Tests3. Januar 2013 , 12:01 Uhr
“PlanetSide 2” im Test

Wenn es stockdunkel ist, sieht man am Himmel eine Vielzahl an Sternen. Jeder davon ist ein heißer Gasball, der seine ganz eigene Geschichte schreibt.
In “PlanetSide II” entdeckt man etwas Ähnliches, aber anstelle von Sternen sieht man Leute. Echte Menschen, die in ihren Häusern und Wohnungen genauso außerhalb unserer Reichweite sind, wie die Sterne am Nachthimmel. Jedes einzelne Licht ist eine andere Person.
Eine gute Mischung
„PlanetSide 2“ ist ein sogenannter Massively-Multiplayer-First-Person-Shooter. Das Konzept ähnelt dem Original-„PlanetSide“: Drei Parteien führen auf dem Boden und in der Luft ewigen Krieg über eine handvoll Kontinente. „PlanetSide“ wurde von der vorhandenen Technologie aus dem Jahr 2003 behindert, während „PlanetSide II“ von dem zehnjährigen technischen Fortschritt profitiert.
Hunderte von Spielern kämpfen über drei Kontinente. Indar ist rot und staubig. Amerish ist grün und von dichtem Dschungel bedeckt. Esamir ist eisig, wunderschön, nachts von Nordlichtern erhellt und am Tag wird die Sonne vom Eis reflektiert. Jeder Kontinent ist von Stationen verschiedener Größen übersäht, die von einer der drei Fraktionen (die militärische Terranische Republik, das selbstgerechte Neue Konglomerat sowie die Vanu-Souveränität) eingenommen werden kann. Durch die Eroberung der Stationen erhält man Ressourcenboni, die alle paar Minuten ausgezahlt werden. Damit können dann Fahrzeuge und Ausrüstung erstanden werden. Es entfaltet sich in “PlanetSide 2” gleichzeitig ein gewaltiger Krieg zwischen Hunderten von Spielern, in einem Ausmaß, das man außer in “EVE Online” noch nie gesehen hat.
“PlanetSide II” ist ein MMO, das gleichzeitig spannende Gefechte und Kämpfe hat, die die volle Aufmerksamkeit des Spielers verlangen. Nur wenige Games haben es bisher geschafft, beide Konzepte gut zu verknüpfen.
Klassen, Waffen, Gefechte
Es gibt fünf Klassen in “PlanetSide 2”: Spion, schwere Angriffseinheit, leichte Angriffseinheit, Gefechtssanitäter und Ingenieur. Wenn man in einer der Klassen spawnt und sich zur Bewaffnungsstation begibt, kann man auch im Outfit der sechsten Klasse spielen: dem MAX-Anzug. Dieser hat schwere Waffen an jedem Arm und man sieht darin aus wie ein wandelnder Panzer.
Die Infanteriekämpfe sind nicht perfekt. Es könnte an der Unerfahrenheit von Entwickler SOE mit modernen Shootern liegen oder an der puren Größe des Spiels. Es hat zur Folge, dass es den Waffen in “PlanetSide II” im Vergleich zu kleineren Egoshootern etwas an Stoßkraft fehlt. In „Call of Duty“ kann man geradezu fühlen, wie die Kugel die Organe des Gegners durchstößt. In „PlanetSide 2“ erinnert der Einschlag eher an „Battlefield 3“ und ist nicht ganz so kraftvoll.
Die schiere Größe des MMO macht diese kleinen Mängel jedoch mehr als wett. Die Infanteriegefechte sind trotz allem wild, verrückt und finden an unzähligen Schauplätzen statt.
Frei wie ein Vogel
Die Fahrzeugkämpfe sind jedoch noch berauschender. Wir haben sehr viel Zeit in der Luft, nämlich im Cockpit unseres Mosquito, verbracht. Es handelt sich dabei um ein schnelles Fahrzeug der Terranischen Republik, das dank seiner unübertroffenen Höchstgeschwindigkeit die Feinde in der Luft ausschaltet wie Fliegen. Während etwa fünf Stunden im Himmel von „PlanetSide II” haben wir eine langjährige “Top Gun”-Fantasie ausgelebt.
