Tests28. November 2012 , 12:11 Uhr
“Nintendo Land” im Test
“Nintendo Land” ist das Wii-U-Gegenstück zu “Wii Sports”: Ein leichtes und fröhliches Minispielvergnügen, mit dem man die Funktionen der Konsole erlernt.
Diese Übungen werden jeweils in einem Rahmenwerk verpackt, das viel Unterhaltung bietet. Dabei enden jedoch die Ähnlichkeiten mit „Wii Sports“ auch schon. Beide Games sind zwar Tutorien, sie bringen einem aber unterschiedliche Dinge bei.
“Wii Sports” war der Moment, in dem man zum ersten Mal einen Schläger in die Hand genommen und geschwungen hat. “Nintendo Land” geht davon aus, dass mittlerweile jeder weiß, wie man einen Controller schwingt. Deshalb möchte das Game lehren, was man wirklich mit der neuen Konsole anstellen kann.
Nintendo gibt sich dabei unglaubliche Mühe und entführt den Gamer in den siebten Spielehimmel. „Nintendo Land“ ist ein virtueller Themenpark, der die glorreichen Höhepunkte der 30-jährigen Nintendo-Geschichte honoriert.
Die Schönheit der speziellen, aber einladenden Fassade von “Nintendo Land” ist verführerisch, und auch grauhaarige 8-Bit-Veterane könnten Gefallen an diesem Ort finden. Das ist von großer Bedeutung, da der asymmetrische Wii-U-Mehrspielermodus Gamer verschiedener Erfahrung und mit unterschiedlichen Talenten in einem Spiel zusammenbringen möchte.
Die glitzernde Welt von “Nintendo Land” ist ausreichend, um die Aufmerksamkeit der Spieler zu erregen. Die Qualität der Minispiele ist jedoch ausschlaggebend dafür, ob „Nintendo Land“ diese Aufmerksamkeit aufrechterhalten kann. Es gibt insgesamt zwölf Attraktionen, und wir haben sie alle getestet.
1. „Mario Chase“:
(Zwei bis fünf Spieler)
In “Nintendo Land” gibt es drei sehr verschiedene Varianten des Spieles “Pac-Man Vs.”, ein von Miyamoto kreiertes Labyrinthgame, in welchem vier Gameboy-Advance-Spieler zusammenarbeiten, um einen fünften Spieler (Pac-Man) auf dem TV-Bildschirm zu fangen.
Von diesen drei Interpretationen kommt „Mario Chase“ der Originalformel am nächsten. Der GamePad-Spieler übernimmt Marios Rolle des Gejagten und erhält einen Vorsprung von zehn Sekunden. Danach können bis zu vier Toads gemeinsam losschießen, um Mario zur Strecke zu bringen.
Der Gejagte sieht das Labyrinth und den Aufenthaltsort der Toads, während die Jäger sich den Fernsehbildschirm teilen müssen und immer nur einen vergrößerten Ausschnitt des gesamten Geschehens auf der Karte erhaschen können.
Die Karten sind in vier verschiedenfarbige Zonen eingeteilt, sodass sich die Jäger über Marios Position austauschen können, wenn sie ihn erspähen. Man kann mit Ausrufen rechnen wie: „Er läuft in die blaue Zone! Nein, Moment, er geht zurück zu Gelb!“
Innerhalb dieser simplen Vorlage gibt es überraschend viel Spielraum für Strategien. Deshalb macht es umso mehr Spaß, sich nach der Runde gemeinsam die Wiederholung auf dem großen Bildschirm anzusehen und zu entdecken, wie sich die Geschehnisse entfaltet haben.
Genau für diese Art Gameplay ist die Wii U geschaffen: amüsant und leicht, aber mit einer verschlagenen Note. Es ist nur schade, dass Nintendo nicht mehr als drei Karten für „Mario Chase“ entwickelt hat. Besonders die zweite Karte mit ihren Schlammgräben und Brücken, die verschwinden, sobald Mario darüber gelaufen ist, sodass die Verfolger im braunen Matsch enden, deutet auf das Potenzial des Games hin.
2. „Captain Falcons Twister Race“:
(Ein Spieler)
Es ist “F-Zero” auf der Wii U! Vielleicht nicht ganz, denn „Captain Falcons Twister Race“ erinnert eher ein Hindernisrennen mit Gullylöchern, Geröll und schwerfälligem Weltraumverkehr.
