Tests19. April 2012 , 02:04 Uhr

inFAMOUS 2

Nachfolgespiele haben immer die schwere Last zu tragen, an die Erwartungen der Vorgänger heranzukommen und diese idealerweise zu übertreffen. Das originale „inFAMOUS“ war ein hervorragender Einstieg des Franchise und hat bis heute eine große Fanmenge. Die Erwartungen sind dementsprechend hoch.

Die ganze Sache wurde nicht gerade erleichtert, als Entwickler Sucker Punch groß herausposaunte, dass der Nachfolger auf Augenhöhe mit “Uncharted 2” sein soll. Eine mutige oder sogar größenwahnsinnige Aussage.

Aber wir können euch beruhigen, “inFAMOUS 2” ist etwas Besonderes und gehört zu den besten Spielen, die 2011 auf den Markt kamen. Hauptprotagonist Cole MacGrath hat gegen Kessler im ersten Teil gesiegt und bereitet sich jetzt auf seinen nächsten Gegner vor – das Biest. Dieses ist ein riesiger, bulkiger Godzilla-ähnlicher Gigant, der MacGrath in der Anfangssequenz zu schaffen macht.

Zum Glück wurden Coles Nachkampffähigkeiten für den zweiten Teil ausgebaut. Dieses System nun zu nutzen, macht definitiv mehr Spaß als im Original. Es ist außerdem einfach zu bedienen und wenige Knopfdrücke liefern bereits ein gutes Ergebnis. Die Fäuste fliegen nun sehr viel leichter durch die Gegend.

Weitere Verbesserung seiner „Unter Strom stehenden“-Fähigkeiten (er kann einen elektrischen Wirbelsturm kreieren) sowie ein telekinetisches Upgrade machen MacGrath zu einer gefährlichen und aufregenden Waffe im Kampf gegen das Biest und zahlreiche andere Feinde.

Es macht einfach Spaß Autos anzuheben und durch die Lüfte zu befördern, um ankommende Gegner mit dem Haufen Blech zu überraschen. Je größer und gefährlicher die Feinde werden, desto größer werden auch die Fähigkeiten des Protagonisten. Das hilft nicht nur beim Überleben, sondern liefert auch ein gewisses Ausmaß an Unterhaltung. Jedem sollte jedoch klar sein, dass „inFAMOUS 2“-Missionen hauptsächlich daraus bestehen, jemanden mit Blitzen zu töten. Alles scheint unter Strom zu stehen.

Es sieht gut aus

Wenn man nicht gerade damit beschäftigt ist, kinetische Fähigkeiten gegen Eistitanen, die wie eine Mischung aus einem Alien und einem Dinosaurier aussehen, einzusetzen, stellt man fest, wie gut “inFAMOUS 2” animiert ist.

Sucker Punch hat sich große Mühe gegeben, die Animationen einem erheblichen Verschönerungsprozess zu unterziehen. Die Bewegungserfassung wird durch CGI (Common Gateway Interface) unterstützt. Für einige, die Fans der Comicsequenzen im Original waren, wird das sicher eine Enttäuschung sein, aber dem Ablauf des Spieles tut diese Entscheidung gut. Außerdem sind diese Szenen die besten, die man seit Langem gesehen hat und geben dem Ganzen das gewisse Extra. Hinzu kommen Funktionen wie Bewegungsunschärfe und mehr Tiefenwirkung, die das Spiel zu dem visuell besten Titel für die PS3 machen.

Was jedoch nicht verändert wurde, ist das Aussehen von Cole. Er besitzt außerdem nach wie vor seine gespaltene Persönlichkeit zwischen Held und Gauner. Je nachdem für welchen Partner man sich in den 60 Nebenquests entscheidet – Lucy Kuo oder Nix – kommt die entsprechende Seite von MacGraths Persönlichkeit zutage. Im Spiel repräsentieren die beiden Damen das universelle Prinzip von Gut und Böse. Sieht man sich einer Gruppe gefangener Mutanten gegenüber, wird Kuo empfehlen, alle zu töten, während Nix deren Freilassung zum Kampftraining verlangt. Dem Entscheidungssystem fehlt jedoch die besondere Note und es bietet keine befriedigende Gegenleistung für die getroffenen Entscheidungen.

Das ist etwas schade, denn der Handlungsstrang ist keineswegs oberflächlich gestaltet. Wenn man sich von der Schwarz-Weiß-Moral nicht zu sehr ablenken lässt, kann man die elektrisierenden Abenteuer dennoch in vollen Zügen genießen.

“inFAMOUS 2” hat definitiv Potenzial. Das Karmasystem ist zu einfach gestaltet und die Missionen orientieren sich zu sehr am Schwarz-Weiß-Muster, aber der Nachfolger ist eine große Weiterentwicklung zum Vorgängerspiel. Die Animationen wurden aufpoliert und die spektakulären Szenen nochmals bombastischer gestaltet, um den Spaßfaktor zu erhöhen. Es reicht nicht an „Uncharted“ heran, aber es befindet sich zu Recht in der Topliga der exklusiven PS3-Spiele.