Tests18. Juni 2012 , 04:06 Uhr

Ghost Recon Future Soldier

Ob “Splinter Cell“, “Rainbow Six” oder “Ghost Recon“ – alle Clancy-Spiele haben dasselbe Ziel: Jemand aus unterschiedlicher Distanz ins Gesicht zu schießen.

Nebenbei rettet man noch den Planeten vor einer heimtückischen Terrorgruppe (meist aus Russland). Aber eines wird dabei gern übersehen: Ubisoft sind Meister darin, jeden Gamer als absolut knallharten Typen darzustellen.

“Future Soldier” ist dabei keine Ausnahme. Kein anderes Spiel auf dem derzeitigen Markt der militärischen Strategiespiele ist überzeugender und selbstbewusster. Jedoch bewegt es sich dabei ein wenig zu sehr auf „Splinter Cells“ Spuren, sodass man manchmal das Gefühl bekommt, das Game schon einmal gespielt zu haben.

Ist man also ein Fan von “Splinter Cell Conviction”, wird man große Freude an “Future Soldier” haben. Im Spiel geht es hauptsächlich darum, in einer Gegend voller Terroristen zu landen, so viele wie möglich zu töten, ohne den Alarm auszulösen und dann den Rest mit der größten Waffe, die man tragen kann, umzunieten. Das Aggressionspotenzial aus „Conviction“ wurde mit mehr Gegnern und deren Alliierten nochmals vergrößert. Ein Gewinner.

Jene, die damals schon “Splinter Cells” Wegbewegen vom traditionellen Pfad bemängelt haben, werden dies auch hier bemängeln. Alles wurde linearer programmiert – ob man nun sein Ziel anvisiert oder seine Gadgets nutzt. Das macht das Spiel einerseits zugänglicher, aber auch einfacher. Man muss sich nicht besonders anstrengen, um ein guter “Future Soldier” zu sein. Für 90 Prozent des Spieles ist das gut, aber bei den restlichen zehn Prozent fühlt man sich etwas bevormundet. Für Gamer, die die Herausforderung lieben, wird das ein Manko sein.

Was man bei “Ghost Recon: Future Soldier” definitiv antrifft, ist der typische übermilitärische Stil, der seitdem von so vielen Verlegern nachgeahmt wird. Hier fühlt es sich fast wie eine Parodie auf das eigene Genre an. Sofern wir das beurteilen konnten, versuchen die Bösen Moskau zu besetzen. Es sind Ultranationalisten und genau wie Zombies und Aliens sind sie ein gelungenes Ziel.

Obwohl die Handlung überaus unverständlich ist, wird man in verschiedenste Regionen geschickt, die man sonst selten in Shooterspielen zertrümmern kann. Spektakuläre Ortschaften der Kampagne sind beispielsweise die Wüste in Nigeria, ein Öltanker im europäischen Nordmeer vor Norwegen sowie ein Verkehrsstau in Peshawar. Allein die Tatsache, dass man hier etwas mehr Kreativität bei der Auswahl getroffen hat, macht „Future Soldier“ zu etwas Besonderem. Die einzelnen Abschnitte können bis zu einer Stunde in Anspruch nehmen und sind voller Möglichkeiten, sich kreativ beim Töten auszutoben.

Wie bereits zuvor erwähnt, fühlt man sich bei diesem Teil von “Ghost Recon” als Waffenkönig. Man bewegt sich flüssig und der Kampf ist überzeugend. Egal ob man Türen öffnet, Räume inspiziert oder von Deckung zu Deckung sprintet, das Spiel fühlt sich echt an. Kopfschüsse sind brutal und die vom Kugelhagel betroffene Umgebung wird dementsprechend zerstört. Darüber hinaus ist das Taktikelement des Games gut umgesetzt und ausgezeichnet ausbalanciert. In frühen Leveln lernt man Grundsätzliches und das Kommandieren der Einheit, während man später vor der Aufgabe steht, so viele Gegner wie möglich leise auszuschalten. Wenn man es richtig anstellt, kann man ganze Level durchspielen, ohne einmal gesichtet worden zu sein. Eine großartige Herausforderung.

Nur manchmal passiert es, dass Abschnitte sich etwas in die Länge ziehen. Was das jedoch wieder ausgleicht, ist das hervorragende Waffenanpassungssystem „Gunsmith“. Damit lässt sich wirklich jedes Teil der erwählten Waffe anpassen und davon stehen eine Menge zur Auswahl. Angefangen von Gewehren (Sturmgewehr, Scharfschützengewehr) zu Schrotflinten, über Handfeuerwaffen zu Maschinengewehren. Wenn man sich die gewünschte Waffe zurechtgebastelt hat, kann man die Reichweite austesten. Kleine Änderungen können überraschenderweise immense Auswirkungen haben. Deshalb sollte man seine Waffenauswahl an den Spielstil anpassen. Da man bei „Future Soldier“ ohne Superkräfte auskommen muss, findet man hier den nötigen Ausgleich.

Noch mehr Bedeutung erhält die Waffenanpassung im Koop-Modus. Man kann die gesamte Kampagne mit Freunden durchspielen und das empfehlen wir auch.

Alles in allem, ist “Ghost Recon Future Soldier” eine angenehme Überraschung. Die Authentizität, die der Soldatenbewegung und dem Waffensystem verliehen wurde, ist ein Triumph. Kombiniert mit den einfallsreichen Kampfplätzen sowie dem wunderbaren „Ich bin ein knallharter Typ“-Gefühl, ist das Spiel ein großartiger Zeitvertreib.