Features24. Januar 2013 , 01:01 Uhr
“Grand Theft Auto V“ – Eine neue Spielegeneration?
In den vergangenen Monaten haben Gamer auf der ganzen Welt das Internet nach Informationen durchforstet, um herauszufinden, wie das sehnsüchtig erwartete Endprodukt “Grand Theft Auto 5” aussehen wird. Kann ein einziger Titel die Last dieser Erwartungen tragen?
Es kann die gewaltigen Erwartungen nur dann erfüllen, wenn es hinsichtlich des Designs neue Wege geht. Genau das wird das neue „GTA“ wahrscheinlich tun. Das Game könnte eine Andeutung auf die kommende Ära interaktiver Unterhaltung sein. Es besteht die Möglichkeit, dass „GTA V” das erste, wahre Spiel der nächsten Generation wird.
Riesige Spielwelt
Man hat schon viel über das enorme Ausmaß der Spielwelt gehört: „GTA 5“ soll groß genug sein, um „GTA: San Andreas”, „GTA IV“ und „Red Dead Redemption“ verschlucken zu können. Aber der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht in der Größe, sondern in Vielfalt und Detailreichtum. Die fiktive Stadt Los Santos erstreckt sich über viele, abwechslungsreiche Stadtteile: das luxuriöse Rockford Hills läuft in der dicht besiedelten Innenstadt aus und führt weiter zum sonnengetränkten Santa-Maria-Strand mit muskulösen Männern, hübschen Mädchen und allerlei verrückten Typen.
Man verlässt die Stadt und die Karte erstreckt sich über die ländliche Gegend Südkaliforniens: Berge, Wüste und die seltsame Stadt Salton City, die in den 70er Jahren von den meisten Einwohnern verlassen wurde. Sie ist das perfekte Zuhause für den gestörtesten Charakter des Spieles, Trevor.
Von Beginn an kann man jedes einzelne Gebiet erforschen. Der Entwickler Rockstar North hat seine Lektion von “Red Dead Redemption” gelernt. Eine Spielwelt funktioniert nur, wenn sie sich lebendig anfühlt. Tatsächlich hat der Produzent Leslie Benzies erst vor Kurzem gesagt: “Wir hatten viele Leute von Rockstar North, die an Red Dead Redemption und LA Noire mitgearbeitet haben. Dadurch konnten wir die von anderen Projekten gewonnene Erfahrung sowie Problemlösungsfähigkeiten nutzen und für die neue Spielengine, welche wir für GTA V entwickelt haben, verwenden.”
Es scheint, als wären sowohl das Ökosystem als auch die dynamischen Missionen von diesen Games übernommen und weiterentwickelt worden. „Grand Theft Auto“-Fans können sich auf Zusammentreffen mit am Straßenrand steckengebliebenen Fahrern, Anhaltern und Hinterwäldlern freuen, die spontane, neue Nebenmissionen mit sich bringen.
Open-World-Spiele haben sich schon immer in diese Richtung bewegt, aber in der nächsten Generation wird es ein Schlüsselelement sein, die große Welt mit lustigen und interessanten Dingen zu bestücken. Die Gamer verlangen große Spielwelten und die Entwickler werden damit anfangen müssen, sich auf die verfahrensorientierte Produktion von Landschaften zu verlassen, wobei die Karten im Endeffekt auf Parametern und Algorithmen basierend von Computerprogrammen gestaltet werden.
Diese riesigen Schauplätze müssen dann mit schlauer KI gefüllt werden, die in der Lage sein muss, auf das Verhalten des Spielers zu reagieren und sofort mit passenden Missionen aufzuwarten, ohne dass das Entwicklerteam ein Drehbuch dafür schreibt.
Drei, zwei, eins
Es sieht so aus, als würde uns “GTA V” zeigen, wie Gaminggeschichten in der Zukunft erzählt werden. Es wird keinen einzelnen Handlungsstrang geben, der einen von Anfang bis Ende durch das Spiel führt. In „GTA 5“ gibt es, wie gesagt, drei Protagonisten. Diese bestehen aus Michael, einem Bankräuber in Rente, Trevor, dem drogenabhängigen Irren und dem Betrüger Franklin. Deren Geschichten werden im Spielverlauf miteinander verflochten.
Benzies sagte gegenüber der Webseite “IGN”: “Wir haben drei Protagonisten, die während des gesamten Games miteinander interagieren. Wir haben schon in GTA IV mit Nico, Johnny und Luis eine ähnliche Struktur geschaffen, aber in GTA V ist diese wesentlich für das Gameplay und die Handlung.”
Noch interessanter ist, dass man zwischen den drei Hauptpersonen umschalten kann. Man zoomt vom Schauplatz der aktuellen Figur im Stil von Google Maps heraus und in den nächsten Schauplatz hinein. Die jeweilige Handlung wird von dem Punkt fortgesetzt, an dem sich der Charakter gerade befindet. So kann jeder Spieler seine eigene Geschichte schreiben und sich wie ein Filmproduzent fühlen. Benzies erklärte, dass die Art und Weise, wie Spieler diese “taktischen und organischen Entscheidungen” treffen, dem Spiel Form geben werden.
Das trifft auch auf die Missionen zu. Jeder Charakter hat seine eigenen Freunde und Talente. Bei größeren Missionen nehmen gewöhnlich mindestens zwei Protagonisten verschiedene Rollen ein. Bei einem Raubüberfall auf das Regierungsgebäude ist Michael für die Action verantwortlich, Trevor fliegt den Helikopter und Franklin gibt Deckung mit seinem Scharfschützengewehr.
