Tests29. August 2012 , 01:08 Uhr
Call of Duty: Black Ops 2
Wir suchen Deckung hinter einem Bus und hoffen, dass keine der zahlreichen Kugeln uns trifft. Das könnte man für ein übliches „CoD“-Szenario halten, oder?
Aber „Black Ops 2“ wird das Franchise für immer verändern. Ein kurzer Blick auf Downtown Los Angeles’ zerstörte Straßen durch das Zielfernrohr unseres XM8-Sturmgewehres hilft uns, zwei silhouettenhafte Feinde auszumachen. Der erste ist ohne Deckung und duckt sich im Kugelhagel, während der andere in Deckung bleibt. Aber das soll uns in “Black Ops 2” nicht stören, denn hier können wir durch Beton schießen und selbst den Feind in Deckung umnieten.
Weiter geht es den nicht immer gerade hängenden Wegweisern Richtung Hollywood und Santa Monica. Es dauert nicht lange, bis weitere Feinde ins Sichtfeld rücken und sich hinter einem Autowrack verschanzen. Aber anstelle mit mehreren Kugeln auf die manchmal sichtbaren Köpfe zu zielen, ist das Zielfernrohr in der Lage, die Benzintanks sowie die entflammbaren Motorenteile auszumachen. So reicht ein einziger Schuss auf einen der schwachen Punkte des Vehikels, um eine heftige Explosion auszulösen, die alle Feinde in der Nähe tötet.
Aber zum Feiern bleibt nicht viel Zeit, denn die Explosion hat den nächsten Feind auf uns aufmerksam gemacht. Es ist kein Mensch, kein Panzer und auch kein Zombie, sondern ein Roboter.
Ja, das ist das neue “Call of Duty”-Spiel und es ist nicht das, was man bisher kennt. Es mag zwar „Black Ops 2“ heißen, aber man kämpft nicht in Mitten des Kalten Krieges oder auf gegenwärtigen Schlachtfeldern wie in der „Modern Warfare“-Serie, sondern man wird in ein Los Angeles der Zukunft katapultiert – zum 19. Juni 2025, um genau zu sein. Es ist die Zeit von technisierten AI-Drohnen, angriffslustigen Kampfjets und geklauter und umfunktionierter Militärtechnik. Noch eine Woche nach der Vorführung im Demoraum von Treyarch müssen wir uns von dem Schock erholen.
So benötigt Studiochef von Treyarch, Mark Lamia, über eine Stunde, um die Hintergrundgeschichte von “Black Ops 2” zu erklären. In der Kurzfassung beginnt alles im Jahr 2012 als China seltene Rohstoffvorkommen der Erde (darunter 17 Metalle, die alle wichtiger Bestandteil für zukünftige Verbraucher- als auch Militärtechnologie sind) hortet und damit eine zweiten Kalten Krieg auslöst.
Bis 2012 verfolgt “Black Ops 2” reales Weltgeschehen. Das heißt, der Dritte Weltkrieg aus “Modern Warfare 3” hat im “Black Ops”-Universum nie stattgefunden hat. Ab 2012 werden die Bodeneinheiten nach und nach verkleinert, um alle Mittel in Drohnen, die den Lauftraum beherrschen, zu stecken.
Im Jahr 2025 sind die Drohnen dann außer Kontrolle geraten beziehungsweise werden von einem Irren namens Raul Menendez kontrolliert. Menendez fühlt sich von den USA als auch China im Stich gelassen und plant seit den 80ern seine Rache. 40 Jahre später hat er sich in das US-Verteidigungsnetzwerk gehackt und alle weltweit verfügbaren amerikanischen Drohnen unter Kontrolle. Deren Aufträge hat er neu programmiert und sie auf einen bombigen Zerstörungszug nach Los Angeles, New York, zum Pentagon, Hong Kong, Shanghai und Beijing geschickt.
Das ist der Punkt an dem wir ins Spiel einsteigen. Wir befinden uns im Feuer eines vierbeinigen Roboters mit dem schnittigen Namen Cognitive Land Assault Weapon (CLAW).
Menschliche Feinde sind einfach zu töten. Ein paar Kugeln in den Körper oder eine in den Kopf gepumpt und sie werden dir keine Sorgen mehr bereiten (zumindest nicht bis man den Zombiemodus spielt). Einige der Feinde werden eine spezielle Ausrüstung tragen oder in militärischer Taktik trainiert sein, aber im Großen und Ganzen bleibt das universale Prinzip “Kugel plus Körper aus Fleisch und Blut gleich tot“ erhalten.
Aber die mechanischen und erbarmungslosen Tötungsmaschinen in Eisenrüstung ohne Empfindungen und mit nur wenig Schwächen ausgestattet, sind eine komplett andere Sache. Da hilft auch ein Kopfschuss nicht oder ein Reihe verzweifelter Schüsse in die Richtung von CLAW. Wenn überhaupt, dann ziehen die Schüsse nur die Aufmerksamkeit auf deine Position.
Aber auch vor dem Zusammentreffen mit CLAW war das Soldatenleben in “Black Ops 2” kein leichtes. Unsere Demospielversion begann zehn Minuten zuvor damit, dass David Mason, Sohn des originalen Protagonisten Alex Mason, einen Van mit dem Präsidenten und einigen Geheimagenten an Bord durch das angegriffene Los Angeles fährt. Man hört nur über seine Kopfhörer, dass einer der Insassen getroffen wurde und Blut durch den Innenraum des Van spritzt. Aber bevor man sich einen Überblick über die Situation verschaffen oder so etwas wie Orientierung erhalten kann, hört man auch schon die Helikopter über einen hinwegsausen und Polizeiautos, gejagt von Drohnen, beginnen zu explodieren.
