Tests5. Oktober 2012 , 10:10 Uhr
F1 2012
Die zwei bisherigen F1-Games von Codemasters waren großartige Simulationen, haben aber vielleicht ihren Zweck als großartiges Videospiel ein wenig verfehlt.
Schließlich hat nicht jeder die Zeit, ein komplettes Rennwochenende durchzuspielen. Mit „F1 2012” werden deshalb eingängigere Optionen eingeführt.
Großartige Modi
Im neuen Champions-Modus von „F1 2012“ kann man gegen jeden der sechs Formel-1-Champions der 2012er Saison in schnellen Szenarien antreten. Am Ende gibt es ein entscheidendes Finale gegen alle, das auf der neuen Austin-Rennstrecke stattfindet. Hierdurch erfährt man wie es sich anfühlt, das Spiel zu beenden, ohne sein gesamtes nächstes Lebensjahr dem Karrieremodus zu widmen. Die Challenges sind ebenfalls sehr interessant. Besonders herausfordernd ist der Versuch, Lewis Hamilton in Sao Paulo hinter sich zu lassen, wenn es gleichzeitig zu regnen beginnt und man mit Slicks fährt.
Die klaren Kriterien für Erfolg beziehungsweise Misserfolg machen „F1 2012” zu einem gut funktionierenden Game. Ähnlich gut ist auch der Saison-Challenge-Modus, bei dem man einen Gegner auswählen muss. Wenn man ihn in zwei von drei Rennen schlägt, gewinnt man seinen Vertrag und kann sofort für das neue Team unterschreiben. Man bekommt am Ende der Saison sogar einen Punktestand und fühlt sich wie in die 90er Jahre zurückversetzt. Sogar wenn „F1 2012” noch mehr Arcade-Eigenschaften aufweisen würde, wäre es noch genauso fesselnd. Wir wollen unbedingt mehr davon sehen.
An einer Sache, von der wir gerne mehr gesehen hätten, hat sich jedoch leider nichts geändert: den Beschädigungen. Defekte an den Fahrzeugen werden gut dargestellt, aber Zusammenstöße mit anderen Autos sind nie so zerstörend, wie man sich das vorstellt. Wir hoffen, dass sich das bei den Konsolen der nächsten Generation ändern wird, vermuten aber, dass es mit Lizenzbeschränkungen zusammenhängt.
Einfach, aber realistisch
Die Navigation durchs Spiel wurde verbessert. Man muss sich nicht mehr durch den Motorhome-Bildschirm wühlen, um bestimmte Optionen zu finden. Alles ist in klaren, einfach strukturierten Menüs zu finden. Diesen fehlt es zwar ein bisschen an Persönlichkeit, aber sie erledigen ihren Job viel besser als vorher. Zusätzlich gibt es jetzt überall Erklärungen zu den einzelnen Menüpunkten. Für Hardcore-Fans mag das ein bisschen störend sein, es sind jedoch einige nützliche Anhaltspunkte dabei.
Wer befürchtet, dass die einfachere Zugänglichkeit und all die Erklärungen die Echtheit der Simulation abgeschwächt haben, den können wir beruhigen. Wenn überhaupt, ist „F1 2012“ dadurch noch mehr für Hardcore-Fans geeignet. Die Bremsbalance kann jetzt wie im Flug geändert werden, und die Reifenstrategie kann praktischerweise mitten im Rennen angepasst werden. Man erhält sogar E-Mails von seinen Mechanikern, die die abmontierten Reifen untersucht haben und Tipps zur Verbesserung der Reifenabnutzung geben.
Die Rennen selbst sind intelligent, atemberaubend und dramatisch. Das Bestrafungssystem ist fairer als zuvor. Man sollte gar nicht erst versuchen, freche Überholmanöver zu starten. Vettels Aktion, auf der Außenseite einer Haarnadelkurve Button zu überholen, ist in „F1 2012“ unmöglich. Man wird durch illegale Überholmanöver nicht nur fünf Sekunden zurückgesetzt, sondern der Motor schaltet sich ab, wenn man sich über die Außenseiten einen Vorteil zu verschaffen versucht. Dieses Feature wurde dringend benötigt. Deshalb vergeben wir den Entwicklern die geringfügige Einschränkung unserer spielerischen Freiheit zugunsten einer realistischeren Erfahrung.
Wahre Formel-1-Erfahrung
Die Hardcore-Rennverrückten werden das neue Handling am meisten zu schätzen wissen. Über den Controller ist das Handling merklich unruhiger. Das liegt jedoch daran, dass es für das Lenkrad perfektioniert wurde. Es geht darum, die messerscharfe Reaktionsempfindlichkeit zu zähmen, den Griff zu spüren und nur auf Armlänge zu steuern. Bei „F1 2011“ musste man sich richtig in die Kurven hauen, um eine Reaktion zu erzielen.
Es dauert ein bisschen, sich an diese Neuerungen zu gewöhnen. Sobald man aber verstanden hat, dass man in totaler Kontrolle über die Beziehung zwischen Reifen und Rennstrecke ist, wird man erkennen, was für eine riesige Verbesserung „F1 2012” darstellt. Endlich fügt sich alles zusammen. Das Spiel sieht nicht nur wie F1 aus, man bekommt jetzt auch das Gefühl vermittelt, einen echten Formel-1-Wagen zu steuern. Ein größeres Lob kann man einem F1-Game kaum machen.