Tests27. März 2013 , 12:03 Uhr

“Lego City Undercover” im Test

Die typische Formel der “Lego”-Spiele mag zwar erfolgreich sein, hatte aber schon seit langer Zeit eine Neustrukturierung nötig. Im Verlauf von acht Jahren hat das Entwicklerstudio Traveller’s Tales zwölf “Lego”-Spiele herausgegeben, die auf verschiedenen Franchisen basieren. „Star Wars”, “Harry Potter”, “Indiana Jones”, “Der Fluch der Karibik”, “Batman” und “Der Herr der Ringe” wurden allesamt der Bauklötzchenprozedur unterzogen. Die meisten Gamer der Welt haben mindestens einen (wenn nicht mehrere) dieser Titel ausprobiert.

Alle bisherigen Spiele boten Unterhaltung für Jung und Alt und besitzen die gleiche Struktur. Man musste nur den Namen des neuesten „Lego“-Games hören, um sich genau vorstellen zu können, was einen dabei erwartet. Obwohl wir zum Beispiel noch keine Fakten über “Lego Marvel SuperHeroes” kennen, haben wir doch schon eine gute Vorstellung vom Spiel.

Endlich ein lizenzloses „Lego“-Spiel

Auf “Lego City Undercover” haben wir schon lange sehnsüchtig gewartet. Nicht nur, weil es ein unterhaltsames “Lego”-Spiel sein wird, sondern auch weil es ein nicht auf einer Lizenz aufbauendes Open-World-Spiel ist, das die Serie von der festgefahrenen Struktur befreien könnte. Diese Hoffnung erfüllt sich zwar nicht ganz, aber die vorgenommenen Veränderungen machen „Lego City Undercover“ zum unterhaltsamsten „Lego“-Spiel seit Jahren.

Das Spiel erzählt die Geschichte des verdeckten Ermittlers Chase McCain, der in die Stadt Lego City zurückkehrt, um ein unerledigtes Geschäft zu beenden. Ein paar Jahre zuvor hat Chase den bösartigen Verbrecher Rex Fury hinter Gitter gebracht (das kommende 3DS-Spiel erzählt seine Geschichte), aber dabei versehentlichen den Namen seiner Angebeteten, Natalia, live im Fernsehen erwähnt. Sie war deshalb gezwungen, an einem Zeugenschutzprogramm teilzunehmen. Die Schuldgefühle brachten Chase dazu, Lego City zu verlassen. Als Rex aus dem Gefängnis ausbricht, wird er jedoch zur Rückkehr gezwungen.

Es wäre ziemlich schwierig gewesen, diese etwas tiefgründigere Handlung mit den “Lego”-typischen stummen Zwischenvideos zu erklären. Zum Glück hat sich Traveller’s Tales dazu entschieden, die Videos durch Synchronsprecher zu ergänzen. Das gab es in den meisten bisherigen „Lego“-Spielen nicht. Wir hatten die Befürchtung, dass der typische Slapstickhumor dadurch etwas verloren geht, aber durch die stimmliche Ergänzung ergibt sich sogar ein noch lustigeres Gesamtpaket.

Die Witze sind teilweise echt zum Brüllen, die Synchronsprecher sind (im englischen Original) hochqualitativ und die vielen Verweise auf bekannte Filme sollten jeden Spieler zum Schmunzeln bringen.

Alt und neu – die Mischung machts

Die offene Spielwelt sowie die Unterstützung von Synchronstimmen mögen andeuten, dass es sich bei “Lego City Undercover” um ein komplett neues Spiel handelt, das sich von seinen Vorgängern absondert. Im Kern ist „Undercover” aber dennoch ein Teil der Serie, denn ein Großteil der Engine, die Animationen, die Audioeffekte und die Blickfeldanzeige ähneln den alten Titeln stark. Und obwohl „Undercover“ weniger lineares Gameplay liefert, kehren viele altbekannte Aspekte zurück.

Wer gedacht hat, dass beispielsweise die “GTA”-Anwandlungen den engen Plattformleveln ein Ende setzen würden, hat falsch gedacht. Während des Spielverlaufs erhält man 15 Sondermissionen, bei denen Chase ein Gebäude oder einen bestimmten Bereich betritt. Dann befindet er sich im Prinzip in einem engen Level, das einem aus den lizenzierten “Lego”-Games sehr bekannt vorkommt. Wie gehabt, stößt man auf goldene und rote Bausteine, die man sammelt, um eine „City Hero“-Messanzeige zu füllen.

In früheren “Lego”-Spielen gab es bestimmte Abschnitte, die nur gewisse Charaktere betreten konnten. In “Lego Star Wars” konnten manche Türen beispielsweise nur von Sturmtruppen geöffnet werden. Der Spieler musste also im Verlauf des Games Sturmtruppen freischalten und das Level erneut spielen, um die Tür öffnen zu können. In „Undercover” gibt es ein ähnliches System, nur dass Chases dieses Mal verschiedene Verkleidungen mit entsprechenden Fähigkeiten benötigt. Im Polizistenaufzug besitzt er eine Art Harpunenpistole, als Verbrecher verkleidet kann er Schlösser und Safes aufbrechen und als getarnter Minenarbeiter lässt er mit Dynamit Sachen in die Luft fliegen.

