Tests11. Dezember 2012 , 12:12 Uhr

“Metal Gear Rising: Revengeance” – Eine Vorschau

In der Eröffnungsszene von „Metal Gear Rising: Revengeance“ sagt Raiden: “Ein Schwert hält das andere in seiner Hülle”. So beherrscht kennen wir ihn gar nicht.

Dieses clevere Zitat des englischen Schriftstellers George Herbert und Raidens unerschütterliches Auftreten sollten einen nicht in die Irre führen. Der Protagonist ist so naiv und leicht zu beeinflussen wie immer. Und er liegt mit seiner Aussage falsch, sehr falsch.

Unsere Demoversion mit Platinum Games’ Spin-off beginnt vier Jahre nach der Afrikareise von “Metal Gear Solid 4”. Seit dem Untergang der Organisation The Patriots arbeitet der polarisierende Protagonist Raiden aus “Metal Gear Solid 2” als Sicherheitsagent bei der friedenserhaltenden privaten Militärfirma Maverick Security Consulting. Wir begleiten ihn auf einer Routinemission zum Schutz des Ministerpräsidenten von Montenegro.

Krieg bleibt Krieg

Als die Fahrzeugkolonne von Schlägertypen der privaten Militärfirma Desperado Enforcements (einem rivalisierendem Unternehmen, das aus Cyborgsoldaten und Metal Gear Rays besteht) angegriffen wird, fangen die Dinge an, schiefzugehen. Es ist nicht der beste Start für Raiden, der dabei zusehen muss, wie der Ministerpräsident entführt und sein Team zu Kleinholz gemacht wird. Was war das nochmal über Schwerter in ihren Hüllen?

Es stellt sich heraus, dass die Firma Desperado Enforcements auf Krieg steht. Er sorgt für technischen Fortschritt, Jobs und Geld. Das ruchlose Unternehmen ist dabei, eine gesamte Region zu destabilisieren, nur um das Kriegsgeschehen am Laufen zu halten. Außerdem ist Desperado in Organhandel verwickelt, um Experimente durchführen zu können.

Raiden wird von seinem Gerechtigkeitsgefühl geleitet (das durch sein Schwert als Avatar symbolisiert wird) und beginnt einen Kreuzzug, um Desperado aufzuhalten.

Schnipp Schnapp

Die Kernidee von “Metal Gear Rising: Revengeance” ist, dass Spieler ungehindert alles zu jeder Zeit durchtrennen können. Die Ausnahme ist eine Katze in Abkhazia. Man kann sein Schwert schwingen, so viel man möchte. Sie entgeht der Klinge jedes Mal mit einem Rückwärtssalto.

Außer der Ninjakatze kann Raidens Schwert durch sämtliche Objekte gleiten, als wären sie warme Butter. Mit dem Klingenmodus kann man genau festlegen, in welchem Winkel man durch einen Gegenstand schneiden möchte.

Es handelt sich dabei natürlich nur um eine technische Spielerei, aber es macht richtig Spaß. Wir haben übertrieben viel Zeit damit verbracht, die Hauptziele des Games zu ignorieren und sind stattdessen herumgelaufen, um wahllose Objekte zu Hackfleisch zu verarbeiten. Das physische Modell dahinter ist in Ordnung, selbst wenn man die Waffe wie ein wahnsinniger Dirigent schwingt. Ein cooler Zusatz ist die Bildschirmanzeige, die verfolgt, in wie viele Stücke man einen Gegenstand gemetzelt hat. Unsere Höchstleistung war ein Auto, das wir in 300 kleine Teile geschnitten haben.

Nachdem wir alles in unserer Umgebung zu Kleinholz gemacht haben, sind wir via Radarführung zu unserem Ziel geeilt. In Abkhazia soll Raiden die Macht von Desperado zerschlagen und die Überreste der gewählten Regierung wieder in Kraft setzen.

Schere, Stein und gigantisches Schwert

Raiden geht die Mission in einem neuen Anzug an. Präzises Klingen schwingen verbraucht Ressourcen, deshalb kann Raiden beim Halbieren der Feinde die Elektrolytenabsorptionsfunktion des Anzugs benutzen, um seinen Speicher zu füllen. Cyborgfeinde besitzen außerdem Reserven an biotischem Brei, durch welchen Raiden seine Energie aufrechterhalten kann. Um diese zu erhalten, muss man „Zandatsu” benutzen. Wir nehmen an, es handelt sich dabei um eine japanische Kurzfassung von “Man halbiere den Feind und reißt seine Energiereserven an sich.“

Neben „Zandatsu“ kann man die Feinde durch eine standardisierte Mischung aus leichten und starken Angriffen ebenfalls dazu bringen, ihre Güter fallen zu lassen. Durch den Klingenmodus und perfekt ausgeführte Attacken mit dem Schwert, kann man sich den Brei jedoch schnappen, bevor er auf den Boden fällt. Somit stellt man sicher, dass er seine volle Wirkungskraft behält.