Sowohl die Waffen als auch die Fahrzeuge werden von Beginn an in der Spielwelt verfügbar sein, aber man benötigt Bares und die richtigen Verbindungen, um an diese heranzukommen. In „GTA V“ geht es ums Geld. Alles ist käuflich.
Es ist interessant, wie unterschiedlich die Nebencharaktere im Vergleich zu den Protagonisten auf die Umgebung reagieren. Was passiert zum Beispiel, wenn Trevor und Franklin in Michaels Schickimickibezirk stolpern? Dan Houser von Rockstar Games sagte, dass sich die Handlung immer wieder darauf bezieht, wie die Charaktere aus ihrer normalen Umgebung gerissen werden. Außerdem ist die Beziehung zwischen den drei Protagonisten bedeutend für die Handlung.
Freiheit
Jegliches Gefühl für Linearität wird in “GTA 5” zerworfen. Die Handlung baut sich nicht zu einem einzelnen Höhepunkt auf, sondern ist auf eine Reihe großer Raubzüge fokussiert. Nebenmissionen führen einen zu diesen Höhepunkten hin. Während man das Gefühl hatte, dass „Vice City“ so gewalttätig wie möglich erscheinen wollte, liefert „GTA V“ ein tieferes, nuancierteres Spielerlebnis. Natürlich gibt es auch viel Geballer, damit die Fans nicht enttäuscht sind.
Während sich Nikos Geschichte ums Töten gedreht hat, geht es in “Grand Theft Auto 5” um Geld, Gier und Adrenalin. Das verändert die Atmosphäre und das Design der Missionen. Gegenüber „IGN“ sagte Dan Houser, dass die Protagonisten hauptsächlich an Geld und Überfällen interessiert sind: „Sie können die Raubzüge auf viele verschiedene Arten ausführen und haben Auswahlmöglichkeiten hinsichtlich der Dinge, die sie tun wollen.“ Dies ist ein weiterer Hinweis auf das Gamedesign, das im Verlauf des Spiels reift und uns komplett von einem vorgeschriebenen Ablauf wegführt. Wir können weniger „Uncharted“ und mehr „Dishonored“ oder „Far Cry 3“ erwarten.
Vertikale Bewegungen scheinen in diesem Spiel von großer Bedeutung zu sein. Man konnte in „GTA“ schon immer Hausdächer oder Hänge erklimmen, aber „GTA 5“ hat viel mehr raffinierte Schichten als seine Vorgänger.
Die der Presse vorgeführten Missionen zeigen, wie Michael von einem Helikopter heruntergelassen wird und sich an der Seite eines Wolkenkratzers abseilt, um einen Überfall auf das Regierungsbüro vorzunehmen. Außerdem gibt es viele Berge, kilometerlangen Himmel, den man durchfliegen kann und einen erforschbaren Ozean. Dürfen wir uns auf eine Unterwassermission freuen? Es ist unwahrscheinlich, dass Rockstar den Meeresboden komplett gestaltet, nur damit die Spieler Tiefseetaucher spielen können.
Raum und Zeit
Es war aber schon immer ein wichtiges Element von “Grand Theft Auto”-Games, dass die Spieler machen können, was auch immer sie wollen und das ist den Entwicklern bei Rockstar bewusst. Man kann in „GTA V“ Tennis und Golf spielen, Quad fahren und einen Triathlon absolvieren. Houser hierzu: „Spiele sind sehr geografisch. Sie präsentieren Raum fast besser als Zeit und das wollen wir ausnutzen, um die Vielfalt der Landschaft darzustellen. Wir haben diese Idee eines digitalen Urlaubs. Man soll Orte erforschen können, die nicht wirklich existieren. Das ist das Faszinierende an Open-World-Games. Es geht nicht nur darum, die vorhandenen Aktivitäten auszuführen, es geht darum, einfach dort zu sein.“
Hinter dieser Aussage über Freiheit könnte ein subtiler Hinweis bezüglich der Onlinemodi von “GTA 5” stecken. Mit “Red Dead Redemption” führte Rockstar das Konzept des “Free Roam Multiplayer”-Modus ein, in welchem Spieler sich zu Banden zusammenschließen und die gesamte Spielwelt erforschen konnten. „GTA V“ wird darauf sicherlich aufbauen. Wir sind uns fast sicher, dass es Koop-Raubzüge geben wird, die vielleicht gegen andere Spieler in der Rolle von Wachleuten ausgeführt werden könnten.
Außerdem ist es wahrscheinlich, dass wir Elemente aus EAs sozialem Auto- und Battlelogsystem sehen werden, durch welches Spieler ihre Welten miteinander verknüpfen können.
Wir erwarten von einem “GTA V”-Onlinemodus, dass kleine Teams an Spielern an langfristigen Quests und handlungsgeprägten Abenteuern teilnehmen können. Houser deutete an: „Wenn wir dieses Spiel richtig hinkriegen, wird es ein Schritt in Richtung einer organischen Seifenoper sein.“
In der nächsten Spielegeneration wird es weniger um Form und Struktur, sondern mehr um Freiheit und Personalisierung gehen. „GTA 5“ ist zwar noch ein Spiel dieser Generation, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass für die Konsolen der nächsten Generation eine aktualisierte Ausgabe herausgegeben wird.
Und selbst wenn es ein Spiel dieser Generation bleibt, mit seinem Schwerpunkt auf mehreren Charakteren, einer kaum linearen Handlung und der offenen Spielwelt, deutet es definitiv darauf hin, wie wir uns Games der Zukunft vorstellen können. In den Spielen der Zukunft geht es einzig und allein um den Spieler selbst.
Quelle: cvg