Features6. Juni 2012 , 03:06 Uhr
Meinung – Warum mich das Demo von Black Ops 2 kalt lies
Auf der E3 haben viele Journalisten die Möglichkeit, die kommenden Spiele zu testen. So auch Andy Kelly, der sich fragt, ob „Call of Duty“ noch zu retten ist.
Die Serie ist leider nur noch eine Parodie auf sich selbst. Die Art und Weise, wie das Auto des Helden verunglückt, das Schwarzwerden des Bildschirms, das vernebelte Aufwachen oder wie Gebäude ohne Grund einstürzen und das unausweichliche, endlose Geschreie, all das ist eine altbekannte Formel, an die sich nach wie vor gehalten wird.
Es kommt mir mittlerweile so vor, als würde immer wieder das gleiche Rezept verwendet und nur noch aufpoliert werden. Trotzdem werden damit Millionen Einheiten verkauft, egal was eigentlich angeboten wird. Die futuristische Umgebung zeigt zwar etwas Ehrgeiz, aber letztendlich handelt es sich dabei auch nur um Kinkerlitzchen. Denn das Schießen durch Wände, verzweigte Level und fliegende Drohnen wurde alles schon mal umgesetzt und dazu noch mit mehr Stil. Irgendwie fehlt es dem Spiel an einer eigenen Identität.
Zu Recht könnte man die Frage stellen, ob es das überhaupt braucht. Vielleicht nicht. “Call of Duty” ist das Äquivalent zu einem Sommerblockbuster, der die Massen für ein paar Stunden ablenkt. Aber wenn man bedenkt, was für ein Budget hinter der Serie steckt und wie viele talentierte Entwickler involviert sind, wünscht man sich doch manchmal, dass etwas Neues ausprobiert wird. Activision hat die Möglichkeit, ein wegweisendes FPS-Spiel zu entwickeln, aber wir warten immer noch.
Ich wäre nicht überrascht, wenn das Konzept der letzten paar Teile auf jeweils eine A4-Seite passen würde und nur ganz oben „DAS GLEICHE, NUR GRÖSSER“ fett gedruckt wäre. Mit jedem Sequel werden die Explosionen lauter, die Umgebungen größer und mit jedem Teil wird es immer unwichtiger, gegen wen man kämpft.
Als der Eiffelturm in “Modern Warfare 3” zusammenbrach, habe ich davon kaum Notiz genommen. Meine Empfindungen waren nach fünf Stunden konstanter Explosionen so betäubt, dass ich stattdessen einen Wasserkocher hätte beobachten können und wahrscheinlich eine stärkere Reaktion gehabt hätte. Man baut einfach keine Verbindung zum Spiel auf.
Es ist noch nicht mal so, dass das Spiel schlecht aussieht. Jedes „Call of Duty“-Spiel ist immer gut gemacht. Es ist zwar stumpfsinnig und wirkt zusammengeschustert (um den brutalen Abgabetermin zu erfüllen), aber letztendlich ist es auch immer spielbar.
Aber Gamer sind heutzutage sehr verwöhnt und fordernder und mehr vom Selben wird immer unakzeptabler, besonders wenn der Verleger fünfzig Euro verlangt, damit man die neueste Auflage spielen kann. Selbst Hardcore-Fans werden des fehlenden Einfallsreichtums müde und die andauernden Verkaufsrekorde werden nicht ewig anhalten. Activision wird früher oder später ans Reißbrett müssen, um etwas Originalität in das Franchise zurückzubringen.
Aber im Moment läuft es großartig. Also warum etwas ändern? Beschwerden und Kritik werden so lange ungehört bleiben, bis die Verkäufe sinken. Ich erinnere mich noch, wie aufregend es war, den originalen Modern-Warfare-Multiplayer zu spielen, bevor er von jedem Entwickler kopiert wurde. Dieses Gefühl möchte ich gerne wieder spüren, wenn ein neuer „CoD“-Titel angekündigt wird.
Mittlerweile ist fast vergessen, dass die Serienmacher, zumindest im Rahmen eines Militärshooters, Risiken eingingen. Soll sich „Call of Duty“ auch in Zukunft weiterentwickeln, dann muss der jährliche Zyklus gesprengt und die Explosionen wieder reduziert werden. Und wo bleiben die Überraschungen?