Tests8. November 2012 , 05:11 Uhr
“Dead Space 3”-Koop-Modus getestet
Der asymmetrische Koop-Modus von “Dead Space 3” hat uns wahnsinnig gemacht und uns dazu gebracht, die Realität ernsthaft anzuzweifeln.
Das ist auch genau die Absicht des Spieles. Wir haben als Sergeant John Carver gespielt, ein EDF-Offizier (Earth Defence Force), dessen eigene Zurechnungsfähigkeit stark leiden musste, seit er durch einen grausamen Necromorph-Angriff von Frau und Kind getrennt wurde. Während unserer 20-minütigen Demoversion trifft er Isaac Clarke, der auf der Flucht vor der Erdregierung ist, nachdem er deren Raumstation (Titan oder Sprawl genannt) in „Dead Space 2“ komplett zerstört hat.
Zusammen landen sie auf dem eiskalten Planeten Tau Volantis, um den Ursprung der Necromorphs zu finden und diese Plage ein für alle Mal zu beenden. Zum ersten Mal in der gesamten Reihe können zwei Spieler gemeinsam kämpfen. Es gibt zwar keine spezielle Koop-Kampagne, dafür aber mehrere Koop-Sequenzen, die über das Spiel verteilt sind und für die man den zusätzlichen Mann jederzeit zu Hilfe rufen kann.
Blinde Bedrohung
Die Demoversion beginnt und wir machen uns auf in die Eiswüste. Kalter Wind pfeift uns um die Ohren und ein heftiger Schneesturm macht es einem kaum möglich, die eigenen Füße zu sehen. Plötzlich erblicken wir eine Silhouette in der Ferne, die wie ein Necromorph aussieht. Es ist aber keiner.
Das Wesen hat unsere Schritte im Schnee knirschen gehört, sich blitzschnell herumgedreht und stürzt schnurstracks auf uns zu. Der Feeder ist ein neuer und erschreckend schneller Gegner, der einen sehr tot sehen möchte. Der Geschichte nach waren die Feeder einst menschlich. Sie mussten so starken Hunger leiden, dass sie begonnen haben, Necromorph-Fleisch zu essen. Dadurch wurden ihre Körper verdorben, die Haut fiel von den Gliedern, ihre Hände deformierten sich zu scharfen, knochigen Klauen und ihre Augen wurden blind. Als Folge davon wurde ihr Hörsinn geschärft. So lange man sich also sehr leise bewegt, kann man unbeschädigt an den Monstern vorbei schleichen.
Zum Glück haben wir nicht nur von unserem kampferfahrenen Partner Isaac Hilfe. Auch unser treuer Plasmacutter ist wieder zurück, um Hackfleisch aus den unterernährten Monstern zu machen. Von einem unbekannten Feind ging es direkt zum nächsten. Die Kreaturen, die wir danach bekämpfen mussten, waren noch viel schockierender: Es handelte sich um Menschen. Nicht alle Unitologen sind spießige Kirchengänger. Dieses Mal sind sie bewaffnet, gefährlich und der intelligenteste aller Gegner.
Taktisches Spielzeug
Durch die Einführung von Menschen ist „Dead Space 3“ etwas in Gefahr, zu einer Art Schießbude zu werden. Wie kann etwas bedrohlich sein, wenn man in einem gepanzerten Kampfraumanzug steckt und der Gegner nur ein 1,80 Meter großer Fleischkloß ist? Glücklicherweise hat der Kampf gegen sie nicht lange angedauert, da mehrere Feeder einmarschiert sind und angefangen haben, an den Männern zu kauen, bevor unsere Kanonen sie niedermähen konnten. Dadurch wurde verhindert, dass das Geschehen zu vertraut wurde und zu stark nach Shooter aussah. Die typische Spannung von „Dead Space“ kehrte daraufhin schnell zurück und begleitete uns als kriechende Bedrohung bei unseren ersten Schritten durch die unheilvolle, frostige Welt.
Zunächst müssen wir aber unser neuestes Spielzeug ausprobieren: den Scavenger-Bot (auf Deutsch: Plünder-Roboter). Aktiviert man ihn, macht er sich selbstständig auf die Reise, um Gegenstände zu plündern und zu horten. Wenn man das nächste Mal eine Sicherungsstation findet, werden all diese Gegenstände dort auf einen warten. Deren Position kann man über eine Art Radar herausfinden, der lauter piept, je näher man Feuerwaffen, Granaten und Munition kommt. Es ist ein nützliches Werkzeug in einem Spiel, wo diese Gegenstände wertvolle Ressourcen darstellen. Wir hatten keine Möglichkeit herauszufinden, was genau der Roboter sich unter den Nagel reißen kann, aber wir nehmen an, es handelt sich um Munition, seltene Waffen und neue Raumanzüge, je nachdem, wo man ihn losschickt. Es macht Spaß, dass man nicht nur Waffen zum Angriff zur Verfügung hat, sondern auch Taktik.
Kampf des Wahnsinns
In Clarkes und Carvers Koop-Jagd geht es jedoch um viel mehr, als nur Pistolen und Munition. Während unseres ersten Abstieges in die Basis wird Carvers Verrücktheit immer fieberhafter. Wir sehen einen kleinen Holzsoldaten auffällig auf dem Tisch liegen. Als wir weitergehen, tauchen noch mehr Soldaten auf. Sie werden größer, blockieren uns irgendwann den Weg, ragen bedrohlich über uns auf und folgen uns durch die Korridore. Das alles passiert rein in Carvers Kopf. Der Koop-Kumpel bekommt davon nichts mit. Unser Bildschirm war überschwemmt von Holzspielzeug, während seiner komplett frei war.
Durch die komplett verschiedenen Ereignisse für beide Spieler kreiert der Entwickler eine Atmosphäre, die von Paranoia, Verwirrung und Misstrauen geprägt ist. Diese irrsinnigen Episoden werden immer intensiver. Wir erspähen gerahmte Fotos von unserer entfremdeten Frau und unserem Kind, während wir aus der Ferne schaurige Musik aus einer Spielzeugkiste hören. Als Isaac das nicht mehr erträgt, wagt er sich sogar in seinen eigenen Kopf, um dort buchstäblich die Dämonen zu bekämpfen.
Die Umsetzung dieses Kampfes ist interessant: Auf dem einen Bildschirm ist Carver damit beschäftigt, die schlüpfrigen, schwarzen Erscheinungen seines Irrsinns zu bekämpfen, während man ihn auf dem zweiten Bildschirm zusammengekauert und seinen Kopf umklammernd in einer Ecke sitzen sieht. Bei einem plötzlichen Angriff der Necromorphs muss Isaac sowohl sich selbst als auch seinen Partner alleine verteidigen. Hierdurch erhält eine banale Kampfszene einen wahnsinnigen Dreh.
Das Wesentliche von “Dead Space” war schon immer Horror und Angst. Der Protagonist ist dieses Mal agiler und mit intergalaktischen Waffen und Rüstung ausgestattet, was dem Spiel ein wenig den Schrecken nimmt. Der neue „Dead Space 3“-Koop-Modus gleicht das jedoch aus und macht der Serie mit dem wahrhaft Irrsinnigen alle Ehre.
Quelle: cvg