Tests28. März 2013 , 01:03 Uhr

“Luigi’s Mansion 2” im Test

Einer der Kritikpunkte am GameCube-Original aus dem Jahr 2002 war die Kürze des Spiels. Dieser Fehler wurde hier nicht wiederholt. Das sehnsüchtig erwartete Sequel “Luigi’s Mansion 2” ist im Vergleich dazu riesig. Es liefert 15 bis 20 Stunden Spielspaß sowie zahlreiche Gründe, warum man es auch danach noch in der 3DS-Konsole lassen sollte.

Luigi wird von Professor I. Gidd herbeigerufen, um die Bruchstücke des Finstermonds zu finden. Der Finstermond bewahrt die Geister des Nachtschattentals davor, gemeinen Schabernack zu treiben. Nachdem er auf mysteriöse Art und Weise zerschlagen wurde, flippen die Geister aus. Hier wird eindeutig ein Held gebraucht, um die Gespenster in ihre Schranken zu weisen. Bewaffnet mit dem Schreckweg 09/15 (im Prinzip ein Staubsauger für Geister) begibt sich Marios schlankerer, grüner Bruder auf die Geisterjagd.

Angsthase als Geisterjäger

Luigi zittert sich seinen Weg durch die Villen und erschreckt vor allem, was ihm in den Weg kommt. Es ist fast unmöglich, sich von seinem Charme nicht bezaubern zu lassen. Seine süßen Hilfeschreie und anderen Ausrufe bringen einen zum Schmunzeln. Die Charakteranimationen sind ebenfalls hervorragend. Luigis Hände beben, wenn er nach einem Türknauf greift, seine Daumen bibbern nervös, wenn er sich in einem Aufzug befindet (während das Titellied des Spiels im Hintergrund als Liftmelodie dudelt) und in jedem Raum wartet eine Menge Slapstickhumor.

Luigi fällt andauernd auf die von den Geistern gestellten Fallen im Stil von “Kevin allein zu Haus” herein. Er verfängt sich in einem Liegestuhl, fällt die Treppen herunter oder erhält eine unfreiwillige Dusche durch eine manipulierte Toilettenspülung. Sogar wenn das Zeichen zur erfolgreichen Beendigung der Mission erscheint, springt Luigi vor Schreck fast aus seiner Latzhose.

Die Villen und ihre speziellen Stammgäste sind genauso fesselnd. Wenn man alle Stücke des Finstermonds gefunden hat, löst sich ein Teil des dichten Nebels auf und enthüllt eine weitere Villa zum Erforschen. Diese reichen vom typischen Spukhaus wie die Gruselvilla von Professor I. Gidd bis hin zum eisigen Schneebergwerk oder exotischen Efeutürmen.

Jede Villa ist in kleinere Level eingeteilt, die etwa 15 bis 30 Minuten dauern. Professor I. Gidd kann Luigi mit einem speziellen Teleportierungsgerät ruckzuck zu verschiedenen Orten befördern, sodass man keine Zeit damit verliert, in den Level zurückgehen zu müssen. Insgesamt ist das Tempo in „Luigi’s Mansion 2” dadurch ziemlich hoch. Es gibt sogar ein Drei-Sterne-System zur Erfolgsmessung wie in „Angry Birds“

Beim Erforschen der Umgebungen wird man immer wieder von den Entdeckungen überrascht. Zu Beginn findet man versteckte Schätze, indem man Tischdecken oder die Tapete absaugt. Diese Fundstücke können zwischen den Leveln zur Aufrüstung der Ausstattung verwendet werden.

Versteckspiel

Später wird man jeden Ventilator anblasen, jeden herunterhängenden Gegenstand untersuchen und die Düsterlampe auf allerlei Dinge richten, um ein paar Goldbarren, Münzen und Geldscheine zu finden. Man könnte dabei in einen der versteckten Rätselräume eingesaugt werden, die sich gewöhnlich in Sarkophagen oder Särgen befinden. Dort kann man in der vorgegebenen Zeit so viele rote Münzen wie möglich sammeln.

