Features18. Oktober 2012 , 01:10 Uhr
Die zehn meist unterschätzten Spiele dieser Generation
Seit Microsoft im Jahr 2005 die aktuelle Konsolengeneration eingeläutet hat, gab es buchstäblich Tausende von Spieleneuheiten – einige beliebter als andere. Alle Games, ob Blockbuster oder Nischenspiel, wurden der gleichen Tortur unterzogen: Sie wurden von Kritikern und Spielern bewertet. Dabei hatten es manche Spiele schwerer als andere. Aus irgendwelchen Gründen sind sie bei den Kritiken nicht gut weggekommen, obwohl sie zunächst vielversprechend aussahen. In diesem Feature feiern wir die unterbewerteten Games dieser Welt, die Rohdiamanten unter den Spielen, die den großen Durchbruch nie geschafft haben.
Bevor wir loslegen, wollen wir noch eines klarstellen: Manche Leute sprechen von “unterbewerteten” Games und nennen dann Titel wie “Bayonetta” oder “Vanquish”. Diese sind nicht unterbewertet, sie haben sich nur nicht besonders gut verkauft. Fast alle, die diese Games jedoch gespielt haben, waren davon begeistert. Wir haben hingegen nur Spiele ausgewählt, die einen Metascore von weniger als 75 Prozent erzielt haben.
Prototype 2
Beispielkritik: “Um die Action zu kontrollieren, benötigt man nur wenig wahres Talent. Obwohl die Weiterentwicklung der Kräfte beim Vorankommen eine große Rolle spielt, ist alles extrem oberflächlich und inkonsequent.”
Warum es trotzdem gut ist: “Prototype 2″ ist ein episches Superheldengame in einer offenen Spielwelt, das wir von “Spiderman” und “Superman” immer versprochen, aber nie geliefert bekamen. „Oberflächlich und inkonsequent” ist jedoch eine ziemlich gute Beschreibung der Handlung von „Prototype 2”. Seit wann soll ein „GTA“-Klon aber die Handlung eines Kafka-Romans aufweisen? Der Schauplatz in New York Zero ist zugegebenermaßen ein wenig gekünstelt. Sich von Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer zu schwingen, wie ein mörderisches Flugeichhörnchen, macht aber einfach total viel Spaß.
Ridge Racer 6
Beispielkritik: „Maximal durchschnittlich. Ridge Racer 6 ist ein einfaches Rennspiel, das jemanden beruhigen könnte, der von einer nervenaufreibenden Aufgabe wie beispielsweise ‚das Alphabet aufsagen’ total überfordert wäre.“
Warum es trotzdem gut ist: Namco kann die Schuld für die schlechten Kritiken von „Ridge Racer 6” nur bei sich selbst suchen. Das Game braucht etwa so lange wie ein alter Mini an einem frostigen Wintermorgen, bis es endlich loslegt. Wenn man sich jedoch durch das träge erste Viertel kämpft, wird man durch ein pulsierendes und spannendes Rennspiel belohnt, bei dem man das Auto auch mal mit Hochgeschwindigkeit seitwärts durch eine nadelöhrgroße Öffnung steuern muss. Um es noch spannender zu machen, kann man versuchen, gleichzeitig das Alphabet aufzusagen!
Pandora’s Tower
Beispielkritik: „Pandora’s Tower bietet nichts Ansprechendes oder Einzigartiges. Der Wii-Titel wird nur bei wenigen Gamern ein Zuhause finden.”
Warum es trotzdem gut ist: Es ist nicht überraschend, dass „Pandora’s Tower” übersehen wurde. Für einen „Zelda”-Klon ist es schier unmöglich, auf einer Nintendo-Konsole den Durchbruch zu schaffen. „Pandora’s Tower“ erschuf jedoch seine eigene Nische und fügte eine Sprintfunktion hinzu, die dem behäbigen „Zelda“ fehlt. Die Dungeons aus „Pandora’s Tower“ mögen vielleicht nicht so teuflisch erfinderisch sein, aber der Stressfaktor konstant tickender Uhren treibt einem sogar bei den einfachsten Rätseln den Schweiß auf die Stirn.
Space Giraffe
Beispielkritik: „Wenn das Gameplay etwas einnehmender für Gelegenheitsgamer gestaltet wäre, oder wenn das Design nicht der Hälfte der Spieler den Schaum vor den Mund treiben würde, dann könnte „Space Giraffe“ vielleicht, aber nur vielleicht, so cool sein wie es sich die Entwickler erhofft hatten.“
Warum es trotzdem gut ist: Designer Jeff Minter ist berühmt für seine Exzentrik. Bei „Space Giraffe” hat er sich aber selbst übertroffen. Er nahm ein paar Gitterraster und überlagerte diese mit verwirrenden Synthesizer-Lichteffekten. Es ist fast unmöglich, zu wissen, was vor sich geht. Das war jedoch genau Minters Absicht. Um den visuellen Angriff in „Space Giraffe” überleben zu können, muss man nach dem Gehör vorgehen und die subtilen Audiohinweise dazu verwenden, sich einen Weg über das Gitter zu „erfühlen”. Sobald der Groschen fällt, ist „Space Giraffe“ einer der einzigartigsten und nuanciertesten Shooter überhaupt.
Earth Defense Force 2017
Beispielkritik: „Earth Defense Force 2017 (EDF 2017) ist das Actiongame-Äquivalent zu Kartoffelchips: kein Nährwert, aber trotzdem lecker.”
Warum es trotzdem gut ist: Wir geben zu, „EDF 2017” ist hässlich und ungleichmäßig. Es macht aber einfach total viel Spaß. Es ist mit „Robotron” in 3D vergleichbar. Man wird in eine komplett zerstörbare Stadt versetzt, in der es eine kolossale Riesenkanone und eine unendliche Anzahl gigantischer Ameisen, Roboter und Spinnen gibt, an denen man die Kanone austesten kann. Was kann man daran nicht mögen? Höchstens das Fehlen eines online Multiplayermodus, aber wir wollen ja nicht so sein.
