Tests19. April 2012 , 02:04 Uhr

Batman: Arkham City

“Batman: Arkham City” ist erst das dritte Spiel von Rocksteady Studios und angesichts des Vorgängers „Arkham Asylum“ waren unsere Erwartungen dementsprechend hoch. Dass ein solch junger Spieleentwickler mit den Branchengrößen konkurrieren kann, ist ungewöhnlich.

Aber ist der Hype um “Arkham City” gerechtfertigt?

Um es kurz zu machen: Ja. Ihr werdet von „Arkham City“ begeistert sein. Es ist eine der besten Batman-Umsetzungen, die wir bis heute gesehen haben. Und das gilt nicht nur für den Spielebereich, sondern auch für die Filme, die TV-Serie sowie die Batman-Comics.

Rocksteady fokussiert nicht nur auf das große Ganze, sondern lässt auch die kleinen Details von Batman und seinen Superschurken nicht außer Acht. Kevin Conroy und Mark Hamill waren bei der Produktion mit an Board und Cartoon-Produzent Paul Dini hielt den Zeichenstift in der Hand. „Arkham City“ bietet hinsichtlich der Charaktere und der Geschichte ein authentisches Batman-Erlebnis.

Auffallend gut ist auch die Philosophie hinter dem Design, die sich durch das ganze Game zieht. Charaktere wie Catwoman, Two-Face, Joker oder Batman selbst wurden von Rocksteady zwar im klassischen Design gestaltet, bieten aber dennoch moderne Elemente und eine unglaubliche Detailliebe. Der Batsuit verändert sein Aussehen zum Beispiel je nach Lichteinfall und bietet dadurch einzigartige Silhouetten.

Wir müssen zugeben, dass wir zunächst etwas besorgt waren, da das Entwicklerstudio sich einige Freiheiten herausnahm. Der wesentlich wuchtigere Mr. Freeze ist ein solches Beispiel oder Penguins Glas-Monokel. Als wir diesen Superschurken im Game aber erstmals begegneten, waren wir durchaus beruhigt und zufrieden mit Rocksteadys einzigartiger Herangehensweise an die Charaktere.

Hinter den Mauern von Arkham City finden sich noch zahlreiche andere Schurken, bei denen sich Rocksteady kreativ ausgetobt hat. Die Batman-Fans werden es lieben.

Man wusste schon vor der Veröffentlichung von “Arkham City” über die meisten, der auftauchenden Gegner Bescheid, denn Rocksteady hat selbst aus so obskuren Gestalten wie Solomon Grundy kein Geheimnis gemacht und ständig betont, dass noch mehr Schurken erwartet werden dürfen. Hat Rocksteady dieses Versprechen gehalten? Ja, es warten noch wesentlich mehr Charaktere darauf, den Spieler zu überraschen.

Rocksteadys Spiel aus dem Jahr 2009 bot inhaltlich eine Menge für die Fans. Was das Spiel jedoch zu einem Kassenschlager machte, war die Game-Mechanik. Die Spieler bekamen das Gefühl, genauso gefährlich wie der Dunkle Ritter selbst zu sein.

Die Kernfunktionen des neuen Spieles haben sich gegenüber dem Vorgängerspiel nicht wirklich geändert. Warum sollten sie auch? Wenn Batman kämpfend durch die Lüfte schwebt und von einem Ziel zum nächsten springt, ist das Timing nach wie vor entscheidend, um die Attacken noch härter und schneller ausführen zu können. Neue Animationen, Gegner und Waffen wie die Gefriergranate bringen darüber hinaus Abwechslung.

Auch die Strukturen innerhalb von Gebäuden werden den Spielern sehr vertraut vorkommen. Batman muss sich entweder durch eine Horde von Schurken schlagen oder seinen Verstand benutzen, um einem nach den anderen zu besiegen. Das Gameplay von „Batman: Arkham City“ ist unterhaltsam und die Geschichte so mitreißend, dass man schnell zu hundert Prozent in das Spiel vertieft ist.

Böse Welt

Es ist die Arkham City selbst, die einen großen Sprung zu “Arkham Asylum” darstellt. Die offene Welt des Arkham-Universums bietet auf viele verschiedene Arten tolle Effekte.