Die Düsterlampe besitzt eine mehrfarbige Glühbirne und kann versteckte Objekte enthüllen. Die frechen Buu Huus, die gerne unentdeckt bleiben, haben alle möglichen Türen, Schränke und Schätze mithilfe von Wirrlichtern versteckt. Beleuchtet man sie mit der Düsterlampe, werden sie enthüllt. Man muss aber schleunigst alle Wirrlichter einsaugen, bevor sie sich die Gegenstände wieder schnappen.

Hierbei wird die 3D-Technologie so gut wie noch nie zuvor auf Nintendos tragbarer Konsole benutzt. Wenn die glühenden Bälle auftauchen, benötigt man die 3D-Sicht, um ein Gefühl für die Tiefe zu erhalten, sodass Luigi sie optimal aufsaugen kann. Die geniale Kameraführung des Spiels durch eine Art vierte Wand betont die dritte Dimension noch stärker. Man fühlt sich wie in einem riesigen 3D-Puppenhaus.

Die Quälgeister gehen Luigi auf den Geist

Wenn man nicht gerade auf Erkundungstour ist oder Rätsel löst, kämpft man gegen die Gespenster. Die einfachen, aber chaotischen Kampmechaniken werden nie alt. Luigi muss es mit den fiesen Grünlingen, den hartgesottenen Hauern, den intelligenten Poltergeistern sowie den trotzigen Klöpsen aufnehmen. Zunächst muss er sie mit dem Stroboblitz betäuben, dann ihre Energie einsaugen und auf Null reduzieren, bevor er sie mit dem Schreckweg 09/15 einsaugen kann.

Je weiter man voranschreitet, desto schlauer werden die Quälgeister. Sie finden neue Wege, sich zur Wehr zu setzen. Manchmal muss man ihnen erst die Sonnenbrille, einen beschützenden Helm oder einen Eimer abnehmen, bevor man sie schocken kann. Einer der Geister ist ziemlich gewitzt. Der freche Fiesling schnappt sich Ausrüstung, die zum Spielfortschritt notwendig ist, und schwebt damit von Zimmer zu Zimmer. Erst wenn man ihm hinterher jagt und sich die Ausrüstung zurückholt, kann man weitermachen.

Diese etwas nervigen Verfolgungsjagden werden jedoch durch zahlreiche erinnerungswürdige Momente wettgemacht. Das Beste ist, wie gut diese Momente im komplexen Spiel verwoben wurden. Einmal sind wir auf zwei Kisten gestoßen, von denen eine geöffnet war. Darin befand sich ein herrlich schimmernder Goldbarren, den wir natürlich sofort einsaugen wollten. Wir saugten und saugten, aber er hat sich keinen Zentimeter bewegt. Was ist da nur los? Das wollten wir genauer unter die Lupe nehmen und haben den Schatz mit dem Stroboblitz angeleuchtet. Das war ein großer Fehler. Der Barren hat den Strahl reflektiert, sodass wir uns damit selbst betäubt haben.

Plötzlich ist der Groschen gefallen. An der Kiste lehnte ein Spiegel, in welchem angezeigt wurde, was hinter uns versteckt war. Wir haben uns also umgedreht und die unsichtbaren Inhalte der Kiste aufgesaugt, wodurch wir auch prompt mit einem funkelnden Goldbarren belohnt wurden. Es ist genau wie in der Küchenszene aus „Jurassic Park”. Man fühlt sich gleichermaßen überrumpelt und belohnt.

Mit der Mischung aus raffinierten Rätseln, großartigen Charakteren, unterhaltsamen Kämpfen sowie den vielfältigen Umgebungen eines Themenparks wird in “Luigi’s Mansion 2” alles geliefert, was sich Fans von dem Sequel erhofft haben. Dazu ist es perfekt auf die 3DS-Konsole abgestimmt und bietet stundenlange Unterhaltung.

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Quelle: cvg