Excite Truck
Beispielkritik: „Das Game ist ein Beispiel dafür, wie gut Rennspiele auf der Wii laufen können, wenn die Entwickler es endlich richtig machen (ja, wir meinen damit Ubisoft). Es ist aber einfach nicht gut genug, um einen Preis zu gewinnen.“
Warum es trotzdem gut ist: „Excite Truck” war ein Opfer überzogener Erwartungen. In den ersten paar Jahren der Existenz der Wii, erwarteten die Leute, dass Bewegungssteuerung allen Spielen eine wundervolle, neue Dimension verleihen würde. Eine Art Erlebnis auf einem höheren Level, das Nintendo immer versprochen hat. Im Endeffekt bedeuteten die Beschränkungen des Controllers jedoch, dass die Revolution noch nicht beginnen würde. Die besten Games für die Wii sind einige der ersten, da diese relativ einfach gehalten wurden. Hierzu zählt auch „Excite Truck”. Es ist eines dieser Rennspiele, bei denen man mitten in der Luft die Position korrigieren kann, damit man beim Landen den Schwung nicht verliert. Von dieser Art gibt es zurzeit ein paar gute Spiele, aber „Excite Truck“ ist das beste 3D-Beispiel dieser Untergattung. Das wilde Handling passt perfekt zu dem zittrigen Wii-Controller.
Beispielkritik: „Das Spiel verdient die beste Art schlechter Kritik. Das Waffen-Gameplay ist rau, aber niemals revolutionär. Die Beziehungen bringen einen zum Lachen, wenn nicht sogar zum Weinen. Binary Domain ist ungeschliffen, aber an all den richtigen Stellen.“
Warum es trotzdem gut ist: Eine Sache gibt es, die bekommt „Binary Domain” richtig gut hin, und dabei handelt es sich nicht um die Kampfkunst. Es sind die Maschinen. Besonders die befriedigende Art und Weise, wie sie an den „Nähten” aufplatzen, wenn man sie abschießt. Es ist nicht so einfach, das Sterben von Maschinen richtig hinzukriegen. Bei Menschen ist es relativ simpel, da sie mit Blut um sich spritzen können, um einen guten Effekt zu erzielen. Maschinen sterben aber immer irgendwie still und in Würde. „Binary Domain” schafft es, eine herrliche, metallig knirschende Wut zu erschaffen, die eine Balance zwischen beiden Extremen herstellt. Tod unseren mechanischen Unterdrückern!
Deadly Premonition
Beispielkritik: „Ein schreckliches Spiel auf fast jede Art und Weise. Twin Peaks trifft Resident Evil mit ein bisschen GTA-Beigeschmack klingt zwar ziemlich gut, ging jedoch weit über die Fähigkeiten des Entwicklerteams hinaus. Furchtbare Steuerung. Furchtbares Tempo. Furchtbare Soundeffekte. Furchtbare Grafik.”
Warum es trotzdem gut ist: „Deadly Premonition” müsste als „am meisten kritisiertes, polarisierendes Überlebens-Horror-Game” im Guinnessbuch der Rekorde stehen. Das ist nicht unbedingt verwunderlich, da es in der Tat ziemlich bizarr ist. Es ist nicht einfach, „Deadly Premonition“ in eine Gattung einzuordnen. Man könnte es als Billigversion von „Resident Evil” mit einer Vorliebe für Unfug beschreiben. Brutale Gewaltakte werden von schlechten Einzeilern begleitet. Unglaublich freakige Szenen werden durch alltägliche Sequenzen unterbrochen, in denen man beispielsweise seinen Bart stutzt oder einen Schluck Kaffee trinkt. Es ist ein surreales Werk mit interaktiver Handlung. Man kann es nur lieben oder hassen.
Alpha Protocol
Beispielkritik: „Die verblüffenden Feinheiten in Alpha Protocol werden durch Fehler, plumpes Gameplay und minderwertige Produktionsqualität beeinträchtigt.”
Warum es trotzdem gut ist: Man muss sich sehr bemühen, um das Beste aus „Alpha Protocol” herauszuholen. Es ist diese Anstrengung aber wert. Zunächst muss man sich durch eine Hülle hässlicher Präsentation und einen Mantel minderwertiger KI graben. Danach bohrt man sich durch die schlechten Animationen der Hauptcharaktere, die beim Ducken aussehen, als hätten sie sich in die Hosen gemacht. Nachdem man das alles hinter sich gebracht hat, kommt man zum köstlichen Kern von „Alpha Protocol”. Ein Schleich-Action-RPG, welches eine irrsinnige Anzahl an Möglichkeiten bereitstellt, die Fähigkeiten des Charakters weiterzuentwickeln und die Missionen anzugehen.
SSX Blur
Beispielkritik: „Eigentlich liegt es nur an der Steuerung. Wer die Fähigkeiten besitzt, die innovative Steuerung der Wii zu benutzen, sollte dies in vollem Ausmaß tun.“
Warum es trotzdem gut ist: Das klingt irgendwie bekannt. Wir haben hier einen Fall des „Excite Truck”-Syndroms. Im Nachhinein können wir „SSX Blur“ als das erkennen, was es eigentlich ist: Ein tolles, kleines Snowboarding-Game, das innerhalb der begrenzten Fähigkeiten der Wii-Steuerung gut läuft. Es fühlt sich super an, sich mit den Nunchuks in den Schnee zu graben. Sogar die cartoonartige Ästhetik gefällt uns mittlerweile.









