Tests4. März 2013 , 03:03 Uhr
„Assassin’s Creed 4: Black Flag“ – Eine Vorschau
Im neuen “Assassin’s Creed 4: Black Flag“ lebt man das Leben eines skrupellosen Seeräubers. Aber das Holzbein darf zu Hause bleiben. Auf sprechende Papageien und Hakenhände braucht man hier nicht zu hoffen. Dies ist das goldene Zeitalter der Seeräuberei, wie es von der Geschichte, nicht von Hollywood geschrieben wurde. Ubisoft verspricht, dass es sich nicht einfach um ein weiteres „Assassin’s Creed“-Spiel im Piratenoutfit handelt. Es wird als gewagte Neuerfindung einer Serie angekündigt, die Spielerfreiheit immer häufiger vorgeschriebenen Missionen und Linearität geopfert hat. Wenn es eine Sache gibt, die man mit Piraten in Verbindung bringt, ist es Freiheit, und genau das soll in „Assassin’s Creed 4“ vermittelt werden.
Acht Studios arbeiten an dem Spiel. Ubisoft Montreal leitet das Projekt mit Unterstützung der Teams in Singapur, Sofia, Annecy, Kiew, Quebec, Bukarest und Montpellier. Das mag ziemlich übertrieben scheinen, hat aber Sinn, wenn man das Ausmaß des Spiels in Betracht zieht. “Assassin’s Creed” hat sich wie “Call of Duty” zu einer jährlichen Serie entwickelt, was hinsichtlich der Größe der Spiele fast schon Wahnsinn ist. Die Entwickler lassen sich dadurch aber nicht bremsen.
Meuchelmorde echter Piraten
“Black Flag” spielt in den karibischen Inseln im Jahr 1715. Die Welt fühlt sich völlig nahtlos an, was bedeutet, dass man zum Beispiel in Echtzeit und ohne Ladepausen von Kuba nach Jamaika segeln kann. Es gibt 50 einzigartige Orte einschließlich Städten, Dschungelgebieten, Ruinen, Buchten und Höhlen, die alle voller Schätze und Abenteuer stecken. Im und auf dem Meer kann man Wale harpunieren, tauchen und Schiffe ausrauben. „Assassin’s Creed 4“ („AC4“) wurde eindeutig von „Far Cry 3”, das ebenfalls von Ubisoft Montreal entwickelt wurde, inspiriert. Wir wären nicht überrascht, wenn sich die beiden Spiele auch technisch gleichen.
So beeindruckend das alles scheint, es klingt nicht wirklich nach “Assassin’s Creed”, oder? Die gute Nachricht ist, dass es neben Open-World-Abenteuern auch richtige Meuchelmorde gibt. Wir sprechen dabei nicht von den faden, interaktiven Zwischenvideos aus dem letzten Spiel, sondern von Zielpersonen, die man selbst auswählt, ausspäht und ausschaltet. Ubisoft erklärte, dass es sich den Missionen der früheren Spiele mit offenem Ende wieder zuwendet und diesen Ansatz erweitert. Für treue Fans ist das spannender als alles andere.
Wie immer werden Charaktere, Orte und Ereignisse von der Geschichte geformt. Wir sind fasziniert von der Idee, die Piraterie des 18. Jahrhunderts auf realistischere Art und Weise in Angriff zu nehmen. Diese Vision einer bestimmten Periode erinnert stark an die Auffassung des Wilden Westens in “Red Dead Redemption“. Sogar der Name „Black Flag“ zeugt von dieser Absicht, denn echte Piraten hissten schwarze Flaggen statt denen mit Totenkopf und gekreuzten Knochen.
Während der Handlung kämpft man gegen und mit berüchtigten Räubern wie Edward “Blackbeard“ Teach, Benjamin Hornigold, Calico Jack und Anne Bonny. Der unendliche Krieg zwischen den Assassinen und den Templern wird mit wahren Ereignissen verstrickt. Hierzu gehört Hornigolds Versuch, eine von Piraten beherrschte Republik in den Bahamas aufzubauen, der Untergang der spanischen Armada und die Geschichte von Charles Vane, der auf einer einsamen Insel ausgesetzt wurde.