Das Fahrzeug wird durch Neigen des Beschleunigungsmessers am GamePad gesteuert. Die Action wird auf beiden Bildschirmen angezeigt. Aufgrund der hohen Mauern, die die Rennstrecke umsäumen, sollte man sich aber am Besten auf die Vogelperspektive konzentrieren, die auf dem GamePad angezeigt wird. Wenn man in einen Tunnel fährt, muss man jedoch auf den TV-Bildschirm wechseln.
Außerdem zeigt der Fernsehbildschirm ein Echtzeitvideo des eigenen Gesichtes, das durch die GamePad-Kamera aufgenommen wird. Endlich kann man entdecken, wie man dabei aussieht, wenn man sich richtig ins Zeug legt.
3. „Balloon Race Breeze“:
(Ein Spieler)
Diese „Nintendo Land“-Attraktion ist eine glaubhafte Neuerfindung des NES-Klassikers mit fast demselben Namen. „Balloon Race Breeze“ bringt jedoch ein paar neue Funktionen mit sich. Man verwendet zum Beispiel den Touchbildschirm, um den Ballon zu steuern, wobei jeder Wisch mit dem Touchstift eine Brise verursacht, welche die Figur in die jeweilige Richtung bläst.
Es handelt sich im Prinzip um ein Highscorespiel. Durch Zusatzmechanismen nach dem Motto “Risiko gegen Belohnung” kann man seinen Punktestand ankurbeln. Taucht man für eine paar Mikrosekunden ins Wasser, kann man einen Fisch an die Oberfläche locken. Jetzt muss man nur noch in letzter Sekunde ausweichen, um ein Power-Up zu gewinnen. Man kann auch ein Überraschungsgeschenk zum nächsten Checkpunkt transportieren. Dadurch hat man aber mehr Gewicht und es ist wahrscheinlicher, dass man von einer der scharfen Spitzen auf dem Weg erwischt wird.
Das Game ist nicht viel besser als ein Standard-iOS-Spiel, aber als Teil einer großen Minispielesammlung ist es ein willkommenes Vergnügen.
4. „Metroid Blast“:
(Ein bis fünf Spieler)
Für dieses Spiel sollte man seine Nunchuks ausgraben beziehungsweise sich welche zulegen. Bis zu vier Spieler können hier ihre Samus-Ausrüstung anziehen und sich auf Third-Person-Shooting-Action gefasst machen. Der GamePad-Halter überwacht das Geschehen von einem Kampfflugzeug aus.
Die Koop-Kampagne ist überraschend heftig und besteht aus zahlreichen Missionen sowie dem ein oder anderen Endgegnerkampf. Es lässt sich nicht vermeiden, dass die Bodentruppen härter kämpfen müssen als der GamePad-Spieler. Dieser kann besiegte Gamer jedoch retten, indem er wartet, bis sich die Feinde in ihrem Bereich befinden und sie dann abschießt. Dadurch generiert er ein Wiederbelebungsicon.
Gezanke innerhalb des Teams können in einem der zwei Wettbewerbsmodi ausgetragen werden. Im Boden-vs.-Luft-Modus bekämpft der GamePad-Spieler im Kampfflugzeug alle anderen. Bei der Bodenschlacht handelt es sich um einen geradlinigen Todeskampf zwischen allen Beteiligten.
Verglichen mit den Shooterstandards heutzutage ist die Action harmlos wie ein Goldhamster. Wenn man aber seine Oma davon überzeugen möchte, „Halo 4“ auszuprobieren, gibt es keine bessere Einstiegsdroge.
5. „Legend of Zelda: Battle Quest“:
(Ein bis fünf Spieler)
Manchmal bedeutet “asymmetrisches Gameplay” einfach, dass ein Spieler viel mehr Spaß als die anderen hat. „Battle Quest“ ist ein Beispiel dafür.
Wer das GamePad beim Start dieser „Nintendo Land“-Attraktion in der Hand hält, hat praktisch gewonnen, denn er wird das Geschehen viel mehr genießen können als die Mitspieler.
Der GamePad-Spieler ist mit Pfeil und Bogen ausgestattet. Man zielt, indem man den Bildschirm in die Höhe hält und auf das Ziel zeigt. Man spannt den Bogen durch schnelles Neigen des Pads in eine horizontale Position. Nach ein paar Anfangsproblemen mit dieser Steuerung, fühlt sich alles ganz selbstverständlich an.
