Features20. März 2013 , 12:03 Uhr
“Knack” – Das PS4-Debütspiel setzt auf Gehirn- statt Muskelkraft
Von allen Spielen, die Sony als ersten PlayStation-4-Titel aller Zeiten auswählen würde, hätten die wenigsten ein Game wie “Knack” erwartet.
Berücksichtigt man den technologischen Fortschritt einer neuen Konsolengeneration, hätte man erwartet, dass Sony die PS4 mit einem Spiel voll umwerfender Grafiken präsentiert, die auf keinem anderen System möglich wären. „Knack” ist hingegen ein Actionplattformspiel mit dem Schwerpunkt auf Rätsel. Dieses Konzept hätte man schon auf der ersten PlayStation umsetzen können.
Wenn man jedoch hinter die Fassade schaut, wird das volle Potenzial von “Knack” offenbart. Das Spiel wird von Sony Computer Entertainment (SCE) Japan entwickelt, welches wahrscheinlich das exzentrischste aller Sony-Entwicklerstudios ist. Es hat “LocoRoco”, “Patapon” und “Echochrome” entwickelt und bei “Ico”, “Gravity Rush” sowie “Tokyo Jungle” mitgearbeitet. Vor dem Hintergrund dieses unkonventionellen Portfolios kann man darauf schließen, dass „Knack“ kein gewöhnlicher Actionplattformer sein wird.
Das Spiel wird wahrscheinlich nicht nur durch Originalität, sondern auch durch seinen Feinschliff auffallen. Der Regisseur Mark Cerny hat einen eindrucksvollen Lebenslauf. Er hat Titel wie “Sonic The Hedgehog 2”, “Crash Bandicoot” und “Spyro” produziert und war der Designer von “Ratchet & Clank” sowie vom Mega-Drive-Kulthit “Kid Chameleon“.
Cenry war außerdem der leitende Programmierer von “Jak & Daxter” sowie Berater bei “Uncharted” und „Killzone“. Kurz gesagt: Sein Name mag nicht so bekannt sein wie Miyamoto oder Kojima, aber sein Einfluss auf die PlayStation-Marke ist unbestreitbar.
Kleiner Retter ganz groß
“Knack” erzählt die Geschichte einer kleinen Kreatur mit einzigartigen Fähigkeiten. Beim Beginn des Spiels wird die Menschheit von einer angreifenden Koboldarmee bedroht. Die größten Abenteurer und Militärspezialisten der Welt wurden herbeigerufen, um die menschliche Rasse zu beschützen. Ein geheimnisvoller Wissenschaftler, der nur „Der Doktor“ genannt wird, hat jedoch ein anderes Ass im Ärmel seines Laborkittels.
Der Doktor hat sich jahrelang mit der Studie historischer Relikte einer längst untergegangenen Zivilisation beschäftigt. Bei den Relikten handelt es sich nicht um die typischen, kleinen Holzfigürchen und Amulette. Sie besitzen tatsächlich besondere Kräfte, die erstaunliche Dinge vollbringen können. Nachdem der Doktor gelernt hat, wie man die Relikte benutzt, hat er ein paar davon zusammengebunden und sie dadurch in eine kleine Kreatur verwandelt. Dieses knapp einen Meter große Geschöpf aus altertümlichen Relikten ist der Titelheld Knack. Der Doktor glaubt daran, dass das kleine Wesen die Menschheit retten kann.
Wenn er zum ersten Mal im Spiel auftaucht, sieht Knack nicht sehr überzeugend aus. Er erscheint etwa so mächtig wie ein Schlager von Heino. Aber hier kommen seine versteckten Fähigkeiten ins Spiel.
Wenn Knack weitere Relikte findet, aus denen er erschaffen wurde, kann er diese mit seinem Körper verbinden und deren Kräfte aufnehmen. Mit der Zeit wird Knack von seiner ursprünglichen Zwergengröße zu einem gigantischen Biest heranwachsen, das einer Massenzerstörungswaffe gleicht.