In “Batman: Arkham City” wartet Rocksteady gar nicht erst bis zum Ende des Spieles um den Spieler mit unmöglich erscheinenden Widrigkeiten zu konfrontieren. In „Arkham City“ kann es dem Gamer passieren, dass ihm am Anfang einer Kampagne der größte Kampf seines Lebens bevorsteht, da er einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war.

In “Arkham Asylum” wurde ein weniger gefährliches Spiel geboten und der Gamer konnte gegebenenfalls seine Taktiken überdenken, sobald ein Bösewicht auf der Matte stand. In „Arkham City“ kann es passieren, dass man um die Ecke geht und plötzlich zwei Dutzend Kerle für Stunk sorgen.

Wenn das passiert, sollte man nicht seine Taktik überdenken, sondern den Kampf erstmal vermeiden. Solche Situationen sorgen für reichlich Anspannung, während Batman durch die Lüfte schwingt und der Weg von A nach B dadurch mit zahlreichen Hürden gespickt wird. Das ist jedoch ein weiteres Beispiel für Rocksteadys Ziel, Batman als authentischen Charakter darzustellen. Es bestätigt das Kernprinzip von Batman – er ist kein Superman.

Wenn man sich beispielsweise in eines der Gebäude von Arkham City begibt, ist es sehr wahrscheinlich, dass man sich inmitten einer bekannten Predator-Umgebung mit Wasserspeiern, Belüftungen und Ähnlichem befindet.

Wie erwartet haben eine Menge von Batmans Top-Feinden ein großes Sicherheitsteam außerhalb ihrer Operationsbasis. Der Spieler wird hier merken, dass es keinen Sinn hat, einfach an die Tür zu klopfen.

Der Gamer hat dann eine Predator-Karte von unglaublichem Ausmaß. Als wir zum Beispiel Sionis Industries erreichten, um uns den Joker zu schnappen, waren wir bereits vorm Eingang mit circa zehn seiner Männer konfrontiert. Vier oder fünf weitere Heckenschützen verschanzten sich am Dach.

Wir versteckten uns bei einem nahegelegenen Hausdach und versuchten zuerst die Situation einzuschätzen, bevor wir Predator-Techniken anwandten.

Der Tod kommt von oben

Wir griffen von Hausdächern, Reklamewänden, Kränen und Laternenmasten anstatt von den Wasserspeiern aus an. Anstatt in einen Raum mit 15 Metern Länge zu navigieren, bewegten wir uns durch Stadteile von hunderten Metern Länge in alle Richtungen. Im Sturzflug stürzten wir uns von einem Hochhaus, um uns dann beim nächsten Gebäude vorbeizuschwingen.

In den Gebäuden waren wir zu oft auf den unglaublich effektiven Gleitkick angewiesen. Die schiere Schlagkraft von Batmans Takedowns (Vertikaler Takedown, Stealth-Attacke von hinten oder die Feinde mittels Batclaw in den Abgrund befördern) fordert den Spieler dazu heraus, die verschiedenen Kampfstile zu mischen. Dennoch sind es die natürlicheren Predator-Situationen auf der Straße, die einen dazu bringen, wie Batman zu denken.

Rocksteady hat bereits einen guten Job gemacht, nachdem der Originaltitel uns schon das Gefühl verlieh, selbst der Dunkle Ritter zu sein. Allerdings hat das britische Spielestudio das Superheldengefühl auf eine neue Ebene gehoben, als wir den kraftlosen Quincy Sharp vor einer Gang bewaffneter Verbrecher retten mussten.

Als wir auf die heikle Situation mit flatterndem Umhang und verdunkelter Miene hinunterblickten, fragten wir uns „Was würde Wayne jetzt machen?“.

Die neue Rauchgranate war die Antwort. Wir zielten nach oben und warfen die Granate in das Zentrum des Krawalls. Natürlich hat das Quincy zugesetzt, aber es hat auch seinen Angreifern die Sicht genommen.