Glücklicherweise wird dieses System nicht dazu benutzt, das Spiel künstlich in die Länge zu ziehen, sodass man nicht zu oft zurückgehen muss. Meistens gibt es auf den Level für die Sonderaufgaben nur Hindernisse und Geheimnisse, die Spieler mit den bereits vorhandenen Verkleidungen überwinden beziehungsweise erforschen können. In den Open-World-Abschnitten müssen Spieler hingegen des Öfteren im Geiste eine Notiz machen, weil sie etwas Interessantes entdeckt haben, das momentan noch unzugänglich ist.

Detailreiche Bauklötzchenstadt

Das ist aber auch gut so, denn “Undercover” hebt sich besonders durch seine offene Spielwelt hervor. In den bisherigen „Lego“-Spielen gab es einen Knotenpunkt, von dem aus die Spieler auf die “richtigen” Level gelangen konnten. Obwohl es hier 15 lineare Level für die Sondermissionen gibt, stellen diese nicht mehr länger das Hauptaugenmerk des Spieles dar.

Die meisten Missionen, Nebenmissionen und Geheimnisse findet man stattdessen in der Stadt. Die Sonderaufgaben dienen dabei eher als einmalig auftauchende Schauplätze. Den Großteil der Zeit verbringt man mit dem Erforschen der offenen Welt.

Der Detailreichtum der Stadt ist fantastisch. Es gibt vielfältige Regionen einschließlich Innenstadtstraßen, länglichen Gegenden sowie Gebieten, die man in Open-World-Spielen gewöhnlich nicht erwarten würde (zum Beispiel eine Gefängnisinsel, aber auch viele weitere alberne Orte, die wir nicht verraten wollen).

Man stößt auf über die Stadt verteilte Autos, Fußgänger und beeindruckende Gebäude. Hinzu kommen zerstörbare Objekte, zu deren Vernichtung man aktiv aufgefordert wird. Je mehr Laternenpfähle, Obststände und Hydranten man in einer Abfolge aus dem Weg räumt, desto stärker wird die Kombo und desto mehr Bausteine erhält man dafür.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Bisher klingt das alles super, aber „Lego City Undercover“ hat auch seine Schwächen. Manchmal wird der Spieler nicht genügend bei der Hand genommen, was besonders für die jüngeren Fans frustrierend sein kann. Nach etwa acht Stunden sind wir auf einer ziemlich großen Insel angekommen und wurden damit beauftragt, ein Kostüm zu finden. Weitere Hinweise gab es nicht, woraufhin wir für anderthalb Stunden ziellos in der Gegend herumgelaufen sind.

Das Wii-U-Miiverse bietet in solchen Situationen zwar Tipps und Unterstützung, das löst das Problem aber nicht auf.

Einige der GamePad-Funktionen müssen oftmals auf gut Glück angewendet werden. Die Karte auf dem Touchscreen des Controllers als Navigationsgerät zu verwenden, ist nicht einmal so lästig wie es klingt. Manchmal erhält man über den Zweitbildschirm auch Videoanrufe von verschiedenen Charakteren, was wirklich gut funktioniert und zum Spiel passt. Die Scanfunktion zum Auffinden von Verdächtigen oder versteckten Steinen kann aber ziemlich nervig sein, da die technischen Voraussetzungen des GamePads dafür nicht ausgereift genug sind.

Außerdem gibt es manchmal quälend lange Ladezeiten. Zunächst beim erstmaligen Starten des Spiels und danach immer beim Verlassen der offenen Spielwelt beziehungsweise Eintreten in eine der Sondermissionen. Ladezeiten dieses Ausmaßes haben wir seit der Veröffentlichung der Wii U noch bei keinem Spiel erlebt.

Neben den Hardwareproblemen taucht auch das klassische “Lego”-Problem von Sprüngen wieder auf. Oftmals ist es nicht möglich, die Weite eines Sprungs richtig einzuschätzen.

Fazit: Genau das hat die Wii U gebraucht

Diese Nörgeleien beeinträchtigen aber den Unterhaltungswert des ansonsten äußerst amüsanten Spiels kaum. Sogar nach dem Abschluss aller 15 Sondermissionen gibt es eine gewaltige Anzahl anderer Dinge zu sehen und zu sammeln, bevor der Spielfortschritt 100 Prozent anzeigt.

Es gibt auch eine große Anzahl an Sammelstücken zu finden: 450 goldene und 40 rote Steine, 290 Verkleidungen, 110 Fahrzeuge sowie 65 große “Super Build”-Steine.

Fügt man dieser Auswahl die zahlreichen Herausforderungen in der offenen Welt, die Fahrzeugrennen, die kriminellen Missionen (Autos von einem Ort zum anderen liefern und dabei den Bullen ausweichen), die Polizeimissionen (genau andersherum) sowie Unmengen anderer Challenges hinzu, holt man locker 40 bis 50 Stunden Spieldauer aus “Lego City Undercover” heraus.

“Lego City Undercover” ist genau die Art Spiel, das die Wii U dringend braucht. Es ist eine erinnerungswürdige Spritztour, die Spieler jedes Alters unterhalten wird. Die farbenfrohe, witzige Gestaltung spiegelt Nintendos Ethos wundervoll wieder. Wenn es für die Wii U weitere Exklusivspiele wie dieses geben wird, dann hat die Konsole noch eine viel längere Lebensdauer und Erfolgsaussichten vor sich, als Schwarzseher behaupten.

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Quelle: cvg