Tests19. April 2012 , 02:04 Uhr

Resident Evil Revelations

Portables Gaming ist oft mit einer öffentlichen Umgebung verbunden. Deshalb zieht extremes Vertiefen ins Spiel in Begleitung von Geräuschen oft die Aufmerksamkeit auf sich. Dann gibt es den Fakt, dass der Bildschirm klein ist. Ist dieses Vertiefen da überhaupt möglich?

“Revelations” größte Offenbarung ist, dass es einen, trotz des kleinen Bildschirmes, das Fürchten lehrt. Capcom ist es gelungen, die Spannungsspirale über die eigentlich acht Stunden Spielzeit nach oben zu schrauben. Die Mittel, auf die das Entwicklerstudio zurückgreift, sind alles andere als billig und äußerst effektiv.

Aber welche sind das? Da ist einmal der Schauplatz in Form eines Geisterschiffes, dann werden Spannungen durch zwielichtige Gestalten aufgebaut, die durch das Schiff streifen und die Schnelligkeit, mit der der Horror auf einem zukommt, sorgt ebenfalls für Gänsehaut.

Als ein pures Horror-Game ist das Spiel ein Triumph. Jill Valentine und Parker Luciani sollen ein verlassenes Schiff mit dem Namen Queen Zenobia unter die Lupe nehmen. Auf Deck gelandet, nutzt Capcom die 3D-Technik, um die Grafiken zu vertiefen. Die hohen Wellen, die Flutlichter und sogar der knackige Po der Protagonistin sorgen für eine Atmosphäre, die sogar auf dem 4-Zoll-Display größer erscheinen. Die Liebe zum Detail macht hier den Unterschied zu anderen vergleichbaren Spielen aus.

Nur wenige Spiele sind so gut, dass man die tragbare Konsole den Standardkonsolen vorzieht. Aber “Resident Evil Revelations” schafft das. Capcom konnte sein Können bereits bei „Mercenaries 3D“ unter Beweis stellen, sodass „Revelations“ nur die Weiterführung dessen ist. Der dynamische Lichteinfall, die Teileffekte und die Ausführung von 3D sind besser gelungen als in den meisten Wii-Spielen.

Man sieht Schatten an der Wand, wenn sich die Glühbirne bewegt und es sind diese Effekte, die einem oft genug von den Monstern ablenken.

Es empfiehlt sich außerdem in ein gutes paar Kopfhörer zu investieren. Der Soundmix von „Revelations“ ist auf den integrierten 3DS-Lautsprechern fast eine Verschwendung. Das Stöhnen geschundener Monsterseelen, die Stiefel auf dem nassen Boden sowie die stechenden Laute der Feuerwaffen tragen genauso wie die Grafiken dazu bei, das Gruseln auslösen.

Die dritte Dimension

Das großartige 3D-Design sorgt darüber hinaus für noch mehr Freude. Vertieft man die Effekte, erhält man ähnliche Resultate wie bei „Ocarina 3D“ und erhöht auf subtile Weise die Dimensionen der Level. Es gibt drei Tiefeneinstellungen, die mal mehr mal weniger den Unterschied zwischen Jills sanftem Gesicht und den scharfen Zähnen der Monster vertiefen.

Obwohl gutes Aussehen nicht unbedingt auf gutes Design schließen lässt, muss man sich bei “Revelations” keine Gedanken um beides machen. Die Zenobia liefert den nötigen Effekt. Das ehemals luxuriöse Kreuzfahrtschiff bietet eine ausgezeichnete Kulisse als Hort des Horrors. Die klaustrophobisch engen Gänge, die Ballsaal-großen Räume und die abgelegenen Gästekabinen sorgen für ausreichend Spannung und genug Verstecke für die zahlreichen Monster. Das alles wird garniert mit verlassenen Kasinos und einst opulenten Treppen.