Vieleckig und detailreich
Wie Cerny erklärte, ist das daraus resultierende Gameplay eine Mischung aus “Crash Bandicoot” und den “Katamari Damacy”-Spielen. Man durchläuft die Level, greift Feinde an und sammelt gleichzeitig weitere Relikte, um ständig weiterzuwachsen. Irgendwann erreicht Knack die Größe eines Wolkenkratzers und man kann epische und vielfältige Schlachten erwarten.
Die gesammelten Relikte machen Knack aber nicht einfach nur größer und stärker. Wie es bei Plattformspielen Tradition ist, erreicht er dadurch auch höhere Level und neue Fähigkeiten. Manche Relikte ermöglichen ihm die Benutzung von Eis bei seinen Attacken, andere verleihen seinem Körper einen metallischen Schimmer. Die verschiedenen Reliktarten werden mit dem Spielfortschritt eingeführt, sodass Knacks Fähigkeitenvielfalt im Verlauf des Abenteuers wächst.
Knack ist nicht einfach ein polygonales Charaktermodell. Er ist eine Ansammlung hunderter kleiner Objekte mit all ihren Eigenschaften. Die Relikte fungieren im Prinzip als einzelne Knochen, die man Knacks Skelett hinzufügt. Während er also immer mehr Relikte sammelt und sie an seinem Körper anbringt, wird es immer komplizierter, den Charakter auf der PS4 zu animieren.
Unser Held hat auch die Fähigkeit, sämtliche Relikte fallen zu lassen und zu seiner ursprünglichen Größe von einem knappen Meter zurückzukehren. Wenn er das tut, besitzt jedes einzelne Relikt physische Eigenschaften und fällt richtig realistisch zu Boden. Das Spiel mag zu Beginn ziemlich einfach erscheinen, benutzt aber auf subtile Art und Weise den fortgeschrittenen Speicher sowie die starke Leistung der PS4.
Darauf ist Cerny besonders stolz, denn bei seinem ersten Eintrag über “Knack” auf dem PlayStation-Blog schrieb er: “Mit unserem neuesten Projekt Knack wollen wir alle Vorteile der PlayStation 4 ausnutzen. Diese reichen von den grafischen Fähigkeiten der Plattform bis hin zur physischen Simulation, die wir zur Darstellung unseres einzigartigen Helden brauchen.”
Sony wird erwachsen
Auf den ersten Blick mag “Knack” nicht wie das großartigste Spiel aller Zeiten aussehen, und es ist vielleicht nicht einmal ein Spiel, das man für die Zurschaustellung einer neuen Konsole erwarten würde. Trotzdem erscheint der subtile Titel äußerst vielversprechend.
Zyniker behaupten bereits, dass “Knack” für die PlayStation 4 wie “Kameo” für die Xbox 360 ist: Ein Launchgame mit viel Potenzial, das im Endeffekt in den wichtigsten Bereichen scheitert. Während das Xbox-360-Spiel jedoch von einem Entwicklerteam gemacht wurde, das sich von Titel wie “GoldenEye” plötzlich auf etwas völlig anderes einlassen musste, ist “Knack” in den sicheren Händen von Mark Cerny, der für einige der besten Plattformactionspiele der letzten zwei Generationen verantwortlich ist.
Vorherige PlayStation-Systeme wurden über erstaunliche T-Rex-Videos, Entendemos oder das berüchtigte, gefälschte “Killzone”-Spielmaterial zur Schau gestellt. Die Enthüllung von „Knack“ war ein Zeichen dafür, dass Sony seit den katastrophalen Tagen der PS3 reifer geworden ist.
Zum ersten Mal präsentiert Sony seine Konsole mit etwas Authentischem, das Tiefe hat und von den Erwartungen der Spieler abweicht. Das ist sicherlich etwas, worauf man gespannt sein kann.
Quelle: cvg

