Features26. März 2013 , 03:03 Uhr
“Hearthstone: Heroes of Warcraft” ist kein gewöhnliches Sammelkartenspiel
“Was? Das neue Blizzard-Spiel ist ein Kartenspiel?” Wie die meisten Gamer hat mich Blizzard mit dieser Enthüllung ziemlich überrascht.
Da hätte ich noch eher ein Spiel mit dem Titel „Blizzard All-Stars“ oder den Einstieg in die Gattungen ARTS (Action Real-Time Strategy) oder MOBA (Multiplayer Online Battle Arena) erwartet. Ich war wirklich auf alles gefasst – außer auf die Orks und Gnome, die das „Hearthstone: Heroes of Warcraft“-Logo schmücken.
Als leidenschaftlicher „Magic: The Gathering“-Spieler würde ich mich in Bezug auf Kartenspiele doch zur Elite zählen. Besonders mit solchen, die eine mundgerechte Alternative zu den alten Klassikern sein sollen, kenne ich mich aus. Ich war skeptisch, aber als ich Blizzards Sammelkartenspiel schließlich ausprobiert habe, hat es sich als unterhaltsame (wenn nicht sogar Welt verändernde) Überraschung entpuppt.
So funktioniert es:
Zunächst wählt man einen aus mehreren Kartenstapeln (den Decks) aus. Jedes Deck basiert auf einer der im „WarCraft“-Franchise verfügbaren Klassen. Ich habe mich für die Hexenmeisterklasse entschieden. Dann werden einem eine Reihe zufälliger Karten ausgehändigt, die man behalten oder gegen neue Karten eintauschen kann. Sobald beide Spieler ihre Entscheidungen getroffen haben, geht das Match richtig los.
Im Gegensatz zu den meisten traditionellen Kartenspielen liegt das Hauptaugenmerk bei „Hearthstone“ nicht auf der Ressourcenverwaltung. In jeder Runde wird der Manavorrat (Mana bezeichnet im Fantasygenre eine Art spirituelle Energie) komplett wieder aufgefüllt und um eins erhöht. Das bedeutet, dass man nach etwa acht Runden genügend Mana besitzt, um alle Karten von der Hand spielen zu können.
Jedes Deck oder jede „Heldenklasse“ besitzt auch eine einzigartige Fähigkeit. Meine Hexenmeisterklasse verfügt zum Beispiel über eine Art Lebensquelle: man kann zwei Gesundheitseinheiten für eine zusätzliche Karte austauschen. Im Gegensatz zu den Standardspielen dient der Held in „Hearthstone“ zu mehr als nur einem „Behälter“ für Lebenspunkte. Wenn man eine passende „Waffenkarte“ erhält, kann man die gegnerische Fraktion selbst angreifen. Das ist aber kein risikoloses Manöver. Wenn man eine Kreatur übernimmt, die neun Schadenseinheiten ausrichten kann, bekommt man diesen Schaden auch zugefügt (außer man hat eine Rüstung, die ziemlich selten vorkommt).
Angriff ist die beste Verteidigung
Wo wir schon beim Thema sind: „Hearthstone“ erfordert Offensive, man kann sich nämlich nicht verteidigen. Das ist Blizzards Versuch zur Beschleunigung eines üblicherweise sehr schwerfälligen und zeitintensiven Genres. Kombiniert mit dem leichten Zugang zu Mana ist diese Unfähigkeit zur Verteidigung einer der Gründe, die „Hearthstone“ so wahnsinnig brutal machen. Die Action hört nicht plötzlich auf, nur weil ein Spieler zwanzig „Schutzkarten“ oder ähnliches besitzt. „Hearthstone“ ist wie eine Lawine, und früher oder später wird jemand platt gemacht.
Die Karten des Games gibt es in den üblichen Geschmacksrichtungen: Kreaturen, Verzauberungen, Banne und Gegenstände. Jede Karte besitzt aber in der Regel nur eine relativ unkomplizierte Fähigkeit. Interessanterweise lässt einen „Hearthstone“ aber auch bestehende Karten auflösen, um größere und bessere zu erzeugen. Leider wurde dieser Aspekt im Demo auf der PAX East nicht gezeigt.
„Hearthstone“ oder nichts
„Hearthstone“ sieht nach fantastischer Unterhaltung aus. Die Art Unterhaltung, bei der man nur mal eben schnell noch eine Runde spielen möchte, obwohl es schon drei Uhr morgens ist. Ich habe am Blizzard-Stand vier Games gespielt, obwohl nur eins geplant war.
Dabei hilft es, dass „Hearthstone“ so ein Augenschmaus ist. Bunte „World of Warcraft“-typische Grafiken und aufwendige Effekte machen „Hearthstone“ zu einem sehr attraktiven Spiel, sodass es weniger einschüchternd als übliche Sammelkartenspiele wirkt. Mit der gelegentlichen witzigen Bemerkung, subtilen, aber effektiven Physiken sowie elegantem Einsatz von Werkzeugen könnte Blizzards erster Schritt in der Welt der Sammelkartenspiele genau die Einstiegsdroge sein, auf die Hardcorespieler schon lange gehofft haben. Wer sich von „Hearthstone“ nicht für das Genre begeistern lässt, wird niemals ein Sammelkartenspiel zur Hand nehmen.

Quelle: pcgamer