Mein Schiff, meine Crew
Zu den größeren Städten zählen Kingston und Havanna, aber es gibt auch Dutzende kleinerer Siedlungen und Hafenstädte, die in der Spielwelt verteilt wurden und zum Erforschen oder Start von Missionen einladen. Außerhalb der Städte findet man Zuckerplantagen und dichten Dschungel mit einstürzenden Maya-Ruinen. An der Küste sieht man Steinfestungen und Höhlen, die von Schmugglern genutzt werden. Unter Wasser verwendet man Taucherglocken, um den Meeresboden nach versunkenen Schätzen und Schiffswracks abzusuchen. Es ist die bisher vielfältigste „AC“-Welt.
Der neue Held ist Edward Kenway (der Vater von Haytham aus “AC3”), der von Ubisoft als egoistisch, arrogant und charismatisch beschrieben wird. Das sind zwar nicht die originellsten Eigenschaften eines modernen Videospielcharakters, aber wir werden erst urteilen, wenn wir den Helden besser kennengelernt haben. Bisher wissen wir nur, dass er wie seine Vorfahren sehr gut darin ist, Leute heimlich abzumurksen.
Er besitzt auch sein eigenes Schiff, die Jackdaw (auf Deutsch: Dohle). Dieses kann aufgerüstet, repariert und angepasst werden. Außerdem verwaltet man die Crew an Bord. Die Idee dahinter ist, dass einem das Schiff ans Herz wächst und man ein Verantwortungsgefühl dafür entwickelt. Zu Beginn kann man es nur mit kleineren Schonern aufnehmen. Wenn die Ausbeute wächst und man stärkere Panzerung und Waffen besitzt, kann man auch gegen schwierigere Gegner, einschließlich der spanischen Galeonen, kämpfen. Während man auf hoher See segelt, kann man auf den Mastkorb klettern und mit einem Fernglas den Horizont nach Schiffen absuchen. So sieht man, wie stark der potenzielle Feind ist, welche Fracht transportiert wird und kann dann entscheiden, ob man ihn angreift oder lieber meidet.
Schiff Ahoi
Eine der größten Überraschungen bei “Assassin’s Creed 3” war, wie viel Spaß die Seeschlachten machen. Der Entwickler sagte jedoch, dass das nur ein kleiner Anreiz auf das ist, was uns in „Black Flag“ erwartet. Wetter und Physiken werden eine größere Rolle als zuvor spielen und es wird verschiedene Klassen feindlicher Schiffe geben, die einen rammen und den Schiffsrumpf zerschmettern können.
Der Übergang zwischen der Seeschlacht und dem Entern wird nicht wie in “ACIII” von Zwischenvideos unterbrochen. Man kann sich Schiffen aus allen Winkeln nähern, sie mit Kanonen schwächen, dann Wurfhaken werfen, um sie heranzuziehen und schließlich das Deck stürmen. In einer heimlicheren Herangehensweise kann der Spieler auch unbemerkt um den hinteren Teil des Schiffes herumschwimmen und dem Kapitän die Kehle durchschneiden.
Aber was ist mit der Gegenwart im Spiel? Jeder, der „Assassin’s Creed 3“ beendet hat, weiß, dass Desmond Miles „nicht mehr länger verfügbar“ ist, um es mal so auszudrücken. Der neue Held der Gegenwart in „Assassin’s Creed IV: Black Flag“ ist der Spieler selbst. Man spielt einen von Tausenden “Forschungsanalysten”, die von dem fiesen Konzern Abstergo angestellt wurden, um die Vergangenheit verschiedener historischer Figuren auszuleben. Dazu gehört auch Edward Kenway, der wahrscheinlich Teil eines ruchlosen Plans ist, den Edenapfel oder etwas Ähnliches zu finden.
Wenn wir ehrlich sind, konnte sowieso niemand Desmond leiden, deshalb ist es schlau von Ubisoft, nicht schon wieder einen neuen Typen mit weißer Kapuze einzuführen. Desmond hat den Planeten (vielleicht) vor einem schweren Sonnenbrand bewahrt, aber am Ende von “AC3” ist eine neue Bedrohung aufgetaucht, die mit der neuen Handlung wahrscheinlich angegangen wird. Die Mythologie der Serie ist jedoch nicht bei allen beliebt, und wir fragen uns, wie die Gegenwartsteile mit Edwards Abenteuern in der Karibik in Einklang gebracht werden.