Sobald die Gegner einigermaßen verwirrt waren, ließen wir uns von unserem Aussichtspunkt herab und trafen einen dieser bewaffneten Verbrecher mit einem Gleitkick, entwaffneten den anderen mit der Batclaw und erledigten den dritten mit einem ordentlichen Kopfstoß. Es war ein unglaublicher Reigen der Gewalt und wir hatten unser Ziel in nur wenigen Sekunden erreicht. Als sich der Rauch legte, stand Batman bei Sharp, während rundherum die reglosen Gegner lagen.

Wenn wir eine Szene aus der Geschichte von Batman nennen müssten, die den Dunklen Ritter möglichst gut beschreibt, dann würden wir uns definitiv für die soeben beschriebene entscheiden.

Wie ein Boss

Ein perfektes Spiel also? Seid nicht albern. Wir müssen die Szenen innerhalb der Gebäude, die sich zu wenig von denen des Vorgängerspieles unterscheiden, kritisieren.

Die Neuerungen die Rocksteady in die offene Welt integriert hat, verschieben den Fokus allerdings auf signifikante Weise. Alles, was einen zu sehr an das Original erinnert, sei es das Level-Design oder die Boss-Kämpfe innerhalb der Predator-Situationen, ist Teil eines wesentlich größeren Produktes.

Dennoch fühlen wir noch immer eine kleine Beklommenheit bezüglich des Effektes, den die Nebenmissionen auf die Hauptgeschichte haben könnten. Die Hauptkampagne von „Arkham Asylum“ bot eine perfekte Geschwindigkeit. Bei „Arkham City“ hatten wir jedoch das Gefühl, dass uns die Hauptmission etwas entglitt, während wir jedem schreienden Opfer zu Hilfe kamen und die Gauner auf den Straßen beseitigten.

Der Geschichte von “Arkham City” scheint andauernd die Zeit auszugehen. Entweder ist gerade jemand dabei zu sterben oder etwas steht kurz vor der Explosion.

Die Neben-Quests, die uns in den Weg kamen, waren sehr unterschiedlich und auch in angemessenem Maße aufregend. Mr. Zsasz ist uns besonders im Gedächtnis geblieben. Wir mussten ein Telefon erreichen, bevor es zu klingeln aufhörte, um eine Geisel zu retten.

Wir hatten noch 30 Sekunden Zeit, als wir das Ziel erreichten, allerdings begegneten wir einer Schlägertruppe, bevor wir das Telefon abnehmen konnten. Wir mussten also innerhalb einer halben Minute eine Gruppe von Handlangern beseitigen und den Hörer abheben. Als wir das geschafft hatten, fühlten wir uns wieder wie ein wahrer Held. Wie der Dunkle Ritter selbst.

“Batman: Arkham City” hat gesiegt. Das Spiel von Rocksteady verhält sich zu seinem Vorgänger wie „Dark Knight“ zu „Batman Begins“. Alles ist größer, dunkler und schöner als zuvor.

Die Spieler erhalten die Möglichkeit, ihre eigenen epischen Mini-Momente zu erleben, egal ob sie durch die Skyline von Arkham City fliegen oder Marathons ausfechten, die alles was in „Asylum“ geboten wurde, klein erscheinen lassen.

Dasselbe gilt auch für die Geschichte selbst. Sie bietet dem Spieler ein Intro, das einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Die Geschichte endet mit einer Enthüllung, die in den Comics sicherlich als mutig bezeichnet worden wäre.

Aber genau das ist der Punkt: Rocksteady schaffte es bereits mit „Asylum“ das Superhelden-Spiel auf ein neues Level zu heben und selbst die kritischsten Comic-Fans zu überzeugen. Mit „Arkham City“ hat es das Entwicklerstudio geschafft, den Erfolgsdruck, den der Vorgänger geschaffen hat, zu überwinden und mit Selbstvertrauen an den Nachfolger heranzugehen.

Es war der Glaube an Batman und (noch wichtiger) der Glaube des Studios an sich selber, der dazu führte, dass „Batman: Arkham City“ eine der besten Batman-Interpretationen aller Zeiten ist. Möglicherweise ist es sogar eines der besten Spiele aller Zeiten.