Auf Zenobia kann man sich entscheiden, ob man sich schnell durch die Gänge des Schiffes schlagen möchte oder ob man auf Entdeckungstour geht. Nebenbei sammelt man neuartig geformte Schlüssel und schaltet Waffen frei. Der „Genesis“-Scanner durchleuchtet die Objekte und ist beim Auffinden von beispielsweise Waffen oder versteckten Räumen behilflich und belohnt methodisches Suchen durch verbesserte Überlebensstatistiken. Jedoch ist das Scannen jedes Raumes zeitaufwendig und kann als Unterbrechung des Spielflusses empfunden werden.

Es ist jedoch Vorsicht geboten, denn während des Scannens, wird die Deckung aufgegeben. Man kann dann zwar das Ausmaß der Monsterherde erkennen, aber diese sind oft schneller da als man geglaubt. Für einige wird das der letzte benötigte Nervenkitzel sein, andere werden damit jedoch ihr Leben riskieren.

Die Zenobia ist jedoch nur zu 80 Prozent der Schauplatz des Geschehens. Die Handlung von „Revelations“ weitet sich global als auch historisch aus. Es werden BSAA-Untersuchungen durchgeführt und in der Zeit zurückgereist, um die Ereignisse zu untersuchen, die zum Auftrag geführt haben.

Diese Missionen bringen weitere Adrenalinschübe, die durchaus etwas irritieren, wenn man nicht darauf vorbereitet ist zwischen den verschiedenen Stilen zu wechseln.

Zuviel Spiel im Paket

Dafür wird jedoch eine reiche Auswahl an Charakteren geboten. Neben Jill und Russel-Crowe-Verschnitt Parker tauchen auch der zuverlässige Chris Refield und Agent Keith Lumley auf. Das Gute ist, das alle drei ihre Daseinsberechtigung haben und auch verdienen. Eine Meisterleistung liefert Capcom jedoch durch die Integration des Drehbuchautors von Animationsfilmen, Dai Sato. Satos Arbeitshintergrund für TV-Serien ist genau das Richtige für portables Gaming. Er teilt die Geschichte in leicht verdauliche Zehn-bis-Fünfzehn-Minuten-Stücke und füllt diese mit erinnerungswürdigen Sequenzen. Wer durch die fesselnde Geschichte seine Haltestelle verpasst, hat unser tiefstes Verständnis. Satos Anspruch schlägt sich aber auch im Design nieder. Jedes Kapitel ist durch überraschende Orte und Szenen klar unterscheidbar. Eine großartige Leistung.

Das Kampfsystem von “Resident Evil” ist ein Klassiker im Aufbau von Spannung, denn man muss den schwachen Punkt der Kreatur finden, damit die Schüsse ihre Wirkung haben. Mit jedem Schritt, den das Monster macht, wird die Bedeutung des nächsten Treffers immer wichtiger. „Revelations“ vergibt Fehler ziemlich oft. Darüber hinaus kann man das Schießsystem auf seine Bedürfnisse anpassen. Es gibt verschiedene Einstellungsmöglichkeiten wie First-Person-Ziel oder Third-Person-Ziel sowie verschiedene Stufen der Zielempfindlichkeit. Die Einstellungsmöglichkeiten sind Capcoms bisher benutzerfreundlichstes System.

Darüber hinaus wurden die Schussreaktionen und das Verletzungssystem angepasst. Während man früher Kniescheiben wegfliegen sehen konnte, werden Kugeln im Spiel der tragbaren Konsole nun eher absorbiert. Das bringt „Revelations“ eher auf eine Stufe mit zahlreichen RPGs anstatt ein wirklich blutiges Action-Game zu sein. Das ist noch kein K.o.-Kriterium, bringt aber einen Punkt Abzug. Des Weiteren benötigen heftige Schießereien strategisches Denken, denn ansonsten wirken sie sehr planlos und willkürlich.

Wir würden soweit gehen und “Resident Evil Revelations” für die 3DS, als eines der bisher besten Komplettpakete beschreiben. Manchmal hat man fast das Gefühl, dass zu viel Spiel hineingepackt wurde. Capcom hat definitiv die Latte um einiges höher gelegt. Es mag vielleicht nicht das perfekteste Action-Spiel sein, aber es ist eines der besten Beispiele für 3D-Gaming.