Tests19. April 2012 , 02:04 Uhr

Silent Hill Downpour

Silent Hill ist, wie so viele malerische Kleinstädte, der vorstädtischen Monotonie verfallen. Entwickler Vatra hat zu hoch gegriffen, sodass das Ergebnis leider etwas zu kurz kommt. An „Silent Hill Downpour“ hängt ein Hauch von Rezession und es macht den Eindruck, als hätte Valve am Ergebnis gespart, und zwar nicht nur an Geld sondern auch an Zeit und möglicherweise an Expertise.

Das ist wirklich schade, denn das Spiel hätte durchaus Potenzial gehabt. Alle paar Stunden wird es richtig lebendig und die „Andere Welt“-Bereiche sind voller Einfallsreichtum, der den des Originals sogar übertrifft. Vatra spielen mit der Realität, wie wir es uns von anderen Entwicklern wünschen würden. Da brechen Treppenstufen unter einem ein, während dunkle Korridore länger erscheinen als sie wirklich sind oder der Boden wird plötzlich zu einer Wand. Das alles wird in eine Umgebung gepackt, die grandioser ist als je zuvor.

Zuviele “aber”

Aber das größere Problem ist das Fehlen an Fokus. Was macht den Sinn des Spieles aus? Was möchte man hier dem Gamer an Erlebnis bieten? Für Silent-Hill-Fans ist das sicher einfacher zu beantworten, aber man braucht sage und schreibe fast sieben Stunden, um zu den interessanteren Teilen des Spieles zu kommen. Aber nichts hebt sich wirklich besonders positiv hervor. Die Puzzle können zwar befriedigend sein, aber sie sind zu weiträumig angelegt, um aus “Silent Hill Downpour” ein wirkliches Rätselspiel zu machen. Die Entdeckungen sind gut gemacht, aber auch hier ist es zu linear angelegt, um ein wirklich gutes Entdeckerspiel zu sein. Jedoch bekommt man eine gute Idee vom eigentlichen Potenzial des Spieles. Das Kampfsystem ist gut, aber zu eingeschränkt (blocken, schlagen), um ein gutes Kampfspiel zu sein. Außerdem ist der Protagonist Murphy Pendleton, ein Sträfling, der aus einem Gefangenentransport flüchten kann und in Silent Hill Schutz sucht, zu stark. Dadurch bekommt man nicht wirklich den nötigen Nervenkitzel, der ein Survival-Horror-Game sonst ausmacht. Das sind eine Menge „aber“ und hinzu kommt noch, das „Silent Hill Downpour“ niemals gruselig wird.

Die Monster sind zu vorhersagbar und zu eintönig. Pendletons Waffe wird zwar ab und an zu Bruch gehen, was eine gute Idee ist, aber auch nicht wirklich erheblich mehr Spaß bringt. Die Umgebungen sind oft fantastisch und sehr detailreich animiert, aber die Reviewversion des Spieles benötigte Ewigkeiten zum Laden. Das könnte jedoch bei der Verkaufsversion, die am 30. März 2012 auf den Markt kommt, anders sein. Die Außenszenen hatten darüber hinaus keine Umgebungsgeräusche, sodass diese wie tot erschienen. Das ist vielleicht Absicht oder wird sich auf der offiziellen Version noch ändern. Wir müssen uns zur Beantwortung dieser Frage also noch etwas gedulden.

Verpasste Chancen

“Silent Hill Downpour” versucht verzweifelt “Silent Hill 2” zu sein. Vatra geht sogar so weit, den Soundtrack vom zweiten Teil in den Radios von “Downpour” zu spielen. Außerdem soll das Spiel ein Beispiel für den langsamen Aufbau von Spannung sein, wird aber leider nur zur gähnenden Angelegenheit. Der Versuch mysteriös und düster-prophetisch zu sein, wirkt im Endeffekt aber leider nur lächerlich und manchmal sogar komisch.

Es gibt in “Silent Hill 2” einen klassischen Moment, wo man im Krankenhaus schon aus weiter Ferne ein quietschendes Geräusch hört. Sobald man den blutigen Spuren folgt und um die Ecke biegt, sieht man einen umgestürzten Rollstuhl sowie Einschusslöcher in den Fliesen. „Downpour“ leistet dieser bewegenden Szene Tribut. Hier befindet sich man an einer verlassenen Tankstelle und hört ebenfalls das quietschende Geräusch. Klettert man eine Leiter herauf, findet man auf dem Dach einen umgestürzten Rollstuhl. Ein Ort, wo normalerweise nie ein Rollstuhl hinkommen würde und genau das spiegelt das Hauptproblem bei „Downpour“ wieder. Aus einem Klassiker, wird eine verpasste Chance, die der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Hat man hier zuwenig nachgedacht oder sich vielleicht zuviel gedacht?

Wir werden es wohl nie erfahren, aber eins ist sicher: Ein etwas kleineres Betätigungsfeld mit mehr Fokus, hätte dem Spiel gutgetan. „Silent Hill Downpour“ ist zu groß, zu weitreichend und es ist nicht klar, was es eigentlich sein möchte. Silent-Hill-Fans werden sicher die Animationen und Umgebungen genießen, aber alle anderen sollten in diese verlassene Kleinstadt einer anderen Welt lieber keine Fuß setzen.