen.

Man könnte zum Beispiel eine Power Disc unter der Jack-Sparrow-Figur anbringen und ihm somit Buzz Lightyears Flugfähigkeit verpassen.

Die meisten dieser Discs werden rund sein, aber es wird auch ein paar besondere, sechseckige Discs geben, die in die dritte Öffnung auf der “Infinity”-Basisstation passen. Hierdurch werden zusätzliche Charaktere im Toy-Box-Modus kreiert, mit denen man dann interagieren kann. Eine Disc lässt beispielsweise Dumbo erscheinen, auf dem man reiten kann, während eine andere Abu aus „Aladdin“ in die Spielwelt bringt.

Durch die Power Discs kann Disney fortwährend Charaktere und Gegenstände anderer Lizenzen hinzufügen, ohne dass eine komplette Welt dafür kreiert werden muss. Disney hat schon massenweise Namen genannt, auf die wir uns in Form von Power Discs freuen dürfen. Hierzu zählen unter anderem Micky Maus, Merida, Bolt, Frankenweenie, Rapunzel, Nemo, Cinderella, Peter Pan, Tron und Kermit der Frosch.

Anpassungsoptionen

Ein weiteres Verkaufsargument von “Disney Infinity” sind die vielen Anpassungsoptionen, die mit den Play Sets versprochen werden. Im Play Set zu „Die Unglaublichen“ kann man beispielsweise das Hauptquartier individuell gestalten. Im Toy-Box-Modus soll das Ganze noch einen Schritt weitergehen, indem man aus einzelnen Baublöcken gesamte Umgebungen generieren, positionieren und ausmalen kann. Disney hofft damit eindeutig, nicht nur die Aufmerksamkeit von „Skylanders“-Fans, sondern auch von „Minecraft“-Anhängern zu gewinnen. Die Fähigkeit, eigene Welten konstruieren und mit Freunden teilen zu können, birgt einiges Potenzial.

Launchdetails

“Disney Infinity” soll im Juni 2013 für Xbox 360, PS3, Wii U, 3DS und Wii auf den Markt kommen. Im Laufe des zweiten Halbjahres soll es auch auf mobilen Plattformen und Onlinegeräten verfügbar sein.

Das Starter-Set wird die drei Spielfiguren Mr. Incredible, Sully und Jack Sparrow, deren entsprechende Play Sets (“Die Unglaublichen”, “Die Monster Uni”, “Fluch der Karibik”) sowie eine Power Disc beinhalten.

Insgesamt wird es 17 Charaktere geben. Es ist wahrscheinlich, dass nicht alle sofort zum Launchzeitpunkt verfügbar sein werden, sondern in den Folgemonaten nach und nach erscheinen werden.

Eines ist jedenfalls sicher: Für Eltern wird “Disney Infinity” ein teurer Spaß werden. Das Starter-Set kostet (laut Amazon) 69,99 Euro für Wii U, PS3 und Xbox 360 sowie 59,99 Euro für 3DS und Wii. Eine einzelne Zusatzfigur kostet 11,99 Euro. Für die Play Sets wurden auf Amazon noch keine Preise veröffentlicht, aber in den USA kostet eines davon 34,99 US-Dollar (etwa 26 Euro). Die Power Discs werden dort für 4,99 US-Dollar (etwa 3,75 Euro) pro Stück angeboten.

Unser erster Gesamteindruck

Wir stehen “Disney Infinity” mit gemischten Gefühlen gegenüber. Der zynische Teil in uns sieht „Disney Infinity“ als Versuch, „Skylanders“ zu untergraben und über die Einzelteile, die zum Verkauf stehen, eine Menge Kohle zu scheffeln.

Da Disney-Ware jedoch einen hohen Sammlerwert hat und Eltern sowieso Disney-Spielzeuge für ihre Kinder kaufen, verkaufen sich die Sammelfiguren wahrscheinlich auch unabhängig vom Gesamtkonzept gut.

Da die “Infinity”-Inhalte auf Discs geliefert werden und es bereits Gerüchte über ein “Disney Infinity 2” gibt, ist es unwahrscheinlich, dass wir weitere Erweiterungen über DLCs erwarten können. Das macht es ebenfalls unwahrscheinlich, dass “Star Wars”, verschiedene Marvel- und zusätzliche Disney-Franchises für „Disney Infinity“ erscheinen werden (zumindest nicht im ersten Teil).

Activisions “Skylanders” hat sich wahnsinnig gut verkauft, obwohl es einige Charaktere gab, die komplett unbekannt waren. Wenn man bedenkt, dass Disney das gleiche Konzept bietet, dies aber mit einigen der bekanntesten Charaktere der Welt verbindet und in ein Spiel packt, das nach viel Spaß aussieht, ist das Potenzial für einen kommerziellen Erfolg von „Disney Infinity“ gigantisch. Ob es jedoch die investierte Zeit und das Geld Wert ist, ist eine ganz andere Frage, die wir näher am Erscheinungstermin untersuchen können.

Quelle: cvg