Ach ja, alle Links mit den normalen Controllern dürfen mit diesen wie mit einem Schwert herumfuchteln. Das macht auch irgendwie Spaß, aber ist eben nicht mit der Pfeil-und-Bogen-Action vergleichbar.
6. „Yoshi’s Fruit Cart“:
(Ein Spieler)
Um ehrlich zu sein, erinnert uns dieses Minigame an die oberflächlichen Angebote, die es in der Anfangsphase der DS gab. Man muss Yoshis Einkaufswagen zum Ziel steuern und dabei alle Früchte auf dem Bildschirm einsammeln.
Hierzu folgt man einem Pfad auf dem Touchscreen des GamePads, aber (Achtung, dramatische Wendung!) die Früchte, Hindernisse und alles andere wird nicht auf dem Touchscreen angezeigt, sondern auf dem Fernsehbildschirm. Das heißt, man muss beide Bildschirme konstant im Auge behalten.
Spieler dieser Art machen Riesenspaß, aber muss man wirklich jedes Mal wieder von vorne beginnen? Dieses Problem taucht in mehreren Singleplayergames auf, ist aber nirgends frustrierender als in „Yoshis Fruit Cart”.
7. „Animal Crossing: Sweet Day“:
(Zwei bis fünf Spieler)
Jeder, der Probleme dabei hat, beim Laufen gleichzeitig Kaugummi zu kauen, wird dieses Spiel nicht mögen. Es handelt sich dabei um ein weiteres Labyrinthgame, in welchem der GamePad-Nutzer dieses Mal den Verfolger spielt.
Das Verzwackte daran ist, dass der Jäger zwei Wachen gleichzeitig navigieren muss, einen mit jedem Analogstick. Mit diesen zwei umständlichen Werkzeugen muss man die anderen Spieler erwischen. Diese arbeiten zusammen und versuchen, so viele Süßigkeiten wie nur möglich an einem bestimmten Ort zu sammeln, bevor die Zeit abgelaufen ist.
Der GamePad-Spieler hat es dabei nicht leicht. Der einzige Angriff der Wachen besteht aus einem ungeschickten Sprung nach vorne. Glücklicherweise werden die Köpfe der anderen Gamer durch das Aufglauben der Süßigkeiten exponentiell flacher und sie werden schwerfälliger. Hierdurch sind sie für den GamePad-Nutzer besser einzufangen.
Die Naschkatzen sollten sich also häufig auf den Weg zum Süßigkeitendepot machen. Dadurch werden sie jedoch berechenbar. Clevere Verfolger lauern einfach dort, bis ihre Opfer auftauchen, um ihre Süßigkeiten abzuliefern. Von allen Labyrinthgames aus „Nintendo Land“ ist “Animal Crossing” das zunächst am wenigsten zugängliche, aber sobald man den Dreh raus hat, erkennt man dessen taktische Tiefe.
8. „Takamuru’s Ninja Castle“:
(Ein Spieler)
Bei dieser Attraktion hält man das GamePad seitlich und schnalzt den Touchscreen in Richtung Fernsehgerät, um Ninjasterne in eine Horde unglaublich süßer (aber tödlicher) Chibi-Ninjas zu pfeffern. Es handelt sich bei dem Game um eine etwas bessere “Operation Wolf”-Kopie, aber der ungewöhnliche Abschussmechanismus macht „Takamurus Ninja Castle“ interessant (obwohl das Handgelenk etwas darunter leidet).
Das Gameplay ist in einer herrlich grimmigen Handlung verpackt: Die “Nintendo Land”-Hostess Monita wird von der Ninja-Armee entführt.
9. „Octopus Dance“:
(Ein Spieler)
Endlich bekommt der “Game & Watch”-Titel “Octopus” aus dem Jahr 1981 etwas Aufmerksamkeit. Das Ziel lautet, die Tanzbewegungen des Tauchers durch Schütteln und Kippen des GamePads nachzuahmen. Der Taucher wird sich immer wieder drehen und einen anblicken. Dann sollte man sich auf den GamePad-Bildschirm konzentrieren, da der Taucher dort von hinten gezeigt wird und man die Bewegungen leichter kopieren kann.
Vermasselt man seinen Einsatz, kommt der Originalkrake des “Octopus”-Spieles und verschlingt einen.