Die Explosionen lassen nicht nach und der Freeway beginnt zu kippen. Wir kommen in unserem Gefährt nicht weiter und müssen raus. Wir sprinten zum nächstgelegenen Jeep, der mit einer Boden-Luft-Rakete auf dem Dach ausgestattet ist. Wir springen rein und nehmen uns die angreifenden Drohnen in unmittelbarer Umgebung vor, während wir versuchen, dem Präsidenten-Van auf den Fersen zu bleiben und vor den Attacken zu schützen. Uns gelingt es, die erste Reihe von Menendez’ Drohnen abzuschießen und in einem nahe gelegenen, sicheren Versteck Unterschlupf zu finden.
Es dauert jedoch nicht lange bis der Freeway blockiert ist und der Präsident und die Bodyguards sich auf dem unteren Straßenlevel fortbewegen müssen. Wir stehen vor der Wahl: oben bleiben und Deckung bieten oder mit runter und der Kolonne anschließen?
Wir entscheiden uns für das Erstere und schießen Menendez’ Leute von unserer vorteilhaften Stellung ab. Die Hälfte der Abschüsse gehen durch die Deckung und dank des Rückstreuungszielfernrohrs werden die menschlichen Zielscheiben als leuchtend weiße Silhouetten angezeigt. Fast fünf Minuten verharren wir in dieser Einstellung und erschießen, was uns vor die Linse kommt. Man glaubt beinahe, dass uns nun von Treyarch eröffnet wird, dass es sich dabei um T-1000-Terminator handelt. Aber nein, wir töten Menschen aus Fleisch und Blut. Nur aus der Entfernung ist das schwer zu realisieren.
Bald danach bekommen wir die Nachricht, dass sich der POTUS (President of the United States) in Sicherheit befindet. Wir schnappen uns einen Jeep (jeder weiß mittlerweile, dass ein Fahrzeug das einzig effiziente Fortbewegungsmittel in Los Angeles ist) und schlängeln uns um brennende Wracks in Richtung Downtown.
Es lohnt sich jedoch, auch den anderen Weg an diesem bereits erwähnten, wichtigen Punkt einzuschlagen und sich der Kolonne als Bodenverteidigung anzuschließen. Denn Treyarch erklärt, dass es zum ersten Mal in der „Call of Duty“-Serie keine einheitliche Handlung, sondern viele kleinere, ineinander verstrickte Handlungsstränge gibt, die verfolgt werden können. So wird man sein ganz eigenständiges Abenteuer erleben können.
Einige der größten Entscheidungen müssen bei der Wahl der Missionen getroffen werden. An bestimmten Punkten der Kampagne kann man sich für „Strike Force“-Operationen entscheiden, die völlig anders sind als alles bisher im „CoD“-Universum angebotene. Diese OPs finden nicht auf einer Karte statt, sondern erstrecken sich über mehrere Open-World-Karten und sind mit einem Zeitlimit versehen. Man muss bestimmte kritische Stellen erobern und unter Kontrolle bringen, um bestimmte Events der Karte einzuleiten.
In einer weiteren unerwarteten Wendung der “Strike Force”-Level hat man die Möglichkeit, sich der Soldatenhülle, in der man spielt, zu befreien und die Kontrolle über eine Alliiertendrohne zu übernehmen. Via D-Pad kann man zwischen Soldat, Landdrohne, CLAWS und Quadrotoren wechseln. Findet man keines dieser Angebote reizvoll, kann man auch die Funktion einer Überwachungskamera übernehmen. Mit dieser Option kann man Streitkräfte wie in „Command & Conquer“ kontrollieren und bewegen. Die Vitalzeichen der Soldaten werden deutlich angezeigt, sodass man leicht erkennt, wer deine Hilfe braucht. Aus der Vogelperspektive kann man außerdem die Bewegungen der Feinde nachvollziehen und diese blockieren, bevor sie die Kontrolle über Schlüsselzonen auf der Karte übernehmen.
Aber weshalb hat sich Menendez in “Black Ops 2” gerade ein der größten Städte für seine Vendetta vorgenommen? Wie auch in „Black Ops“ wird in „Black Ops 2“ die Geschichte eines Mannes über mehrere Dekaden erzählt. Aber hier ist es nicht Alex Mason sondern Sergeant Frank Woods. Obwohl einige Handlungsfetzen durch die Augen von Alex und im Jahr 2025 durch die seines Sohnes David erzählt werden, ist Woods der Geschichtenerzähler in „Black Ops 2“. Er ist also nicht, wie angenommen, im ersten Spiel gestorben.
Ab den 1980er Missionen beginnen wir den Weg von Menendez bis zum Jahr 2025 nachzuzeichnen. Wir erfahren, wie er sich in einen Cyberkriegsführungsninja verwandelt. Treyarch verspricht uns eine Reise durch das Innerste von Menendez bis er zum gefürchteten, ausgewachsenen Schurken mutiert. Das Studio gibt außerdem an, dass sein Schicksal von der Route, für die man sich im Spiel entscheidet, abhängt.
Das sind eine Menge Neuheiten für ein mittlerweile alteingesessenes Franchise. Jeder der den Namen „Black Ops II“ gesehen hat, dachte sicherlich, dass es sich um ein weiteres Vietnamkriegsspiel handeln wird. Aber Treyarch hat die Gamingwelt mit etwas schockiert, dass zwar nach wie vor als „Call of Duty“ zu erkennen ist, aber in etwas aufregend Neues verwandelt wurde. „Black Ops 2“ hat das Potenzial dem Gamer den Atem zu rauben. Treyarch zeigt uns, wie ein Shooter in Zukunft sein soll. Ab dem 13. November, wenn „Call of Duty: Black Ops 2“ erscheint, wird die weltgrößte Spieleserie nicht mehr dieselbe sein.