Desmonds “ACIII”-Missionen fühlten sich eher wie Ablenkungen an und wir denken, die Serie würde von weniger Sprüngen zwischen den Zeiten profitieren. Dieses Mittel sollte nicht komplett ausgelassen werden, da der Animus und die Beziehung zwischen den zwei Charakteren ein wichtiger Teil der Identität des Spiels ist, aber weniger aufdringlich sein.
Der Mehrspielermodus wird in der gleichen, fiktiven Welt stattfinden. Darüber sind nur wenige Einzelheiten bekannt, aber wir wissen bereits, dass viele Spielmodi der vorherigen Games wieder auftauchen werden. Die große Frage ist: Wird es Onlineseeschlachten geben? Das haben wir in „Assassin’s Creed 3“ schmerzlich vermisst und es wäre verrückt, sie in „AC4“ nicht einzubringen.
Wunderschönes Design
Wir konnten nur kleine Ausschnitte des Spiels sehen (ein paar Kämpfe, ein bisschen Tauchen, Schiff-gegen-Schiff-Schlachten, viele wunderschöne Umgebungen und einen beeindruckenden Sturm auf hoher See), aber alles sieht fantastisch aus. Die Wellen sind besonders beeindruckend und schleudern die Schiffe umher, während Blitze über den Himmel zucken.
Dieses Spielmaterial ist ohne Zweifel auf einem Entwicklungs-PC mit der Größe eines Bungalows gelaufen. Es bleibt also abzuwarten, wie das Spiel auf einem normalen Endverbrauchergerät aussieht. “Assassin’s Creed 3” ist ein hübsches Spiel, das leider von verschwommenen Schatten und kleineren Fehlern etwas beeinträchtigt wurde. Hoffentlich wurde das behoben.
“Black Flag” wird für PC, Xbox 360 und PS3 herauskommen. Außerdem plant Ubisoft eine verbesserte PlayStation-4-Version, die die Funktionen des neuen Controllers benutzen und über bessere Grafiken verfügen wird. Wenn Sonys Behauptungen über die Hardware wahr sind, könnte das Spiel auf der PS4 sogar so umwerfend wie das uns gezeigte Spielmaterial aussehen. Es wird auch an einer Wii-U-Version gearbeitet, die die GamePad-Funktionen hoffentlich etwas mehr nutzen wird, als die enttäuschende Steuerung von “AC3”.
Es ist vielversprechend, dass Ubisoft bei der Entwicklung von “Black Flag” ältere Spiele berücksichtigt. Der Entwickler will vergangene Erfahrungen einbeziehen, sodass „AC4“ eine Art „Best-of“ werden könnte, das die besten Teile der Serie vereint und (hoffentlich) weiterentwickelt.
“Assassin’s Creed 3” hat zwar Spaß gemacht, aber es wurde offensichtlich, dass die Serie ihren Fokus verliert. Das Spiel konzentriert sich zu stark auf die filmische Handlung. Wurde ein Ziel nicht exakt so erreicht, wie es vorgeschrieben wurde, hat man Pech gehabt. Game over.
Theoretisch ist “Black Flag” die Piratensimulation, von der wir schon immer geträumt haben. Hoffentlich wird es so tiefgründig und weitreichend wie Ubisofts tolle Präsentation uns vermittelt hat und nicht nur eine Reihe unzusammenhängender Minispiele. Die Demonstration zeigte uns toll klingende, aber zusammenhanglose Ideen und die wahre Herausforderung wird sein, diese Ideen einheitlich zusammenzufügen.
Wir haben Ubisoft darauf angesprochen und das Team will alle Anstrengungen darauf verwenden, die einzelnen Komponenten ganzheitlich zu integrieren und ihnen den nötigen Feinschliff zu verpassen. Die Vision für das Projekt ist, „ein unterhaltsames, flüssiges, harmonisches Spiel” zu kreieren. Wenn dieses Ziel erreicht wird, könnte „Assassin’s Creed IV: Black Flag“ ein unglaubliches Ereignis werden.
Quelle: cvg

