Tests26. April 2012 , 01:04 Uhr
El Shaddai: Ascension of the Metatron
Man sagt, dass das Auge bei Computerspielen mitspielt. Das trifft voll und ganz auf “El Shaddai” zu. Denn es sind die Augen, die hauptsächlich verwöhnt werden.
Die Handlung fängt vor 14.000 Jahren an. In „El Shaddai“ geht es um Enoch, welcher, dem Buch Henochs zufolge, ein direkter Nachfahre von Adam und ein Vorfahre von Noah ist.
Mit anderen Worten: Er stammt aus einer berühmten Familie. Wenn also ein paar Wätcher (gefallene Engel) anfangen Sünden mit Sterblichen zu begehen, trifft die erste Wahl Gottes auf Enoch, der das Durcheinander lösen soll. Alles in diesem Spiel ist sehr religiös behaftet.
Mit einem atemberaubenden Kaleidoskop an Wasserfarben, klassischer japanischer Kunst und grellen Effekten, ist das Debüt des Designers der Okami-Charaktere, Takeyasu Sawaki, ein wahrhaft unvergesslicher Anblick. Jedes der zwölf “El Shaddai”-Kapitel stellt ein anderes Himmelreich dar, wodurch ein großer Variantenreichtum entsteht.
Mit nur einer Waffe in den Kampf
Leider kann das Gleiche nicht von dem Game gesagt werden. UTV Ignition gewinnt Punkte für seine Bemühungen, aber die Umsetzung ist bei Weitem nicht so beeindruckend, wie wir es uns erhofft haben. Es ist eher ein banales Einzelspieler-Action-Getobe mit einigen netten, durchschnittlichen 2D-/3D-Effekten.
Um die Animationen in den Vordergrund zu stellen, wurde das Level-Design von „El Shaddai“ aufs Minimum reduziert. Die Tutorials sind kurz und ein HUD (Head-up-Display) steht erst zur Verfügung, wenn man das Spiel einmal beendet hat. Der Gesundheitszustand von Enoch wird anhand des Zustandes seiner Rüstung angezeigt, die nach und nach zerfällt, wenn sie beschädigt wird.
Die Bedienung ist erfrischend einfach: Man benutzt den linken Analog-Stick, um Enoch zu bewegen, mit dem Viereck attackiert man, X für Sprung und Doppel-Sprung und mit R2 blockt man.
Aber das Gefechtssystem ist nicht so flüssig wie es hätte sein können. Sobald man sich für eine Kombination entschieden hat, kann man diese Animation nicht mehr unterbrechen, um die gegnerischen Anschläge unmittelbar zu beantworten. Boss-Kämpfe wiederholen ebenfalls ständig. Man versucht das Kampfmuster des Gegners zu analysieren und geht einen Schritt zurück, sobald der Gegner mit seinem Kampfmuster ansetzt. Das wiederholt man immer wieder.
Es gibt insgesamt nur drei Waffen und man kann nur eine Waffe zur gleichen Zeit tragen: ‚Arch’ ist ein Feuerschwert, ‚Gale’ ist ein Set aus Langstreckengeschossen und ‚Veil’ ist ein Hochleistungsschutzschild. Waffen können von Gegnern gestohlen werden (mit L1) oder man kann sie zu einem späteren Zeitpunkt finden.
Jeder Gegner reagiert verschieden auf unterschiedliche Waffen, aber ohne Energieanzeige ist es schwer zu sagen, wie erfolgreich die Zerstörungen sind. Aber die Wahl der Waffen ist auch erst im entscheidenden Endkampf wirklich von Bedeutung.
Im Reich der Nephilim
Die 2D-Platform, wenn auch auf ersten Blick etwas einfallslos, lockert das Ganze etwas auf. Enoch rennt durch eine Welt voll mit Nachkommen von gefallenen Engeln und Sterblichen (bekannt als Nephilim).
Auf der anderen Seite kann die 3D-Platform, welche die letzten zwei Stunden des zehnstündigen Spieles ausmacht, zur Qual werden. Ätherische Landschaften kombiniert mit feststehenden Kameraeinstellungen erschweren das Einschätzen der Sprünge.
Hätte man mit genauso viel Sorgfalt an den Spielfunktionen gearbeitet wie am Optischen, hätte „El Shaddai“ ein Honigbrot aus dem Himmelreich sein können. Stattdessen stecken wir im Limbo fest.