Tests20. Februar 2013 , 01:02 Uhr
“Assassin’s Creed 3 – Die Tyrannei von König Washington: Die Schande” im Test
Connor ist in dieser alternativen Realität nicht Connor. Er hat nie Achilles getroffen, wurde nie als Assassine trainiert und hat nie diesen Namen erhalten.
Er ist einfach nur Ratonhnhaké:ton und anstatt weißen Gewändern trägt er ein Tierfell. Es gibt jedoch einen Haken: er erinnert sich an die Geschehnisse von „Assassin’s Creed 3“. Im ersten DLC zum dritten „Assassin’s Creed“-Teil mit dem Titel „Die Tyrannei von König Washington: Die Schande“ erlebt Ratonhnhaké:ton eine neue Realität und ist sich dessen bewusst.
Das ist sogar für “Assassin’s Creed” eine ungewöhnliche Wendung. So wurde Connor nicht nur auf unerklärliche Weise in eine Parallelwelt geschleudert, sondern verfügt darüber hinaus auch noch über übernatürliche Kräfte, die ihm von seinem indianischen Totem gewährt wurden. In der ersten Episode der Erweiterung ist es die Kraft eines Wolfes. Dadurch kann Ratonhnhaké:ton sich unentdeckt von Deckung zu Deckung bewegen, wobei jedoch die Gesundheitspunkte aufgebraucht werden.
George Washington ist einer der größten Helden der US-amerikanischen Geschichte, aber in der ersten Episode der geplanten dreiteiligen Erweiterung ist er ein Antiheld. Sein Gehirn wurde vom Apfel von Eden gewaschen und hat ihn zu einem grausamen, machtsüchtigen Mann gemacht, der sich selbst zum König der noch jungen USA krönt. Er lässt Leute hängen, erschießen und mit Laser foltern.
Ratonhnhaké:tons Mission ist es, wie kann es anders sein, ihn zu stoppen. Jedoch benötigt er dafür Hilfe von der Himmelswelt. In einer frühen Mission braut er Tee von der Rinde eines besonderen Baumes, der ihn zur Himmelswelt führt. Diese Welt sieht wie der Animus aus und man muss sich laufend, springend und kletternd fortbewegen, um die Macht des Wolfes zu verdienen. Damit hat man außerdem die Fähigkeit, drei Geisterwölfe anzurufen, die Wachen auf Befehl angreifen.
Leise, aber tödlich
Die meisten Missionen von “Die Schande” drehen sich um die Wolfsmacht, die in Form eines Umhanges kommt, der einen unsichtbar macht. Wenn man jedoch aus Versehen in Wachen stolpert, wird man sichtbar. Man muss sich trotz des Umhanges also vorsichtig bewegen und auf gutes Timing achten. Die Wachhunde können einen außerdem riechen, ob unsichtbar oder nicht, aber man kann sie mit hingeworfener Beute ablenken. Damit erfindet man das Rad zwar nicht neu, aber man hat ein paar mehr Optionen zur Verfügung. Seine Geisterwölfe auf Wachen zu hetzen, während man sich im Busch versteckt, ist eine besonders nützliche Taktik.
Aber selbst mit neuer Geschichte und neuer Power fühlt sich die Erweiterung nach “Assassin’s Creed” an. Die Missionsstruktur ist gleich (und oft quälend linear), es spielt in derselben Umgebung des Hauptspiels und es wurden nur einige wenige visuelle Veränderungen wie Gebäuderuinen oder von Bäumen hängende Personen vorgenommen.
Wir haben den DLC in circa drei Stunden durchgespielt, aber es gibt noch einige Nebenstränge zu entdecken, die sich jedoch eher als Zeitfüller anfühlen. Wenn man sich durch das Gebiet bewegt, wird man Zivilisten vor den Truppen des Königs retten oder plündernde Konvois aufhalten können, wenn man möchte. Diese Nebenquests zeigen zwar, wie König Washington das Land im Griff hat, aber sind im Allgemeinen eher enttäuschend.
Dafür sind die Erinnerungsszenen interessanter. Das Beste in „Assassin’s Creed 2“ war das Wiederherstellen des Wahrheitsvideos („The Truth“) von Subjekt 16 durch das Sammeln von Gegenständen und das Lösen von Puzzles. “Die Tyrannei von König Washington” hat eine eigene Version davon. Das Video, welches man in „Die Schande“ zusammenstückeln muss, soll angeblich die Wahrheit über Ratonhnhaké:tons Ankunft in der Parallelwelt erklären. Das ist eine clevere Maßnahme, die sich über die zwei weiteren, geplanten Episoden zieht.
Aber es ist die Geschichte, die den Mittelpunkt in dieser Erweiterung darstellt. Dass Ubisoft dabei die gesamte US-amerikanische Geschichte neu schreibt, ist ein mutiger Schritt und zeugt von Kreativität als auch einem Sinn für Skurrilitäten. Washingtons Charakter als Bösewicht ist unterhaltsam und die Wolfskraft macht das Anschleichen etwas weniger frustrierend als in der Standardversion. „Die Tyrannei von König Washington: Die Schande“ ist keine total andersartige Erfahrung und wer sich seine Daumen mit „Assassin’s Creed 3“ bereits blutig gespielt hat, wird es mitunter als zu vertraut empfinden, aber für alle anderen lohnt es sich allemal.
Quelle: cvg