Wenn man vergangene Spiele von Platinum Games betrachtet, ist es keine Überraschung, dass das Gameplaygemetzel insgesamt robust und umfassend ist. Die Gefechte sind zwar nicht so offen wie beispielsweise in „Bayonetta“, aber „Metal Gear Rising: Revengeance” ist mit einem etwas kleineren Arsenal an Bewegungen genauso flüssig.

Am Anfang kann Raiden nur grundlegende Kombos ausführen und verfügt nicht einmal über zuverlässige Ausweichmanöver. Gegen Ende unseres Testkapitels hatten wir jedoch genug Punkte, um fortgeschrittene Kombos, Luftattacken und vieles mehr freizuschalten.

Abwehr ist die beste Verteidigung

“Metal Gear Rising: Revengeance” ist ein hartes Spiel. Schon die Gefechte gegen einfache Gegner verlangen gute Fähigkeiten. Gegen stärkere Feinde und Endgegner bedarf es fehlerfreier Ausführung der Moves.

Der Schlüssel im Kampf liegt in der Abwehr. Hierzu gehört besonders das perfekte Timing, um einen Angriff zu parieren. Wir mussten das während eines Kampfes mit Bladewolf, einem vierfüßigen Roboter mit schlauer KI und einem Kettensägenschweif, auf die harte Tour lernen.

So spannend das Abwehrsystem ist, hat es aber auch ein paar Mängel. Besonders ärgerlich ist die Kamera. Diese bewegt sich manchmal zu viel, vor allem, wenn sie mit den sehr beweglichen Feinden mithalten muss. Mehr als einmal wollten wir ein präzises Abwehrmanöver ausführen, aber aufgrund einer unerwarteten Kamerabewegung ging dieses daneben. Durch das Fehlen einer Feststellfunktion für die Kamera wird dieses Problem noch verschlimmert.

Ein bisschen Spaß muss sein

“Metal Gear Rising: Revengeance” schwelgt in Absurditäten. Wer glaubt, dass die Szene aus “Metal Gear Solid 4”, in der Raiden ein Kriegsschiff mit seinen bloßen Händen aufhält, übertrieben war, muss sich in „Rising“ auf einiges gefasst machen. Metal Gear Rays werden entzwei gerissen, Gekkos werden wie Frisbees umhergeschleudert, Raketen werden als Sprungbrett verwendet und es gibt viele Momente, in denen man seitlich auf zerbröckelnden Bauten umherläuft.

Um in Mexiko unauffällig zu bleiben, verkleidet sich Raiden mit einem lächerlich großen Poncho. Überraschenderweise steht er damit in den Straßen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Er macht das Ganze jedoch besser, indem er verwirrten Schaulustigen ein “Adios Amigos” entgegenruft, bevor er in der Kanalisation verschwindet.

Durch diesen Sinn für Humor erhält “Metal Gear Rising: Revengeance” eine nette Leichtigkeit. Verschiedene Charaktere mit schrulligen Marotten passen dazu perfekt. Boris, der Gründer von Maverick Security Consulting, ist ein fröhlicher Russe, der immer für eine Rauferei zu haben ist. Courtney, das IT-Genie, verschüttet ständig ihren Kaffee, weswegen man den Missionsaufseher Kevin mehrmals dabei beobachten kann, wie er ihre Tasse verschiebt.

Die Moral von der Geschicht’

“Metal Gear Rising: Revengeance” versucht außerdem, eine ernsthafte Botschaft zu vermitteln. In unserer Testversion hatten wir das Gefühl, dass es das auch hinbekommt. Im vierten Kapitel macht sich Raiden auf in die USA, um Sam (den Cyborgninja, der für die Niederlage in Afrika verantwortlich war) zu stellen. Dieses Mal befindet sich Raiden aber auf heimatlichem Boden. Die ethische Grenze, die Raiden von seinen Feinden trennt, verschwimmt dabei. Der Spieler wird dazu gezwungen, über die Moral hinter mutwilligem Töten nachzudenken. Dieser emotionale Zusatz ist ein unverwechselbares Markenzeichen von Kojima.

Unsere Testversion von “Metal Gear Rising: Revengeance” hat einen guten Eindruck hinterlassen. Das Game ist nicht fehlerfrei, aber die Kernmechanismen sind robust und das befriedigende Zerstückeln mit dem Schwert werden wir lange nicht vergessen. Fans von Actiongames aus der Third-Person-Perspektive können sich auf 2013 freuen.

Quelle: cvg