Wir sind sehr viel geflogen und waren dabei mit unseren Freunden verbunden, die uns aufgeregt Ziele gezeigt haben oder uns vor Angriffen warnten. Neben unseren Flugerlebnissen haben wir an Panzerschlachten teilgenommen und einen Bus durch den Dschungel gefahren, um Feinde auszuspionieren. Nicht all unsere Freunde in „PlanetSide 2“ können fliegen, aber sie können sich auf dem Boden fortbewegen, während wir aus der Luft Deckung geben. Es gibt für jeden Spieler Gebiete, die ihm Spaß machen werden und in denen er sich spezialisieren kann.
Ohne die Freunde in der Nähe ist “PlanetSide 2“ ein anderes Spiel. Es sieht immer noch toll aus, aber es fühlt sich zielloser und frustrierender an. Spielt man alleine, fühlt man sich wie einer der Milliarden von Sternen am Himmel, klitzeklein zwischen den drei großen Kriegsmaschinen. Der Krieg bewegt sich schnell, und alleine fühlt man sich darin etwas verloren.
Hierarchie
In “PlanetSide II” gibt es komplexe Kommandostrukturen. Man kann einem sogenannten Outfit beitreten, das eine Art Gilde oder Clan ist. Die Outfits unterscheiden sich in der Größe zwischen den kleineren Squads mit bis zu zwölf Spielern und mehreren Platoons mit Hunderten von Mitgliedern. Wenn man einem Outfit beitritt, kann man immer wieder mit denselben Spielern aufs Schlachtfeld ziehen. Da „PlanetSide 2“ ein teambasiertes Game ist, kann man somit den vollen Spielspaß genießen. Wenn man diese Struktur missachtet, hat man keine Ahnung, was im ewigen Krieg zu tun ist.
“PlanetSide 2” benötigt dringend eine Einführung für neue Spieler. Es ist einfach, einem Squad beizutreten, aber die Gruppen sind gewöhnlich weit verstreut. Auf den drei Kontinenten im Game gibt es eine gewaltige Anzahl an Gebäuden, um die man kämpfen kann und als Anfänger verrennt man sich schnell mal in einer verlorenen Sache. Nur durch Entschlossenheit schafft man es zum Ziel und viele werden eine Niederlage hinnehmen müssen. Man sollte sich jedoch durchbeißen, denn die Erfahrung, die man sammelt, ist in “PlanetSide II” von größter Bedeutung.
Geld regiert die Welt
„PlanetSide 2“ ist ein kostenloses Spiel und finanziert sich teilweise über Mikrotransaktionen. Alle Spieler haben jedoch Zugriff auf alle Fahrzeuge und Kontinente, ohne einen Cent dafür bezahlen zu müssen. Auch alle Waffen sind kostenlos, und außer kosmetischer Aufrüstung kann man sämtliche Zusätze über Zertifizierungspunkte freischalten. Diese erhält man im Spieldurchlauf unter anderem für Tötungen, die Einnahme von Stationen und ebenso passiv im Verlauf des Spiels.
Das Verdienen der Zertifizierungspunkte ist jedoch harte Arbeit. Im Durchschnitt erhält man etwa 50 pro Stunde. Eine neue Waffe kostet aber circa 1000 Zertifizierungspunkte. Da überlegt man sich schnell, ob man die neue Waffe nicht einfach über echtes Geld kauft. Die Preise dafür sind aber gesalzen. Zum Glück sind die meisten Waffen kein Muss.
Über Zertifizierungspunkte kann man außerdem Fähigkeiten sowie Zubehör für Fahrzeuge, Waffen und Klassen freischalten. Militärstützpunkte werden von verschiedenen Fraktionen eingenommen, die Kontinente befinden sich ständig unter anderer Herrschaft, aber der eigene Charakter entwickelt sich stetig weiter. Man kann zum Beispiel die Geschwindigkeit der Fahrzeugreparatur erhöhen oder einen Wärmesensor an der Waffe anbringen. Die Preise dafür durchlaufen das gesamte Spektrum. Man erhält beispielsweise eine um zehn Prozent höhere Gesundheit für nur einen Punkt, während man etwa 500 Punkte für ein Flugzeugzubehör bezahlt.
Trotz dieser kleinen Ungereimtheiten ist “PlanetSide II” einfach atemberaubend. Man kann die gigantische Spielwelt kaum aufnehmen und es gibt unendlich viele Dinge zu entdecken. Am meisten Spaß macht der Weltallkrieg mit Freunden, wenn man die Kämpfe in der eisigen Luft oder im dichten Dschungel gemeinsam austrägt. So wie die Sterne im Nachthimmel ist „PlanetSide 2” einfach wunderschön.