Features15. August 2012 , 03:08 Uhr
Überblick: Sonys Gamescom-Pressekonferenz
Sony spricht vor allem über neue Projekte für die PlayStation Vita, doch ob diese die Verkaufszahlen der tragbaren Konsole steigern können, bleibt ungewiss.
Ex-Sony-Chef Phil Harrison sagte während des Launch der PS3, dass neue Konsolen nicht durch Knüllerspiele verkauft werden, sondern durch eine umhauende Auswahl an Spielen. Seitdem sind sechs Jahre vergangen und die Spieleindustrie hat sich stark verändert, doch Harrisons Leitsatz scheint noch zu gelten.
Auf der gestrigen Gamescom-Pressekonferenz in Köln zeigte Sony wenig Vorbehalte dagegen, ein komplett neues Programm an Games für die sich mäßig verkaufende tragbare Konsole PS Vita zu entwickeln. Die Bandbreite der neuen, vorgeführten Spiele war definitiv beeindruckend.
Media Molecule enthüllte sein neuestes Projekt „Tearaway”, das genauso kreativ, charmant und wunderbar seltsam ist, wie man sich ein Game für die Vita von diesem Spieleentwickler vorstellt.
„Killzone: Mercenary” hingegen ist ein Werk voll pyrotechnischer Gewalt. Man fährt zum Beispiel mit dem Finger über den Bildschirm, um die Kehle der Feinde aufzuschlitzen, als seien sie die klaffenden Münder der Muppet-Handpuppen.
Die zwei Spiele teilen eine wesentliche und vielversprechende Gemeinsamkeit: beide wurden direkt von Sonys Entwicklerelite erdacht. Das PlayStation-Imperium verfügt über genügend Mitarbeiter, um alle Projekte abdecken zu können. Sony hatte jedoch in der Vergangenheit die Angewohnheit, wichtige PSP- und Move-Projekte an weniger begabte Entwicklerteams zu delegieren.
„Assassin’s Creed III: Liberation” befindet sich vermutlich in derselben Liga wie das PS-Vita-Spiel „Uncharted: Golden Abyss“. Die Marketingausgaben für „Liberation“ decken sich wahrscheinlich mit den gigantischen Entwicklungskosten. Somit hat dieser speziell für die Vita entwickelte Ableger von „Assassin’s Creed 3“ vielleicht sogar gute Chancen.
Die „Call of Duty: Black Ops“-Version für die Vita mit dem Titel „Declassified” machte jedoch keine gute Figur. Der erste Trailer, der weltweit zu dem Spiel veröffentlicht wurde, zeigt in jeder Sekunde einen anderen Kamerawinkel. Hierdurch entstand der Eindruck, dass die schlechte Qualität verzweifelt verdeckt werden soll. Man hatte das Gefühlt, Sony wollte das Spiel so zeitig wie möglich zeigen, um das Potenzial seiner neuen mobilen Konsole zur Schau zu stellen. Jetzt ist aber auch klar, warum das Unternehmen auf der E3 nur Logos zeigte.
Natürlich kann man Macht und Prestige der Marke „Call of Duty” nicht einfach ignorieren. Noch mag es das am wenigsten viel versprechende Spiel der vier neuen, großen Vita-Games sein, doch es hat sicherlich Potenzial, dennoch das meistverkaufte zu werden.
Während Sony auf der E3 mit solider Qualität überzeugte, schien sich der Hersteller auf der Gamescom-Pressekonferenz eher auf Quantität zu verlassen. Etliche PS3-Games werden demnächst im Rahmen einer neuen Initiative auf der PS Vita erhältlich sein. Die Idee ist simpel: Kaufe ein PS3-Game und erhalte entsprechend Zugang zur Vita-Version und umgekehrt.
Das Projekt umfasst Titel wie „PlayStation All-Stars Battle Royale”, „Ratchet & Clank: Q-Force“ und „Sly Cooper: Thieves in Time”. Ein ähnliches Konzept wurde für PlayStation Mobile angekündigt, mehrere Smartphone-Apps laufen schon nahtlos auf der Vita.
Weiterhin kündigte Sony auf der Pressekonferenz an:
1. Klassiker der ersten PlayStation sollen nach und nach für die tragbare Konsole veröffentlicht werden. Darunter befinden sich beispielsweise „Final Fantasy VII” und „Metal Gear Solid”.
2. Das Netzwerk PlayStation Plus wird ebenfalls auf der PS Vita verfügbar sein. Für alle, die es bereits auf ihrer PS3 haben, gibt es einen kostenlosen Premiumservice.
Trotz der Bekanntgabe vieler neuer Spiele und Dienstleistungen blieb eine definitive Antwort auf die Kernfrage aus: Kann Sony die Verkaufszahlen der PS Vita steigern?
Alle Antworten auf diese Frage kamen mit einer Einschränkung. Media Molecule hat zwar die Kapazitäten, um die Kritiker zu verblüffen, aber nicht das Potenzial, Unmengen an Konsolen zu verkaufen. „Killzone” und „Assassin’s Creed” wirken toll auf der Vita, sind aber auf der Konsole zu Hause immer noch eindrucksvoller. „Black Ops: Declassified” kann die Fähigkeiten der Vita, verglichen mit Treyarchs üblichen Qualitätsstandards, nicht zum Ausdruck bringen. Von der neuen Initiative, beim Erwerb eines PS3-Spieles den Zusatzzugang für die Vita zu erhalten, profitiert nur ein kleiner Kreis an Spielern, der beide Konsolen besitzt. Und wie leicht können die Entwickler diese Technologie für beide Systeme wirklich umsetzen?
Inmitten der verwirrenden Vielzahl von Sonys angekündigten Neuheiten für die Vita bekamen wir das Gefühl, dass es der tragbaren Konsole vielleicht doch an besagtem Knüllerspiel fehlt.
Der Trailer zur Pressekonferenz kann auf YouTube unter dem Titel „Gamescom 2012 Sony Press Conference: Round up“ aufgerufen werden.