Tests26. Oktober 2012 , 01:10 Uhr

“Medal of Honor: Warfighter” im Test

“Medal of Honor: Warfighter” ist der zehnte Militärshooter des Verlegers in nur fünf Jahren und die Formel hat sich nicht verändert: Man folgt dem Anführer in geheimen Missionen, duckt sich vor explodierenden Militärbasen, steuert Drohnen, zieht zwielichtige Informanten zu Rate und springt mehr als einmal auf Geschütztürme, um ordentlich aufzuräumen. Das ist alles nichts Neues. Aber dann stellt man sich eine Frage: Ist etwas grundsätzlich falsch daran?

Es werden oft Vergleiche mit “Call of Duty” und Michael Bays Actionfilmen gezogen, also halten wir uns mal daran. Ist „Transformers“ einzigartig? Stößt es an seine Grenzen? Nein, es erzählt aber eine nette Geschichte und es gibt genug Explosionen, um einen zu unterhalten. Einfacher gesagt: Man bekommt, was man erwartet. Wer etwas Neues will, sollte „Dishonored“ spielen.

Ehekrise

Da der Ausdruck “Militärshooter” schon fast als schmutziges Wort betrachtet wird, hat Entwickler Danger Close versucht, das konstante Töten mit etwas melodramatischer Handlung zu rechtfertigen, beziehungsweise davon abzulenken. Kurze Videos zwischen den Missionen beschreiben die zerrüttete Beziehung von US-Marineoffizier Preacher zu seiner Frau Lena und der gemeinsamen Tochter Bella. Die Beziehung wird jedes Mal erneut auf die Probe gestellt, wenn Preacher wieder an die Front gerufen wird.

Tatsächlich sind Lena und Bella aber weniger eine emotionale Komponente in “Medal of Honor: Warfighter”, sondern mehr eine Belästigung des Spielverlaufs. Mal ehrlich, die Spieler wollen kämpfen, mit einer AK-47 in der Hand um sich schießen und gesagt bekommen, wann sie wohin zielen sollen. Der fesselndere Konflikt liegt eindeutig im verbombten Nahen Osten, nicht in trostlosen, amerikanischen Schnellrestaurants, wo unheimliche Charaktere über ihre Gefühle reden. Wir haben ja nichts gegen etwas zusätzlichen Kontext – es sollte aber nicht so hineingepresst wirken.

Krieg for Speed

Das Beste an “Warfighter” sind die Kämpfe an der Front. Das Game ist nicht unbedingt realistischer als seine Zeitgenossen, enthält aber durch das Auf-Knien-rutschen und Aus-der-Hüfte-feuern eine authentische Note. Man bekämpft die Aufständigen in unbevölkerten Dörfern und nicht vom Oval Office aus.

In einer Szene infiltriert man ein somalisches Küstendorf, welches durch leichten Regen bedeckt wird. Je näher man kommt, desto stärker regnet es, bis sich der Himmel öffnet und es in Strömen gießt. Am Ende des Levels wird man dazu gezwungen, sich in einem Motorboot zurückzuziehen, während man gleichzeitig schießen, das Boot steuern und Raketen abfeuernden Piraten ausweichen muss. Sequenzen dieser Art sind zwar auch nichts Neues, trotzdem ist es ein anregendes und spannendes Spielerlebnis.

In einer anderen Szene düst man in einem Hatchback über die überfüllten Straßen Dubais und flüchtet dabei vor schwarzen Geländewagen. Diese verfolgen einen, weil die Insassen nicht damit einverstanden sind, dass man einen ihrer Boten geknebelt und in den Kofferraum verfrachtet hat. Diese Sequenz ist ein bisschen wie EAs Rennspiel „Shift“ in der Rushhour, mit der innenseitigen Kameraführung und dem Gefühl, alle Geschwindigkeitsbegrenzungen zu durchbrechen.

Egoshooter-Erlebnis

“Warfighter” leiht sich zwar vieles aus, hat aber auch einiges selbst kreiert. In einer Schleichvariante von typischen Verfolgungsjagden schüttelt man seine Verfolger in einer Wohngegend ab, während man gleichzeitig eine schädliche Datei in einem Netzwerk hochlädt und sich in Seitenstraßen versteckt, wenn man auf dem GPS sich nähernde Autos entdeckt.

Weiterhin wird die First-Person-Perspektive im Game großartig umgesetzt. Mit der linken Schultertaste versteckt man sich hinter Wänden oder Absperrungen und benutzt den linken Stick, um sich vorzubeugen oder wieder zurückzuziehen. Diese Bewegungen kann man im Stehen, geduckt oder sogar liegend ausführen. Das ist eine taktische Alternative zum Rennen und Schießen, die es zwar in „Killzone 2“ schon gab, die in „Warfighter“ aber deutlich besser umgesetzt wurde.

Moderater Multiplayer

Was “Medal of Honor: Warfighter” an Originalität fehlt, macht es durch Funktionalität wett. Das Übungslevel findet in einem von Bergen eingebetteten, pakistanischen Terroristencamp statt. Außerdem gibt es ein paar Szenen, in denen man einen Raketen abfeuernden Zerstörungsroboter per Fernbedienung steuert. Diese kreativen Momente kommen zwar nicht häufig vor, aber es gibt sie.

Der Multiplayermodus ist keine Ausnahme vom Rest des Games. Es handelt sich um eine Mischung aus den schnellen Schießereien aus „Call of Duty“ und “Battlefield 3”. Von letzterem leiht sich das Game auch die Frostbite-2-Engine. Die Klassen bestehen aus einer Auswahl zwölft erstrangiger Soldaten aus der ganzen Welt (obwohl sie, wie eingangs erwähnt, alle ziemlich gleich aussehen), die man mit verschiedenen Waffen ausstatten kann.

Spiel, Spaß, aber keine Überraschung

Die Pistolen sind der Hauptanreiz von “Warfighter”, denn außer einem effizienten Match-System und einer Ausrüstung, die es schon in sämtlichen anderen Schießgames gab, gibt es nichts, das einen gefesselt hält. Der Mehrspielermodus ist zwar gut, aber nichts Außergewöhnliches. Damit könnte „Medal of Honor: Warfighter“ zwar in der Kampagne davonkommen, aber in einem Genre, das massenweise fantastische Onlineshooter bietet, ist das einfach nicht genug.

“Medal of Honor: Warfighter” schockiert nicht und liefert keine unerwarteten Enthüllungen. Es ist aber ein unterhaltsames Spiel. Die Waffen fühlen sich heftig an und es ist zufriedenstellend, die Feinde zu erledigen (was für einen Shooter ziemlich entscheidend ist). Ein paar erinnerungswürdige, kreative Momente unterbrechen den Ablauf und der Mehrspielermodus macht Spaß. Insgesamt handelt es sich bei „Medal of Honor: Warfighter“ um einen gut gemachten Militärshooter ohne Überraschungen, der für ein paar Stunden gute Unterhaltung sorgt.

Quelle: cvg