Tests13. Februar 2013 , 09:02 Uhr
“Aliens: Colonial Marines” im Test
Aliens, diese eigentlich perfekten feindlichen Organismen, können von einem Marinesoldaten mit einem Maschinengewehr getötet werden. In den „Alien“-Filmen sind die Biester schlau, gnadenlos und hinterhältig. In „Aliens: Colonial Marines“ sind sie leider nur dummes Kanonenfutter.
“Aliens: Colonial Marines” basiert auf dem Film „Aliens – Die Rückkehr“ von James Cameron. Ein Vergleich ist deshalb unausweichlich und sorgt für den Todesstoß des Spieles. Während man in „Aliens“ für fast eine Stunde kein xenomorphes Wesen zu Gesicht bekommt, steckt man in “Aliens: Colonial Marines” nach zehn Minuten knietief im grellgrünen Schleim. Die Entwickler wissen leider nicht so gut wie James Cameron, wie man Spannung aufbaut.
Aliens allein reichen nicht aus
“Aliens: Colonial Marines” spielt 17 Wochen nach den Ereignissen in “Aliens – Die Rückkehr”. Das Spiel ist eine Achterbahnfahrt an bekannten Orten. Man wird die gebeutelte Kolonie Hadley’s Hope (Hadleys Hoffnung) auf dem Planeten LV-426, das verlassene Raumschiff sowie den Truppentransporter U.S.S. Sulaco besuchen. Es gibt jedoch auch Orte, die speziell für das Spiel geschaffen wurden. Das Umgebungsdesign ist großartig und sorgt mit seinen klaustrophobischen Korridoren und dem atmosphärischem Licht erstmal für die richtige Stimmung. Die höhlenartige Kammer im Schiff, in der ein Alien Kane zum ersten Mal buchstäblich ins Gesicht springt, gehört zu den beeindruckendsten Ansichten im Spiel, auch wenn man mit der Waffe im Anschlag durchsprintet und Menschen tötet.
Ja, richtig gelesen. Man tötet Menschen, denn angeblich sind diese fürchterlichen, kultigen und furchteinflößenden Kreaturen nicht gut genug sind, um die Gamer ausreichend zu unterhalten. Deshalb wurden ein paar minderbemittelte NPCs in das Spiel integriert, die man ebenfalls bekämpfen muss. Der böse Megakonzern Weyland-Yutani führt auf LV-426 Experimente durch (was für eine Überraschung) und hat eine private Militärfirma engagiert, um die Geheimnisse zu schützen. Erstaunlicherweise sind die Soldaten sogar noch unfähiger als die Aliens und haben die Vielschichtigkeit einer Pappzielscheibe.
“Aliens” ist ein Actionfilm und es gibt auch genug Schießszenen, aber er ist auch voller Horror, Drama und Momenten der Ruhe. „Aliens: Colonial Marines“ kann davon nur träumen. Das Spiel besteht größtenteils aus konstantem Töten.
Es gibt einige Versuche, das Ganze etwas abwechslungsreicher zu gestalten, aber den Großteil der Zeit verbringt man mit dem Finger am Abzug, während Aliens auf einen zustürzen. Es ist der einfachste, eindimensionalste First-Person-Shooter, den wir seit Langem gespielt haben. Es gibt keine taktische Finesse, keine cleveren Gegner und das gelegentliche Fauchen der Aliens ist genauso wenig aufregend.
Nicht alles ist schlecht
Aber, “Aliens: Colonial Marines” ist kein kompletter Fehlschlag. Es gibt ein paar Sachen, die uns im Game gefallen haben. In einem zeitigen Level wird man aller seiner Waffen beraubt und muss durch einen Keller krauchen, der voller Statuen ist, die wie erstarrte, bizarre Xenomorphen aussehen. Ab und zu wird eine dieser Säulen lebendig und man muss sofort stillhalten, um nicht entdeckt zu werden. Sie sind blind und werden nur von Geräuschen angezogen und schleichen sich nur wenige Zentimeter von einem entfernt vorbei. Es ist nur ein kurzes Level, aber es zeigt das vorhandene Potenzial deutlich. Nur leider konnten die Entwickler dieses Potenzial nicht ausschöpfen und es dauert nicht lange, bis das Geballer wieder losgeht.
Authentizität ist eine weitere Stärke von “Aliens: Colonial Marines”. Lance Henriksen und Michael Biehn haben erneut ihre Rollen als Bishop beziehungsweise Corporal Hicks eingenommen und sprechen deren Stimmen im Originalspiel. Darüber hinaus hat Gearbox den Science-Fiction-Konzeptkünstler Syd Mead engagiert, um Teile der Sulaco zu gestalten, die im Film nicht zu sehen waren. Die Level sind voller Referenzen, Insiderwitzen sowie versteckten legendären Waffen wie Vasquez’ M56.
Die Waffen im Spiel sind übrigens ausgezeichnet und besser als es das lahmende Kampfsystem verdient. Sie fühlen sich gewichtig und gefährlich an und das Pulsgewehr klingt genauso kräftig wie im Film. Es gibt auch einen Bewegungsmelder, aber er ist nicht mehr als eine Spielerei. Denn die Aliens stürmen, sobald sie einen entdecken, auf eine ein, sodass man kaum Verwendung dafür findet.
Fazit:
Die Handlung ist schlussendlich vorhersehbar, unbeeindruckend und kann mit keinem der filmischen „Alien“-Teile mithalten. Mit keinem! Das Weyland die Bösen sind, wurde schon in allen Filmen, Büchern und Comicbüchern ausgeschlachtet. Vielleicht ist es für ein Spiel zuviel verlangt, etwas Neues zu bieten, aber wir hätten es uns doch sehr gewünscht.
Quelle: cvg
