Tests19. April 2012 , 02:04 Uhr

Rayman Origins

Gute Jumb-‘n’-Run-Spiele sind wie gute Rennspiele. Sie benötigen ein gutes Fortbewegungsmittel, damit alles zusammenpasst. Wenn das Auto gut in der Kurve liegt, ist jede Wegkrümmung ein Genuss. Und wenn ein Klempner gut im Springen ist, macht jede Kluft Freude. Rayman war nie gut im Springen.

Um die Rennspiel-Metapher weiterhin zu benutzen: Ihm fehlt es einfach an den Stoßdämpfern. Rayman verfügt über kein Sprunggelenk. Während wir bei „Super Mario“ jeden Aufprall des Klempners zu spüren glauben, bietet Rayman eine unglaublich vage Präsenz. Ein seltsames Männchen, dessen Gliedmaßen wie durch Wunder zusammengehalten werden.

Der cleverste Schachzug von “Origins” ist es, diese mangelnde Eindeutigkeit nochmals zu unterstreichen. Ubisoft macht sich diese Lücke zwischen Raymans Korpus und seinen Extremitäten zunutze und entwirft eine Welt, in der ebenfalls nicht alles niet- und nagelfest ist. Ohne Knie, die ihn am Boden halten, kann Rayman sogar die Minenwagen von „Donkey Kong Country“ in Sachen Geschwindigkeit ausstechen.

Und die fehlenden Ellbogen? Das ist sogar von Vorteil, wenn man Rayman auf abbröckelnde Plattformen klettern lässt. Mit einigen Optimierungen, wird aus diesem Jump-’n’-Run-Helden eine Ode an die Freiheit der „Gliedmaßenlosigkeit“.

Dieser überholte Rayman ist ein robuster Held, der sich zwischen Marios akrobatischen Fähigkeiten und dem ständigen Vorwärtsbewegen von „Donkey Kong Country Returns“ angesiedelt hat. Die Level ermuntern dazu, einen Zahn zuzulegen. Wie bei „DKCR“ tauchen die Feinde in einem natürlichen Rhythmus in den Level auf und veranlassen den Spieler dazu, ständig über Absätze zu hüpfen und die mutigsten Manöver auszuführen.

Die Bonus-Level holen sogar aus den faulsten Spieler-Daumen das Beste heraus und sorgen für atemberaubende Durchläufe.

Rayman schnappt sich innerhalb eines engen Zeitlimits die sogenannten Lums, um seinen Score am Ende der Level ordentlich aufzubessern.

Jene Spieler, die durch die Sprints bei “Donkey Kong” eher frustriert waren, werden die zeitlich festgelegten Rasereien von Rayman sicherlich mehr mögen. „Origins“ ist so flüssig, wie es ein ordentliches Jump-‚n’-Run-Spiel sein muss. Rase, springe, rase, schwebe, rase und springe gegen die Wand.

Über kollabierende Cliffs und explodierende Piere zu rasen, macht dieses Jump’n’Run so flüssig wie es nur sein kann. Auch der Tod ist ein ständiger Begleiter. Er kommt sehr oft, aber wenn es soweit ist, fühlt er sich nie unfair an. Vergleicht man dieses Spiel mit „Bit.Trip Runner” oder den Minenwägen von „Donkey Kong“ (wo lange Strecken mit einer freudloser Rigidität geschafft werden müssen) so ist „Origins“ das bessere Game.

Wenn „Origins“ durch einen erfahrenen Gamer gespielt wird, bietet es die atemlose Energie von Looney Tunes. Michael Ancel hat mit dem Spiel eine schrullige Welt geschaffen. Er hat sich mit dem neuesten Rayman-Spiel auf jeden Fall darum bemüht, traditionelle Ideen zu verschleiern. Man kann sie gerne Popcorn oder Bärte nennen, aber wir wissen was eine Ebene und ein Seil ist, wenn wir sie sehen.

Die Schrulligkeit hat allerdings auch ihre negativen Seiten. In der Hölle ist sicherlich ein eigener Platz für die “Origins”-Entwickler reserviert. Das ständige „Zip-a-dee-doo-dah doo-wop“ veranlasst einen, die Audioausgabe zu deaktivieren.

Natürlich kann man die anderen auch dazu einladen, selbst zu spielen. „Origins“ ermöglicht, dass bis zu vier Gamer gleichzeitig zocken können. Allerdings bemerkt man schnell, dass die Welt nur für einen Spieler konzipiert wurde. Quetscht man Rayman und drei seiner Freunde hinein, erhält man schnell ein verwirrendes Durcheinander.

Ubisoft versucht, dieses Vier-Spieler-Erlebnis als einen Wettbewerbsmodus zu verkaufen, indem am Ende der Level auf die Lum-Menge fokussiert wird. Allerdings bietet das Spiel nicht genug Möglichkeiten, seine Freunde auszustechen. Somit funktioniert die Betonung auf den Konkurrenzkampf nicht wirklich.

Aber man sollte sich nicht auf die Schwächen des Spieles konzentrieren, denn es ist ein verdammt unterhaltsames Jump’n’Run. „Rayman Origins“ ist so gut, wie ein 2D- Jump’n’Run auf der Konsole nur sein kann.

Zugegebenermaßen bietet es wenig, wenn es um den Konkurrenzkampf geht. Aber trotzdem ist Rayman (Nintendos Maskottchen, das dieses Genre überhaupt erst erfunden hat) einfach atemberaubend.