10. „Luigi’s Ghost Mansion“:
(Zwei bis fünf Spieler)
Das letzte der drei Labyrinthspiele ist wahrscheinlich das spannendste von allen. Jeder hat hier klare Sicht auf das Spielfeld und es gibt bis zu vier Luigis auf dem TV-Bildschirm. Der Geist spielt mit dem GamePad. Der Unterschied zwischen beiden ist, dass der Geist die Luigis sehen kann, aber die Luigis können den Geist nicht sehen. Hilfe!
Vier Fünftel des Spielfelds befinden sich im Dunkeln und machen jede Runde zu einer riskanten Angelegenheit. Gewöhnlich schließen sich die Luigis zusammen und versuchen mit ihren kleinen Taschenlampen ein bisschen Licht in die Sache zu bringen. Das ist ihre einzige Waffe gegen den machtvollen Geist. Es leuchtet aber immer wieder ein Blitz auf und enthüllt den Standort des Geists. Außerdem vibriert das Eingabegerät kurz, wenn man sich in seiner Nähe befindet.
Der GamePad-Spieler hat es in “Luigi’s Ghost Mansion” viel leichter, das Gesamtspiel muss darunter aber nicht leiden. Es ist eines der größten Klischees überhaupt, aber in diesem Game ist dabei sein wichtiger als gewinnen. Wenn das die typische Art innovativer Multiplayererlebnisse ist, die wir in Zukunft von der Wii U erwarten dürfen, waren die 300 Euro eine gute Investition.
11. „Pikmin Adventure“:
(Ein bis fünf Spieler)
Diese Attraktion ist ehrlich gesagt nicht sonderlich beeindruckend. Es geht von Anfang bis Ende um grundlegendes Tastendrücken. Der GamePad-Spieler (Olimar) kann alle anderen Spieler (Pikmin) mit einem einzigen Pfiff herbeirufen. Die Idee dahinter ist, dass der GamePad-Nutzer eine Art General ist, der sich um das Wohl der anderen Spieler sorgt und diese einsaugen kann, um sie an schwachen Punkten auszuspucken, die die Pikmin auf dem Boden nicht erreichen können. In Wirklichkeit wird diese Funktion unter Freunden aber nur zum Pöbeln verwendet.
Im Gesamtkontext ist “Pikmin Adventure” eine nette Abwechslung, aber als eigenständiges Game wäre es sein Geld nicht wert.
12. „Donkey Kong Crash Course“:
(Ein Spieler)
Hier haben wir ein lustiges Reaktionsgame, das uns an Tomy-Handheld-Games erinnert, die man in den 70er und 80er Jahren kaufen konnte, bevor ein cleverer Mensch den Strom erfunden hat.
Man muss dabei einen kleinen Wagen von einem zum anderen Ende der Strecke führen, indem man Hebel und Lifts aktiviert. Es ist kein Rennspiel im eigentlichen Sinne, aber durch einen fortwährend tickenden Timer und die geisterhafte Erscheinung der Bestzeit wird man zur Höchstleistung angespornt.
Fazit:
Die besten “Nintendo Land”-Attraktionen sind unserer Meinung nach “Animal Crossing: Sweet Day”, “Luigi’s Ghost Mansion” und “Mario Chase”. Das ist etwas besorgniserregend, da es sich allesamt um „Pac-Man Vs.“-Variationen handelt. Die Wii U ist zweifelsohne gut darin, Versteckspiele ausgezeichnet darzustellen. Die anderen Mehrspielergames scheinen aber kein Potenzial dafür zu haben, dass man sie auch nach Monaten und Jahren noch spielen möchte.
Andererseits war “Wii Sports” auch nicht für die Ewigkeit gemacht. Trotzdem hat es die Entwickler nicht davon abgehalten, sich neue Funktionswege für die Remote auszudenken. Wir sollten uns über die große Anzahl an GamePad-Funktionen also nicht den Kopf zerbrechen. Stattdessen sollten wir “Nintendo Land” als Spiel zu schätzen wissen, das uns drei ausgezeichnete Versionen des beliebtesten Multiplayergames aller Zeiten sowie ein paar nette Minigames als Extra liefert. Wer mindestens einen Freund in dieser Welt hat, sollte auf seinem Regal Platz für ein „Nintendo Land“-Exemplar schaffen.
Quelle: cvg